Schlagwort-Archiv: Bundesärztekammer

Bundesärztekammer und Landesärztekammern fordern höhere Qualitätsstandards bei der Zulassung ausländischer Ärztinnen und Ärzte

Die Landesärztekammer Baden-Württemberg forderte es am prägnantesten: Sie beauftragte ihren Vorstand, sich dafür einzusetzen, dass die ärztliche Selbstverwaltung in Baden-Württemberg nach dem Vorbild der Fachsprachenprüfung auch die Kenntnisprüfung für ausländische Ärztinnen und Ärzte übernimmt. Es könne nicht sein, so die Landesärztekammer, dass für die Kenntnisprüfung der ausländischen Ärztinnen und Ärzte zum Teil »privatwirtschaftliche organisierte« Dienstleister tätig wären, da »nicht gewährleistet sei, dass Vorbereitungskurse und Prüfungsorganisation getrennt« seien.

Dr. med. Martina Wenker, Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen

Dr. med. Martina Wenker, Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen; © ÄKN

Diese Forderung nach mehr Qualität wird auch von der niedersächsischen Landesärztekammer erhoben. Die Präsidentin der Ärztekammer, Dr. Martina Wenker, fordert strengere Regeln für Ärzte aus dem Ausland. Wer künftig als Arzt in Deutschland arbeiten möchte, müsse das deutsche Staatsexamen bestehen, sagte Wenker im Gespräch mit NDR 1 Niedersachsen. Die Ärztekammerpräsidentin begründet ihre Initiative mit Verweis auf das Wohl der Patienten. Diese müssten sicher sein können, dass ihr Arzt ordentlich ausgebildet ist und auch vernünftig Deutsch spricht. Dr. Martina Wenker fordert, dass künftig aus dem Ausland kommende Ärztinnen und Ärzte im deutschen Staatsexamen beweisen, dass sie Patienten nach den hiesigen Standards behandeln können. Nur wer die strenge Prüfung besteht, die auch für deutsche Ärzte gilt, dürfte demnach hier arbeiten.

Ebenso erklärte die Präsidentin der Landesärztekammer Thüringen, Dr. Ellen Lundershausen, dass das Absolvieren des deutschen Staatsexamens nicht nur für deutsche Staatsbürger, sondern auch für Migranten aus Drittstaaten bzw. Nicht-EU-Ländern verpflichtend sein sollte. Momentan wird bei jedem Bewerber geprüft, ob die jeweilige Ausbildung mit dem deutschen Staatsexamen vergleichbar ist. »Das reicht aus unserer Sicht nicht«, sagt die Präsidentin der Landesärztekammer, Dr. Ellen Lundershausen. »Das Niveau der Ausbildung ist zu unterschiedlich. Deshalb sollte das bisherige Verfahren einheitlich vom Staatsexamen abgelöst werden, um die hohe Qualität des Abschlusses und damit der Versorgung sowie die Patientensicherheit zu gewährleisten. Eine vergleichbare Regelung gibt es z.B. in den USA,« so Lundershausen in einer Presseinformation der Ärztekammer.

Eine entsprechende Aufforderung an die zuständigen Ministerien verlautbarte auch die Landesärztekammer Brandenburg: Der Präsident Dipl.-Med. Frank-Ullrich Schulz und der Vizepräsident Dr. med. Hanjo Pohle fordern eine bundesweit einheitliche Regelung bei der Zulassung ausländischer Kollegen und appellieren daher, so die Ärztekammer Brandenburg, an die Politik, die Zulassungsbedingung des zweiten und dritten Staatsexamens  für aus dem Ausland kommende Ärztinnen und Ärzte deutschlandweit durchzusetzen.

Zuvor hatte bereits die Ärztekammer Westfalen-Lippe eine entsprechende Prüfungszuständigkeit gefordert. Der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, Dr. Theodor Windhorst, betonte: »Es kann nicht sein, dass wir als Kammer erst reagieren dürfen, wenn die Kollegen auffällig werden und bei ihrer Arbeit Fehler machen.« Es reiche nicht aus, so der Kammerpräsident, dass lediglich Dokumente und Fachsprachenkenntnisse geprüft werden, bevor die Ärzte behandeln dürfen.

