Ist Deutschland bei ausländischen Fachkräften gefragt?

Eine aktuelle Verlautbarung aus dem Bundesministerium für Bildung und Forschung BMBF weist auf neue Zahlen bei der beruflichen Anerkennung ausländischer Abschlüsse hin und konstatiert ein großes Interesse an der Fachkräftezuwanderung. Insbesondere gäbe es starke Zuwächse in den Pflegeberufen. Bundesbildungsministerin Anja Karliczek sagt:

»Qualifizierte Fachkräfte haben ein großes Interesse an einer Beschäftigung in Deutschland, das zeigen die neuen Zahlen des Statistischen Bundesamts. Das Anerkennungsverfahren zur Prüfung ausländischer Berufsqualifikationen ist dabei die verlässliche Orientierungshilfe für Fachkräfte und Betriebe. Es stellt sicher, dass die Qualifikationsanforderungen für eine Berufsausübung in Deutschland erfüllt sind. Gleichzeitig erleichtert es die rasche Integration von Zugewanderten in qualifizierte Beschäftigung und stärkt damit den Wirtschaftsstandort Deutschland.

Das neue Fachkräfteeinwanderungsgesetz wird ab kommendem Jahr insbesondere für beruflich Qualifizierte weitere Zugänge schaffen – der Nachweis der Gleichwertigkeit von ausländischen Abschlüssen mit den deutschen Standards gewinnt dann nochmals an Bedeutung. Die steigende Nachfrage nach Berufsanerkennung muss uns anspornen, das Anerkennungssystem weiterzuentwickeln. Mir ist wichtig, dass das Anerkennungsverfahren noch schneller, transparenter und bekannter wird. Für zuwanderungsinteressierte Fachkräfte schaffen wir deshalb eine Anlaufstelle aus einer Hand. Gemeinsam mit dem Bundesarbeitsministerium und der Bundesagentur für Arbeit richten wir die Zentrale Servicestelle Berufsanerkennung ein. