Anerkennung: Fachstelle Berufsbezogenes Deutsch

GQMG fordert in einem Positionspapier verbesserte Sprachkompetenz von ausländischen Pflegefachkräften

GQMG Gesellschaft für Qualitätsmanagement in der GesundheitsversorgungEin Positionspapier mit glasklaren Forderungen hat die GQMG-Arbeitsgruppe Pflege und Qualität unter der Leitung von Vivienne Thomas, Armin Hauss und Vera Lux vorgelegt. Vera Lux gehört dem Vorstand der GQMG an und ist deren stellvertretende Vorsitzende.

Die GQMG legt einen 13 Punkte umfassenden Katalog vor, der nicht nur einheitliche und standardisierte Verfahren zur Ermittlung der Sprachkompetenz fordert, sondern auch, dass Sprachprüfungen auf die Pflegekammern zu übertragen sind. Die Einschätzung der berufsspezifischen Sprachkompetenz müsse durch qualifizierte Praxisanleiter/innen erfolgen. Aus dem Ausland kommende Pflegefachpersonen müssten im deutschen Gesundheitssystem fortgebildet werden. Fachliche wie sprachliche Anerkennung hätten einheitlichen Kriterien zu folgen.

Die Arbeitsgruppe hat sich intensiv mit der Sprachkompetenz von ausländischen Pflegefachpersonen auseinandergesetzt und betont, dass bei dem hohen Bedarf an Pflegefachpersonen es jedoch »Anlass zur Sorge (gibt), dass es mehr um Quantität als um Qualität geht. Die Anforderungen an die Sprachkompetenz werden eher abgesenkt, um die Anwerbung und Berufsanerkennung ausländischer Pflegefachpersonen schneller zu realisieren. Aufgrund der prekären Lage auf dem Arbeitsmarkt in Deutschland ist die Rekrutierung ausländischer Pflegefachpersonen zu einem attraktiven Geschäftsmodell für Vermittler geworden.«

Von diesem Geschäftsmodell wollen nicht zuletzt auch zahlreiche Sprachvermittler profitieren, die teilweise nicht einmal über eine akademische Sprachvermittlungskompetenz im Bereich der Germanistik verfügen. In Schnellkursen ernannte Lehrer/innen für Deutsch als Fremdsprache oder Deutsch als Zweitsprache sind neben qualifiziert ausgebildeten Sprachlehrer/innen auf einem Markt unterwegs, in dem die Zielgruppen Medizin und Pflege eine besondere Bedeutung haben. Fachbegriffe in Medizin und Pflege werden häufig von Sprachvermittlern gelehrt, die selbst nicht über Berufsabschlüsse und -erfahrungen in diesen Bereichen verfügen. In der Folge sind nicht nur skurril anmutende Lehrbücher entstanden, sondern es werden auch Kurse durchgeführt, die zeitlich unzumutbar rund um die Dienstzeiten von hart arbeitenden Pflegehelfern organisiert werden und Zertifikate nach sich ziehen, die ihr Geld nicht wert sind.

Mit dem Positionspapier der GQMG wird deutlich, dass es zur Qualitätssicherung im Bereich der Pflege höchste Zeit ist, hier entsprechende Qualitätsstandards zu schaffen.

Die Forderungen der GQMG im Einzelnen:

