Anerkennung: Düsseldorf

Bezirksregierung Münster in NRW ab 2020 erneut allein zuständig für die Anerkennung der Gesundheitsberufe

Nach dem Beschluss des Landeskabinetts NRW ist es jetzt auch offiziell: Die Anerkennung  ausländischer Abschlüsse in Gesundheitsberufen soll ab 2020 zentral durch die Bezirksregierung Münster erfolgen. Antragsteller wenden sich künftig direkt an die entsprechende Abteilung bei der Bezirksregierung Münster. Nicht nur Gesundheitsfachkräfte wie Gesundheits- und Krankenpfleger, Ergotherapeuten und Physiotherapeuten bekommen dann dort auf Antrag ihren entsprechenden Bescheid, sondern auch Angehörige akademischer Heilberufe, zu denen Ärzte, Zahnärzte und Apotheker gehören.

Dass die Zuständigkeit für diese Bereiche nach Westfalen geht, gehört sicher zu den Lieblingsprojekten des nordrhein-westfälischen Arbeits- und Gesundheitsministers Karl-Josef Laumann, der sich die Beschleunigung von Anerkennungsverfahren ganz oben auf die politische Agenda gesetzt hat. Was der Öffentlichkeit jetzt allerdings als Ende der »Zersplitterung« vorgestellt wird, ist nichts anderes als die Verlagerung von Düsseldorf nach Münster. Alle Gesundheitsfachberufe waren in den letzten Jahren zentral bei der Bezirksregierung Düsseldorf in der Verwaltungszuständigkeit, und dort ist auch das Landesprüfungsamt für Medizin, Psychotherapie und Pharmazie angesiedelt.

Dezentral organisiert, also verteilt über fünf Bezirksregierungen in NRW, war lediglich die Zuständigkeit für die akademischen Heilberufe. Da das ständige politische Auf und Ab zwischen Zentralisierung und Dezentralisierung, das natürlich auch mit entsprechenden Kosten verbunden ist, bürgernah präsentiert werden muss, wird das Ganze mit dem Anspruch der Beschleunigung der Verfahren begründet. Zudem soll Münster nicht das neue Reiseziel für Antragsteller werden, da die Anträge zukünftig vor allem digital bearbeitet werden sollen.

Die Beauftragung der Bezirksregierung Münster, die die Verfahren bereits vor einigen Jahren zentral für NRW verantwortete, setzt voraus, dass auch entsprechende Ressourcen bereitgestellt werden, sowohl im Personalbereich als auch im Bereich der Sachausstattung, insbesondere im Bereich der EDV. Hierzu wurde allerdings bislang nichts verlautbart.

Bei einer Fachtagung des Bundesgesundheitsministeriums Ende 2018 hat das mibeg-Institut Medizin bereits in Bezug auf die Gutachtenstelle für Gesundheitsberufe GfG deutlich gemacht, dass die wünschenswerten schnelleren und transparenteren Anerkennungsverfahren nicht nur politisch gefordert werden sollten, sondern dass die mit der Abwicklung beauftragten zuständigen Stellen auch mit den entsprechenden Mitteln ausgestattet werden müssen. Weiterlesen

Regionalkonferenzen Fachkräftesicherung in den Gesundheitsberufen in NRW 2019

Regierungspräsidentin Birgitta Radermacher eröffnet die Regionalkonferenz Fachkräftesicherung in den Gesundheitsberufen in NRW 2019 in Düsseldorf

Regierungspräsidentin Birgitta Radermacher eröffnet die Regionalkonferenz Fachkräftesicherung in den Gesundheitsberufen in NRW 2019 in Düsseldorf

Über den Fachkräftebedarf und die Fachkräftesicherung im Gesundheitswesen ist Nordrhein-Westfalen im Gespräch. Das nordrhein-westfälische Gesundheitsministerium MAGS lädt aktuell zu Regionalkonferenzen ein, die über die Entwicklungen in NRW unter Berücksichtigung der Regionen Düsseldorf, Köln, Münster, Detmold und Arnsberg berichten und nicht nur die Pflegeberufe in der Kranken- und Altenpflege thematisieren, sondern auch die weiteren Therapieberufe und das Hebammenwesen mit einbeziehen.