Prof. Dr. med. Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer

Prof. Dr. med. Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer; © picture alliance / Tobias Hase für Deutsches Ärzteblatt
BÄK, Bundesärztekammer

An die Spitze der zahlreichen Forderungen der Landesärztekammern setzte sich aktuell die Bundesärztekammer. Sie mahnt die schnelle Verschärfung der Zulassung ausländischer Ärztinnen und Ärzte an.  Der Präsident der Bundesärztekammer, zugleich Präsident der Ärztekammer Hamburg, Prof. Dr. med. Frank Ulrich Montgomery, forderte, dass ausländische Ärztinnen und Ärzte, die aus Nicht-EU-Ländern kommen, eine Prüfung auf dem Niveau des zweiten und dritten Staatsexamens ablegen müssen, um in Deutschland die Approbation zu erhalten. Prof. Montgomery nannte es im Gespräch mit dem Deutschen Ärzteblatt »überhaupt nicht mehr tragbar«, dass Berufszulassungen oder Approbationen nach alleiniger Prüfung der Papierform und Sprachprüfungen erteilt werden. »Wir müssen zum Beispiel ausschließen, dass Menschen als Arzt tätig werden, die sich in ihren Heimatländern Zertifikate gekauft haben, ohne jemals die Universität besucht zu haben«, sagte er.

Der BÄK-Präsident kündigte an, umgehend Gespräche mit der Gesundheitsministerkonferenz zu führen. Gut wäre es nach seiner Ansicht, wenn die Anpassungen bereits in der nächsten Staatsexamensrunde gelten würden. Prüfen sollten nach Ansicht des Präsidenten der Bundesärztekammer die Landesprüfungsämter, die dafür regelhaft Universitäten beauftragen.

Mit diesen Statements fordert die ärztliche Selbstverwaltung bundesweit höhere Standards bei der Zulassung von Ärztinnen und Ärzten. Solche einheitlichen Qualitätsstandards wurden bereits durch die Ärzteschaft bei der Fachsprachenprüfung geschaffen.

Nahezu bundesweit führen die Landesärztekammern ärztliche Fachsprachenprüfungen durch und haben damit ein einheitliches und transparentes Verfahren geschaffen. Sie haben dadurch vielfach kritisierte Prüfungen und Tests abgelöst, die einem privatwirtschaftlichen Interesse folgten und bei denen die Vorbereitung auf die Fachsprachenprüfung, das Lehrbuch zur Thematik und die Prüfungsdurchführung in einer Hand lagen.

Syrische Ärztinnen und Ärzte: mibeg-Institut Medizin als Treffpunkt und Lernort

Immer wieder kommt es im mibeg-Institut Medizin auch zu besonderen Begegnungen. Beim heutigen Kursstart umarmten sich begeistert zwei Ärzte, die sich nach langer Zeit zum ersten Mal wiedersahen. Beide hatten vor 22 Jahren gemeinsam das Studium aufgenommen und waren als Ärzte erfolgreich in Syrien tätig, bevor sie nach Deutschland kamen. Nun finden sich die Studienfreunde hier wieder, erneut in einer Lernsituation und zuversichtlich, gemeinsam mit allen anderen im Kurs die nächste Herausforderung zu nehmen.

Unter den zahlreichen Ärztinnen und Ärzten, die sich im mibeg-Institut Medizin auf ihre Approbation vorbereiten, sind sehr viele, die aus Syrien gekommen sind. Weiterlesen

Fachsprachprüfung: gut vorbereitet durch das mibeg-Institut Medizin und den Marburger Bund

Eröffnung Intensivkurs Fachsprache Medizin

Eröffnung Intensivkurs Fachsprache Medizin zusammen mit dem Marburger Bund

Strahlende Teilnehmer aus europäischen und außereuropäischen Ländern bereiten sich gemeinsam im mibeg-Institut Medizin auf die Fachsprachprüfung vor, die sie zur Erlangung der ärztlichen Approbation benötigen. Seminarleiterin Carina Schmidt begrüßte herzlich die Ärztinnen und Ärzte in Köln und eröffnete gemeinsam mit Prof. Dr. med. Ingo Flenker, langjähriger Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe und internistischer Chefarzt eines großen Dortmunder Klinikums, und dem Geschäftsführer des Marburger Bundes Landesvberband NRW / RLP, Andreas Höffken, den Kurs.

Die meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Intensivkurses Fachsprache Medizin haben bereits eine Stellenzusage. Nun möchten sie schnellstmöglich die Approbation bzw. die ärztliche Berufserlaubnis erlangen, um dann in bundesdeutschen Krankenhäusern zu arbeiten.

