In der aktuellen Ausgabe 5 / 2019 von »Klinik Management Aktuell KMA« des Thieme Verlags geht es um das zentrale Thema »Werben um Pflegefachkräfte« und um neue und kreative Ideen, Pflegefachkräfte an die Kliniken zu binden. Eine der praktikablen Ideen sind flexible Arbeitszeitmodelle, hervorragend beispielsweise umgesetzt im »Flexpool« des Lukaskrankenhauses Neuss unter der Leitung der Pflegedirektorin Andrea Albrecht, Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des Programms IQuaMed.
Andrea Albrecht, Gewinnerin des Pflegemanagement Awards, verdeutlicht, dass »Fachkräfteimport hilft, aber nicht das Problem löst«. Der Artikel kritisiert die Anwerbeaktionen, die, teilweise unterstützt durch öffentliche Mittel, über Jahre wenige Ergebnisse zeitigen würden, wie die Antwort der Bundesregierung auf eine entsprechende Anfrage im Deutschen Bundestag bestätige.
Auch die Initiativen des privatwirtschaftlichen Sektors müssen kritisch hinterfragt werden. Andrea Albrecht formuliert es pointierter: »Wenn man nicht aufpasst, gerät man leider schnell an regelrechte Menschenhändler.«
Ein weiterer Themenbereich, den »Klinik Management Aktuell« in den Fokus stellt, sind die Sprachbarrieren, die sich bei der Integration ausländischer Gesundheitsfachkräfte ergeben. Drei Expertinnen werden im Artikel »Babylonische Sprachverwirrung an deutschen Kliniken? – Diagnose: Sprachbarriere« befragt: Dr. Ruth Hecker, Leiterin der Stabsstelle Qualitätsmanagement und Klinisches Risikomanagement am Universitätsklinikum Essen, Barbara Napp, Pflegerische Zentrumsleitung am Herzzentrum des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf, und Barbara Rosenthal, Erziehungswissenschaftlerin und Leiterin des mibeg-Instituts Medizin.
Deutlich wird, dass die häufig von Arbeitgebern eingeforderte rund um den Schichtdienst organisierte Sprachförderung wenig zielführend ist, sondern eine effektive sprachliche – und im Anerkennungsverfahren teilweise notwendige fachliche – Qualifizierung vor Berufsstart in Deutschland erfolgen sollte. Die integrationsbegleitenden Unterstützungen können dann durch die Klinikarbeitgeber sicher fortgesetzt werden, wie die Projekte in Essen und Hamburg positiv verdeutlichen.
Ein rund um den Schichtdienst konzipiertes Fach- und Sprachenlernen ist häufig eine Zumutung für die Lernenden wie für die Lehrenden. Wenn der Schichtdienst in der Pflege morgens um sechs beginnt, soll dann der Sprachkurs um 4.30 Uhr in der Frühe starten? Oder soll der Erwerb der deutschen Sprachkenntnisse nach acht Stunden harter Arbeit erfolgen, im Schichtdienst auch mal am späten Abend endend? Viele dieser auch mit öffentlichen Mitteln bereitgestellten Programme erscheinen weit entfernt von der Klinikrealität mit hohen qualitativen Versorgungsansprüchen unter kurzer Patientenverweildauer. Dies gilt gleichermaßen für Pflegefachkräfte wie auch für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die zunächst »nur« als Pflegehelfer tätig sind, da noch sprachliche und fachliche Voraussetzungen für ihre berufliche Anerkennung als Fachkraft fehlen.
