Anerkennung: Blog Anerkennung Gesundheitsberufe

Marburger Bund verurteilt Anfeindungen gegen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Ärztinnen und Ärzte

Dr. med. Susanne Johna, 1. Vorsitzende des Marburger Bundes Bundesverband; © Marburger Bund

Dr. med. Susanne Johna, 1. Vorsitzende des Marburger Bundes Bundesverband; © Marburger Bund

»Der Umgang mit öffentlich geäußerten wissenschaftlichen Positionen erreicht ein erschreckendes Maß an Verrohung. Das darf uns als Gesellschaft nicht gleichgültig sein. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben unsere Solidarität verdient, wenn sie ihre Erkenntnisse mit der Öffentlichkeit teilen«, erklärte Dr. Susanne Johna, Vorsitzende des Marburger Bundes, zu jüngsten Berichten über Anfeindungen gegen Wissenschaftler und Ärzte.

»Wenn Wissenschaftsfeindlichkeit auf ungezügelte Aggression trifft, ist das nicht nur ein Angriff auf die Würde von Menschen – es hat auch gravierende Folgen für unsere Demokratie, die auf vernunftgeleitete Wissenschaftsdiskurse angewiesen ist. Das gilt für die Bewältigung von Krisen, seien es Pandemien oder Folgen des Klimawandels, genauso wie für Debatten zu einer verantwortungsvollen und humanen Gestaltung gesellschaftlichen Fortschritts«, bekräftigte Johna.

Johna rief Politik und Medien dazu auf, sich verstärkt für ein wissenschaftsfreundliches Diskursklima einzusetzen. »Es reicht nicht, den Respektverlust im gesellschaftlichen Austausch nur zu beklagen. Politik und Medien sind aufgerufen, den ganz konkreten Wert von Wissenschaft für die Menschen zu verdeutlichen. Wissenschaft braucht einen öffentlichen Resonanzraum, der einen respektvollen Austausch auch unterschiedlicher Bewertungen neuer Erkenntnisse möglich macht.«

125. Deutscher Ärztetag: Klimaschutz ist Gesundheitsschutz

Die Klimakatastrophe und ihre Folgen sind zentrales Thema auf dem nächsten Deutschen Ärztetag, der am 1. und 2. November 2021 in Berlin stattfindet. Klimawandel und Gesundheit werden aus medizinischer Sicht beleuchtet, zu den Referentinnen zählt die Ärztin und Epidemiologin Univ. Prof. Dr. Dr. med. Sabine Gabrysch, Professorin für Klimawandel und Gesundheit an der Charité – Universitätsmedizin Berlin und Ko-Leiterin der Abteilung für Klimaresilienz am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung.

Neue Facharztkompetenz Innere Medizin und Infektiologie

Ein wichtiges und spannendes Arbeitsgebiet für internistisch tätige Ärztinnen und Ärzte in Deutschland ist der Bereich Infektiologie.

Zukünftig haben, so der 124. Deutsche Ärztetag, Ärztinnen und Ärzte die Möglichkeit, den Titel »Facharzt oder Fachärztin Innere Medizin und Infektiologie« zu erwerben. Derartig weitergebildete Ärzt/innen können sich Infektiologe / Infektiologin nennen. Damit ist diese ärztliche Spezialisierung auch für aus dem Ausland kommende Ärztinnen und Ärzte ein wichtiger Bereich, in dem sie in Deutschland arbeiten und sich weiter fortbilden können. Nach der positiven Beschlussfassung durch den Deutschen Ärztetag müssen jetzt noch weitere Gremien befasst werden und schließlich die Landesärztekammern ihre Weiterbildungsordnungen gestalten.

Ganz besonders haben sich für dieses neue Weiterbildungssystem der Präsident der Ärztekammer Schleswig-Holstein, Prof. Dr. Hendrik Herrmann, und der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, Dr. Hans-Albert Gehle, eingesetzt.

Die neue Facharztweiterbildung versteht sich als vertiefende Fachkompetenz im Gebiet der Inneren Medizin. Die Weiterbildungszeit umfasst insgesamt 72 Monate, davon müssen

  • 36 Monate in Innere Medizin und Infektiologie abgeleistet werden, davon
    • können zum Kompetenzerwerb bis zu 6 Monate Weiterbildung in Hygiene- und Umweltmedizin, Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie und/oder in Öffentlichem Gesundheitswesen angerechnet werden
    • müssen 24 Monate in der stationären Patientenversorgung abgeleistet werden
  • 24 Monate in mindestens zwei anderen Facharztkompetenzen des Gebiets abgeleistet werden
  • 6 Monate in der Notfallaufnahme abgeleistet werden
  • 6 Monate in der Intensivmedizin abgeleistet werden.

Die bisher bestehende Zusatzweiterbildung Infektiologie ist in die neue Facharztweiterbildung vollständig integriert. Zusammen mit den Gebieten »Hygiene und Umweltmedizin« und »Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie« ist infektiologisches Wissen nunmehr deutlicher als zuvor in der Musterweiterbildungsordnung verankert.

Damit reagiert die deutsche Ärzteschaft zugleich auf die Covid-19-Pandemie, die aufzeigt, welche Bedeutung Infektionskrankheiten für die Gesellschaft haben. Die Anforderungen an die klinische Infektiologie werden steigen.