Die nächsten Starttermine des Intensivkurses Fachsprache Medizin finden Sie hier.

Ärztekammern: Wo ist eine Fachsprachprüfung erforderlich?

Es ist sehr wichtig, sich in seinem Bundesland bei der Approbationsbehörde zu erkundigen, welche Zertifikate anerkannt werden. Hilfreich ist es immer, sich über die Website der zuständigen Approbationsbehörde zu informieren. In fast allen Bundesländern ist nur eine durch die Landesärztekammer organisierte und durchgeführte Fachsprachprüfung anerkannt.

Hier die derzeit gültige Übersicht:

  • Baden-Württemberg
    Fachsprachprüfung durch die Landesärztekammer Baden-Württemberg erforderlich
  • Bayern
    Fachsprachprüfung durch die Landesärztekammer Bayern erforderlich
  • Berlin
    Fachsprachprüfung durch die Ärztekammer Berlin erforderlich
  • Brandenburg
    Fachsprachprüfung durch die Landesärztekammer Brandenburg erforderlich
  • Bremen
    Fachsprachprüfung durch die Ärztekammer Bremen erforderlich
  • Hamburg
    Fachsprachprüfung durch die Ärztekammer Hamburg erforderlich
  • Hessen
    Anerkanntes Sprachzertifikat (zum Beispiel telc-Standard), mindestens Niveau B2 / C1
  • Mecklenburg-Vorpommern
    Fachsprachprüfung durch die Landesärztekammer Mecklenburg-Vorpommern erforderlich
  • Niedersachsen
    Fachsprachprüfung durch die Landesärztekammer Niedersachsen erforderlich
  • Nordrhein-Westfalen
    Fachsprachprüfung durch die Ärztekammer Nordrhein bzw. durch die Ärztekammer Westfalen-Lippe erforderlich
  • Rheinland-Pfalz
    Fachsprachprüfung durch die Bezirksärztekammer Rheinhessen erforderlich
  • Saarland
    Anerkanntes Sprachzertifikat (zum Beispiel telc-Standard), mindestens Niveau B2 / C1
  • Sachsen
    Fachsprachprüfung durch die Landesärztekammer Sachsen erforderlich
  • Sachsen-Anhalt
    Fachsprachprüfung durch die Landesärztekammer Sachsen-Anhalt erforderlich
  • Schleswig-Holstein
    Fachsprachprüfung durch die Landesärztekammer Schleswig-Holstein erforderlich, in Verbund abgenommen mit der Landesärztekammer Mecklenburg-Vorpommern
  • Thüringen
    Fachsprachprüfung durch die Landesärztekammer Thüringen erforderlich

In allen Bundesländern muss ein allgemeinsprachliches Prüfungszertifikat B2 (GER) eines anerkannten Sprachinstitutes vor der medizinischen Fachsprachprüfung vorgelegt werden. 2012 wurde die erste Fachsprachenprüfung durch die Ärztekammer Rheinland-Pfalz entwickelt und durchgeführt, jetzt haben die Ärztekammern ein bundesweites Angebot etabliert.

120. Deutscher Ärztetag: Forderungen zur Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse

Der 120. Deutsche Ärztetag hat Beschlüsse zu den Anerkennungsverfahren und zur Integration ausländischer Gesundheitsfachkräfte gefasst und als Forderungen an den Gesetzgeber übermittelt. Dazu gehört, dass

  • die Gleichwertigkeit der medizinischen Grundausbildung aus Drittstaaten in einem bundeseinheitlichen Verfahren und mittels einer gegenüber der zuständigen Approbationsbehörde abzulegenden Prüfung nachzuweisen ist. Die Prüfung muss dem Niveau des zweiten und dritten Teils des deutschen medizinischen Staatsexamens äquivalent sein. Eine Integration in entsprechende Prüfungen der medizinischen Fakultäten ist vorstellbar.
  • durch die zuständigen Approbationsbehörden eine zentrale Webseite eingerichtet wird, auf der die Vorgaben, das Verfahren der Antragstellung, zuständige Behörden und Ansprechpartner, Inhalte und Ablauf des Anerkennungsverfahrens, einschließlich einer Beschreibung der Anforderungen dieser Kenntnisprüfung und auch der Fachsprachenprüfung (als weitere notwendige Voraussetzung für die Erteilung der deutschen Approbation), veröffentlicht werden, damit sich Interessenten aus dem Ausland unkompliziert informieren und vorbereiten können.

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