  1. Die Anerkennung von international erworbenen Bildungsabschlüssen muss nach (bundes-)einheitlichen Kriterien erfolgen.
  2. Zur Berufsanerkennung als Pflegefachperson ist das Sprachniveau C1 gemäß dem Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen (GER) erforderlich.
  3. Im Rahmen des Anerkennungsverfahrens müssen die pflegerischen und medizinischen Fachtermini geprüft und in die Bewertung der Sprachkompetenz aufgenommen werden.
  4. Für die Sprachkompetenzprüfung ist ein einheitliches und standardisiertes Verfahren zu entwickeln und anzuwenden.
  5. Die Prüfung der Sprachkompetenz ist auf die Pflegekammern zu übertragen. In Bundesländern, wo noch keine Pflegekammer existiert, soll das Land dafür eine zentrale Stelle einrichten.
  6. Sprachschulen müssen eine Zertifizierung bzw. Akkreditierung nachweisen.
  7. Die Einschätzung der berufsspezifischen Sprachkompetenz im Rahmen des Anerkennungsverfahrens muss durch qualifizierte Praxisanleiter erfolgen.
  8. Für die Begleitung während der Anerkennungsphase in der jeweiligen pflegerischen Einrichtung sind qualifizierte Praxisanleiter freizustellen.
  9. Arbeitgeber müssen sprachliche Qualifizierungsangebote bereitstellen, um die sprachliche Qualifikation der internationalen Pflegefachpersonen weiter zu entwickeln und langfristig zu sichern.
  10. Zur Bindung von zugewanderten Pflegefachpersonen müssen Arbeitgeber spezifische, auf den Beruf und das soziale Umfeld ausgerichtete Integrationskonzepte entwickeln.
  11. Internationale Pflegefachpersonen müssen im deutschen Gesundheitssystem fortgebildet werden.
  12. Bereitstellung finanzieller Mittel für eine wissenschaftliche und praxisbezogene Forschung im Hinblick auf effektive Maßnahmen zu Rekrutierungs- und Bindungsaspekten sowie zu den Auswirkungen auf die pflegebedürftigen Menschen und Outcomes seitens der Politik.
  13. Einsatz von strukturierten Arbeitshilfen wie z.B. SBAR (Holtel et al. 2015) für eine zielgerichtete Kommunikation.

Heilkunst braucht Sprachkunst: Ärzte weisen auf die Notwendigkeit der guten sprachlichen Qualifizierung hin

Prof. Dr. med. Fuat Hakan Saner arbeitet als Oberarzt an der Uniklinik Essen, als Kardiologe ist Dr. med. univ. Feras El-Hamid am Kreiskrankenhaus Waldbröl tätig, und Alexis Theodorou gehört zum Team Chirurgie der Uniklinik Bonn. Diese drei Ärzte verbindet ihr Engagement für den Marburger Bund, aber auch ihr Einsatz für eine hohe sprachliche Kompetenz von Ärztinnen und Ärzten, die der Schlüssel für eine sichere Patientenversorgung ist.

In einem gemeinsamen Aufsatz für die Marburger Bund Zeitung 7 / 2019 verdeutlichen die Mediziner: »Wir wissen, als Ärztin oder Arzt muss man sich sprachlich flexibel und dynamisch in beruflichen Alltagssituationen bewegen können. Die Sprachinhalte müssen so verstanden und – mündlich wie schriftlich – weitergegeben werden, dass Missverständnisse vermieden werden. Wir Ärzte benötigen eine berufsspezifische Sprachkompetenz. Missverständnisse könnten fatale Folgen haben.«

Die drei Mediziner weisen nicht nur auf die Fachsprachprüfungen hin, die durch die Landesärztekammern abgenommen werden, sondern auch auf gezielte Hilfestellung, die der Marburger Bund für ausländische Ärztinnen und Ärzte anbietet: »Gemeinsam mit dem mibeg-Institut Medizin bieten wir spezielle Intensivkurse Fachsprache Medizin an, die gezielt auf die Prüfung vorbereiten.«

Die drei klinisch tätigen Ärzte nennen als Ziel ihres Engagements: »Wir wollen eine qualitativ hochwertige Patientenversorgung in Krankenhäusern sicherstellen. Uns ist es wichtig, dass die aus dem Ausland kommenden Kolleginnen und Kollegen fachlich wie sprachlich gut vorbereitet in den Beruf starten.«

Topthema »Werben um Pflegekräfte«

In der aktuellen Ausgabe 5 / 2019 von »Klinik Management Aktuell KMA« des Thieme Verlags geht es um das zentrale Thema »Werben um Pflegefachkräfte« und um neue und kreative Ideen, Pflegefachkräfte an die Kliniken zu binden. Eine der praktikablen Ideen sind flexible Arbeitszeitmodelle, hervorragend beispielsweise umgesetzt im »Flexpool« des Lukaskrankenhauses Neuss unter der Leitung der Pflegedirektorin Andrea Albrecht, Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des Programms IQuaMed.