Die Auftaktveranstaltung fand in der Bezirksregierung Düsseldorf statt. Das Grußwort vor den 150 Experten aus den Bereichen Pflege, Pflegeausbildung, Bildungsmanagement, den zuständigen Bezirksregierungen und Abteilungen der Ministerien sprach als Hausherrin die Regierungspräsidentin Birgitta Radermacher, die in ihrer Eröffnungsrede betonte, dass Pflege und die Weiterentwicklung der Pflegeberufe derzeit das zentrale Thema nicht nur auf Bundes-, sondern auch auf Landesebene sei. Die für NRW geplante Pflegekammer, die weitere Akademisierung der Gesundheitsfachberufe und die Etablierung der generalistischen Pflegeausbildung in NRW seien große Aufgaben, die sich derzeit stellen und mit den zuständigen Pflegeexperten beraten und umgesetzt würden. Weiterlesen

Robert Schäfer im Interview über Steuerungsgrößen im Gesundheitswesen: »Wenn die GPS-Navigation ausfällt, sollte man einen Kompass bedienen können.«

Dr. med. Robert Schäfer

Dr. med. Robert Schäfer

Bedarfsplanung ist eine der schwierigsten Aufgaben, die sich derzeit nicht nur im deutschen Gesundheitswesen stellen. anerkennung-medizin.de fragt im Interview heute einen der profundesten Kenner des deutschen Gesundheitswesens, Dr. med. Robert Schäfer, der lange Zeit als Geschäftsführender Arzt für die Ärztekammer Nordrhein verantwortlich zeichnete und heute im Aufsichtsrat einer Klinik in Nordrhein-Westfalen für Krankenhausstrategien zuständig ist.

Mit diesem Interview eröffnen wir ein neues Format auf unserem Informationsblog anerkennung-medizin.de.

anerkennung-medizin.de: Was sind Ihrer Meinung nach Größen, die Orientierung für eine Steuerung des Gesundheitswesens vermitteln?

Dr. med. Robert Schäfer: Die Grundlage allen Handelns bei der Steuerung im Gesundheitswesen bildet die Epidemiologie, die Summe aller Erkrankungen, Unfälle, Notfälle. Unter normalen Umständen sind Erkrankungshäufigkeiten stabile Größen. Deren Behandlung erfordert gut ausgebildetes Personal und ausreichende Mittel für die Versorgung der Patienten, also Mittel für Personal, Material und Gebäude, in denen dies erfolgt. Den Personal- und Mittelbedarf des Gesundheitswesens kann man unter Zugrundelegung dieser Daten berechnen. Daher ist eine sorgfältige Erhebung epidemiologischer Daten die Basis für die Ermittlung des Personal- und Mittelbedarfs.
Personen und Mittel sach- und zeitgerecht einzusetzen und damit die aufgetretenen Gesundheitsstörungen erfolgreich zu behandeln, erfordert ein Gesundheitssystem, dessen Systemqualität an Parametern wie Gesundung oder Sterblichkeit gemessen werden kann.

Welche Rolle spielt der Faktor Zeit?

Die zeitgerechte Bereitstellung von Hilfen im Gesundheitswesen entscheidet über deren Erfolg. Zwei Beispiele: Für eine Herz-Lungen-Wiederbelebung sind Minuten entscheidend, bis qualifizierte Helfer sie erfolgreich einsetzen. Diese Helfer in ausreichender Zahl auszubilden und vorzuhalten, dauert Jahre. Eine bedarfsgerechte Bildungsplanung erfordert hohe Kompetenz und Sorgfalt, wie die Reform der Ausbildung in der Pflege zeigt. Wie beim Phänomen Lehrermangel wissen wir aber auch, dass selbst dann, wenn Verantwortliche wissen, dass der Bedarf an Lehrern durch mehr Schüler steigt, keine zeit- und bedarfsgerechte Reaktion erfolgt.

Was erschwert Planungen im Gesundheitswesen?