Medizin studieren in Ostwestfalen-Lippe

Mit 60 Medizinstudierenden startet die Medizinische Fakultät der Universität Bielefeld im Oktober 2021. Es ist eines der Lieblingsprojekte der derzeitigen Landespolitik und transportiert die Hoffnung, dass mit der Einrichtung der Medizinischen Fakultät OWL die Zahl der ausgebildeten Ärztinnen und Ärzte steigt und zugleich eine Verbesserung der ärztlichen Versorgung in ländlichen Räumen erreicht wird.

Ausgehend von 60 bereits eingerichteten Studienplätzen sollen in der Endausbaustufe ab 2025 etwa 300 Studierende in Bielefeld Medizin studieren können. Der Studiengang soll sich durch eine besondere Praxisnähe auszeichnen, zahlreiche Kliniken und Arztpraxen sind mit einbezogen.

Das Klinikum Bielefeld, das Evangelische Klinikum Bethel und das Klinikum Lippe bilden zusammen die Medizinische Fakultät OWL. Ein kleinerer Projektstudiengang in Siegen war zuvor gescheitert. Mit diesem Modell wird nun deutlicher die Hoffnung verbunden, Ärztinnen und Ärzte zu gewinnen, um in der allgemeinmedizinischen Versorgung den regionalen Ärztemangel in Ostwestfalen-Lippe zu verringern.

Dr. med. Hans-Albert Gehle, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe und Vorsitzender des Marburger Bundes Landesverband NRW/RLP, begrüßte die Einrichtung des Studiengangs ausdrücklich. Dr. Gehle fordert darüber hinaus von der Landesregierung die Stärkung des öffentlichen Gesundheitsdienstes durch eine Stiftungsprofessur an der Universität Bielefeld.

Prof. Dr. Claudia Hornberg ist die Gründungsdekanin der Medizinischen Fakultät der Universität Bielefeld. Zu den leitenden Ärzten, die die Fakultätsgründung engagiert begleiten, zählt der Ärztliche Direktor des Klinikums Bielefeld, Dr. med. Wolfgang Schmidt-Barzynski, der wie Dr. Hans-Albert Gehle dem Wissenschaftlichen Beirat des Programms IQuaMed des mibeg-Instituts angehört.

Neuer Start zur Anerkennung für Pflegefachkräfte in NRW

Herzlich willkommen im 7. Praxisseminar Pflege: mibeg-Institut und KKS Essen freuen sich gemeinsam auf die Pflegefachkräfte, die an den Start gehen

Herzlich willkommen im 7. Praxisseminar Pflege: mibeg-Institut und KKS Essen freuen sich gemeinsam auf die Pflegefachkräfte, die an den Start gehen

Die ersten sind schon sehr früh eingetroffen und haben sich munter zum Foto aufgestellt, während ein Drittel des Kurses noch mit der Anreise beschäftigt war. Planmäßig gingen am 4. Oktober 2021 Pflegefachkräfte aus verschiedenen Regionen in NRW (und aus vielen unterschiedlichen Herkunftsländern) an den Start, um sich in Essen zielgerichtet in sechs Monaten auf die Kenntnisprüfung vorzubereiten.

Das Praxisseminar Pflege des mibeg-Instituts, das wir zusammen mit der KKS Essen durchführen, ist wie folgt aufgebaut: Drei Monate dienen der theoretischen Qualifizierung, drei Monate der angeleiteten Praxis, und am Ende steht die Kenntnisprüfung, abgenommen durch das Landesprüfungsamt und die Bezirksregierung Münster. Eine sehr erfahrene Pflegewissenschaftlerin leitet das Seminar, das das mibeg-Institut mit Unterstützung des Wissenschaftlichen Beirats zum Programm IQuaMed 2015 konzipiert und erstmalig dem nordrhein-westfälischen Gesundheitsministerium vorgestellt hat.

Selbstverständlich hat dieses Modellprojekt bundesweit viel Aufmerksamkeit bekommen, so auch 2018 bei einer Veranstaltung von Saaris zur Anerkennung von Gesundheitsberufen in Saarbrücken, wo unser Modellprojekt auf besonders fruchtbaren Boden fiel. Auch dort wird seit Kurzem ein sechsmonatiges Projekt für Pflegekräfte unter dem Titel INGA angeboten.

Unser Seminarprojekt Praxisseminar Pflege geht regelmäßig an den Start und bietet in Zusammenarbeit mit den Agenturen für Arbeit und den Jobcentern über die AZAV eine verlässliche und gute Basis für anerkennungssuchende Pflegefachkräfte sowie für Kliniken und Altenpflegeeinrichtungen, die so qualifizierte Mitarbeiter/innen dringend suchen.

Das Seminar befördert gute Chancen für aus dem Ausland kommende Pflegekräfte, durch dieses Praxisseminar ihre Anerkennung zu erlangen, und unterstützt sie damit für ein selbstständiges Arbeiten in der Klinik. Darüber hinaus zeigt die kontinuierlich erfolgreiche Realisierung der Seminarreihe, dass für die Pflege das Ziel des IQ Förderprogramms, Nachhaltigkeit zu schaffen, erreicht wird. Denn die zunächst über Projektförderung eingesetzten Bundes- und ESF-Mittel können nun über die AZAV sinnvolle und dauerhaft nutzbare Wege schaffen.

Wir wünschen allen eine gute Zusammenarbeit und ein erfolgreiches Seminar!