Andrea Albrecht, Gewinnerin des Pflegemanagement Awards, verdeutlicht, dass »Fachkräfteimport hilft, aber nicht das Problem löst«. Der Artikel kritisiert die Anwerbeaktionen, die, teilweise unterstützt durch öffentliche Mittel, über Jahre wenige Ergebnisse zeitigen würden, wie die Antwort der Bundesregierung auf eine entsprechende Anfrage im Deutschen Bundestag bestätige.

Auch die Initiativen des privatwirtschaftlichen Sektors müssen kritisch hinterfragt werden. Andrea Albrecht formuliert es pointierter: »Wenn man nicht aufpasst, gerät man leider schnell an regelrechte Menschenhändler.«

Ein weiterer Themenbereich, den »Klinik Management Aktuell« in den Fokus stellt, sind die Sprachbarrieren, die sich bei der Integration ausländischer Gesundheitsfachkräfte ergeben. Drei Expertinnen werden im Artikel »Babylonische Sprachverwirrung an deutschen Kliniken? – Diagnose: Sprachbarriere« befragt: Dr. Ruth Hecker, Leiterin der Stabsstelle Qualitätsmanagement und Klinisches Risikomanagement am Universitätsklinikum Essen, Barbara Napp, Pflegerische Zentrumsleitung am Herzzentrum des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf, und Barbara Rosenthal, Erziehungswissenschaftlerin und Leiterin des mibeg-Instituts Medizin. Weiterlesen

NRW-Integrationsminister Joachim Stamp übt scharfe Kritik an Deutschkursen für Migranten

An den Integrationskursen für Zuwanderer wächst die Kritik, schreibt die NRZ. Der Integrationsminister des Landes Nordrhein-Westfalen, Joachim Stamp, fordert aktuell, dass der Deutschunterricht innerhalb der Integrationskurse weitgehend überarbeitet werden müsse. »Wir brauchen bei den Integrationskursen eine Qualitätsoffensive: Die Angebote sind nicht differenziert genug«, so Minister Stamp lautet Zeitungsbericht.

In derzeitigen Deutsch- oder Integrationskursen würden häufig Akademiker gemeinsam mit Analphabeten in deutscher Sprache unterrichtet. Resultat sei eine hohe Nichtbestehensquote bei den Deutschprüfungen, viele Teilnehmer würden vorzeitig ihren Kurs beenden oder fehlten über längere Zeit unentschuldigt. Die Deutschlehrer übten Kritik an der zu kurzen Lernzeit der Fortbildungen, Veranstalter beklagten den Dozentenmangel.

»Nach Angaben des Bundesamtes für Migration (Bamf) haben im vergangenen Jahr rund 376.000 Zuwanderer und Flüchtlinge einen Integrationskurs in Deutschland belegt. In NRW waren es 90.186. Über 85.000 der Zuwanderer haben bundesweit den Kurs nicht zu Ende gebracht. Von denen, die es geschafft haben, erreichten lediglich 49 Prozent den angestrebten Sprachlevel B1. Das heißt, sie können in einfachen Sätzen Ereignisse beschreiben und Meinungen wiedergeben«, berichtet die NRZ.

Kostenlose App zum Deutsch lernen: »Ein Tag Deutsch – in der Pflege«

Für aus dem Ausland kommende Pflegefachkräfte, die mit einem Lernspiel ihre Deutschkenntnisse in der Pflege verbessern wollen, wurde mit Unterstützung des Förderprogramms IQ eine App entwickelt, die kostenlos heruntergeladen werden kann. Die App stellt den fiktiven Patienten Torben Teller vor und fordert die Spielenden heraus, in Dialogen die Entscheidungen zu treffen, die je nach Situation und Gesprächspartner am besten sind. Über diesen Link ist die App »Ein Tag Deutsch – in der Pflege« erhältlich. Wir wünschen viel Spaß beim Lernspiel.