Fortschritt und unzulängliche Vorhersehbarkeit von medizinischen Entwicklungen bzw. Erfolgen, wie aber auch unangemessene Erwartungen. So kann eine erfolgreiche Impfstrategie Krankheiten verschwinden lassen, wie etwa Kinderlähmung. Ähnlich bedeutsam: Das Verkennen vernünftigerweise zu akzeptierender Bedingungen führt zu gravierenden Fehlentscheidungen.

Welcher Einfluss ist der Digitalisierung im Gesundheitswesen beizumessen?

Informationsbeschaffung, Speicherung und Verarbeitung finden an vielen Stellen der Medizin noch mit traditionellen Techniken statt. Da mit disruptiven Veränderungen im Bereich der Informationsverarbeitung zu rechnen ist, ist ein großer Anpassungsbedarf zu erwarten. Dabei kommt dem Thema Ausfallsicherheit in der Medizin besondere Bedeutung zu. Wenn die GPS-Navigation ausfällt, sollte man einen Kompass bedienen können. Aber auch die Kompatibilität – das verträgliche Miteinander – digitaler Systeme, die am Menschen Anwendung finden, ist von großer Bedeutung.

Was sollte die Politik bei der Weiterentwicklung des Gesundheitswesens beachten?

Eine Verbesserung der Gesundheitsberichterstattung ist zu wünschen und mit geringem Aufwand machbar, um eine objektive Entscheidungsgrundlage für notwendige Investitionen und Bildungsmaßnahmen im Gesundheitswesen zu schaffen, die für alle Beteiligten verbindlich ist. Angesichts zu erwartender Änderungen durch die Digitalisierung ist eine engmaschige Kontrolle von Ursachen-Wirkungsbeziehungen erforderlich, um bei Bedarf zeitnah gegensteuern zu können.

Siehe hierzu auch: »Wie viele Ärzte braucht das Land? – Daten zur ärztlichen Bedarfsplanung«

Das Gespräch mit Dr. med. Robert Schäfer führte Barbara Rosenthal für anerkennung-medizin.de.

Ärztliche Kenntnisprüfung

Liebes mibeg-Institut,

»ich wollte noch gerne mitteilen, dass ich vor zwei Wochen die Kenntnisprüfung bestanden habe. Ich bin für den Kurs und die hochprofessionelle Unterstützung des mibeg-Instituts besonders dankbar. Falls ich nach dieser Erfahrung irgendwie von Nutzen sein kann, stelle ich mich gerne zur Verfügung«, schrieb uns mit herzlichen Grüßen Ruben F.

Der Arzt, der ursprünglich aus El Salvador stammt, erhält nun seine deutsche Approbation und wird als Arzt in Düsseldorf arbeiten. Wir gratulieren sehr herzlich.

Pflegefachkräfte aus Ausland: Zu lange Verfahrensdauer bei der beruflichen Anerkennung?

Der Bonner Generalanzeiger berichtet aktuell über Probleme mit der Verfahrensdauer der Beantragung der beruflichen Anerkennung von aus dem Ausland kommenden Pflegefachkräften.

Während das Bundesgesundheitsministerium auf Anfrage konstatiert, dass durch das Anerkennungsgesetz wesentliche Fortschritte erreicht sind: »Wenn es Probleme gebe, dann lägen sie im Vollzug, und der betrifft nun mal die Länder. Das Ziel der Anerkennungsregelungen, einen angemessenen Ausgleich zwischen den Interessen der antragstellenden Personen an einer Anerkennung ihrer beruflichen Qualifikationen zum Zweck der Integration in den deutschen Arbeitsmarkt und dem Patientenschutz zu schaffen, ist erreicht worden«, weist das nordrhein-westfälische Gesundheitsministerium MAGS auf noch bestehende Schwierigkeiten hin.

Laut Bonner Generalanzeiger »gibt das nordrhein-westfälische Gesundheitsministerium zu, ›dass die Anerkennungsverfahren von Pflegeausbildungen aus dem Ausland nicht rund laufen‹. Das Haus habe eine ›Reihe von Schreiben‹ erreicht, ›in denen auf eine unverhältnismäßig lange Bearbeitungsdauer hingewiesen wird‹.« Weiterlesen