Nasrin E., eine unserer vielen Teilnehmerinnen am heutigen Informationsseminar »Wege zur Anerkennung«, haben wir zu einem Interview eingeladen:
Was möchten Sie in Zukunft tun?
Ich möchte so gern meine Anerkennung als Gesundheits- und Krankenpflegerin bekommen, um endlich hier arbeiten zu können. Ich bin nun schon drei Jahre in Deutschland, zusammen mit meinem Mann, der im Bereich der Gesundheitswissenschaften an seiner Doktorarbeit schreibt. Ich würde auch gern wieder berufstätig sein können, denn ich verfüge über eine gute Ausbildung und viel Berufserfahrung.
Was haben Sie bislang unternommen, um die Anerkennung Ihres Berufs als Gesundheits- und Krankenpflegerin zu bekommen?
Ich habe alle meine Unterlagen zur Bezirksregierung geschickt, und die Bezirksregierung hat dann meine Unterlagen geprüft. Die Ausbildung in meinem Herkunftsland Iran ist anders als in Deutschland. Ich habe vier Jahre Krankenpflege studiert, meinen Bachelor gemacht und anschließend noch ein Masterstudium in Medizinischer Physiologie erfolgreich abgeschlossen. Insgesamt war ich danach acht Jahre als Krankenpflegerin berufstätig. Leider konnte nur wenig angerechnet werden, mein Masterstudium war gar nicht relevant für die Anerkennung und leider auch meine praktische Berufserfahrung. In meinem Herkunftsland wird nur die Dauer und der Ort der Berufstätigkeit bescheinigt, aber nicht im Detail, was ich gemacht habe. Wir haben also ganz andere Zeugnisse als die, die in Deutschland üblich sind.
Es wurde also Ihr Bachelorstudium verglichen mit der deutschen Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin?
Ja, genau. Nur mein Bachelor-Studium wurde genau über die Stunden ausgezählt, und die Bezirksregierung hat mir dann mitgeteilt, dass ich im Vergleich zur Ausbildung hier vor allem in der Neurologie, der Psychiatrie und im Bereich der ambulanten Versorgung ein „rechnerisches Defizit“ habe. Ich muss noch über 500 Stunden in der Neurologie arbeiten, über 180 in der Psychiatrie und über 500 in der ambulanten Versorgung. Dann soll ich noch über 130 Stunden »zur Verteilung« nachholen.
Welche Möglichkeiten bestehen für Sie, jetzt einen Ausgleich zu schaffen?
Ich kann eine Eignungsprüfung zu machen oder einen Anpassungslehrgang. Anpassungslehrgang heißt, dass ich praktisch in einem Krankenhaus mitarbeiten muss, um alle fehlenden Stunden nachzuholen. Ich habe gesagt, dass ich den Anpassungslehrgang machen will. Ich wollte unbedingt in einem Krankenhaus mitarbeiten, damit ich endlich wieder mit Patienten arbeiten kann.
Sie haben sich dann also beworben. Sie wohnen in einer großen Universitätsstadt mit vielen Krankenhäusern, auch im Umland. Sie hatten also viele Möglichkeiten.
Ja, ich habe auch gedacht, es sei sicher leicht. Aber ich suche nun schon über ein Jahr. Leider habe ich nur Absagen erhalten, manche erst nach über sechs Monaten. Ohne Unterstützung ist es sehr schwer. Ich bin froh, jetzt das Programm IQuaMed zu kennen.
Sie waren auf dem Informationsseminar Wege zur Anerkennung und haben das Programm IQuaMed des IQ Netzwerks NRW kennengelernt. Was haben Sie hier gelernt?
Das Seminar hat mir gut gefallen. Hier bin ich zum ersten Mal umfassend informiert worden, welche Möglichkeiten zur Unterstützung es für mich gibt. Hier bekomme ich jetzt Hilfe, ein Krankenhaus zu finden, in dem ich meinen Anpassungslehrgang absolvieren kann. Darauf richtet sich jetzt meine ganze Hoffnung. Das Programm IQuaMed will mich dabei unterstützen, damit ich meine Anerkennung bekommen kann. Es besteht auch die Möglichkeit, dass ich noch weitere Hilfen bekommen kann, wie z.B. Fahrgeld.
Wir müssen Ihnen ein großes Kompliment machen! Sie sprechen sehr gut Deutsch. Haben Sie in Ihrem Herkunftsland bereits Deutsch gelernt?
Nein, null! (Sie lacht) Ich habe kein Wort Deutsch gesprochen, als ich hierher kam. Aber seitdem habe ich intensiv gelernt und einen sehr guten Sprachkurs über den AStA der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf bekommen. Dazu habe ich noch einen Konversationskurs bei der Volkshochschule gemacht. Ich habe mittlerweile ein B2-Diplom, und mein Sprachlehrer hat mir gesagt, ich könne gern auch noch den C1-Kurs besuchen. Aber ich möchte lieber arbeiten, um meine Sprachkenntnisse auch praktisch anzuwenden und noch mehr Deutsch zu lernen. Zu Hause habe ich ja dazu nur wenig Möglichkeiten.
Wir wünschen Ihnen herzlich einen guten Start und begleiten Sie gern mit Qualifizierungs- und Beratungsangeboten des IQ Netzwerks auf Ihrem Weg zur Anerkennung.
Das IQ Netzwerk hilft Gesundheits- und Krankenpfleger/innen bei der Anerkennung ihres Berufs. Die Anerkennungs- und Qualifizierungsberater helfen mit vielen Informationen bei der Anerkennung. Das Programm IQuaMed für reglementierte Gesundheitsberufe in Nordrhein-Westfalen stellt darüber hinaus viele Qualifizierungsmöglichkeiten bereit.
Für Nordrhein-Westfalen hat das mibeg-Institut Medizin im September 2015 mit anerkannten Pflegeschulen und führenden Pflegedirektor/innen eine Weiterbildung konzipiert, die in sechs Monaten zur Eignungs- bzw. Kenntnisprüfung führt. In diesen Seminaren unterrichten Sprachdozent/innen und Pflegefachkräfte und bereiten auf die Anerkennung vor.
Interessentinnen und Interessenten wenden sich an das mibeg-Institut Medizin.

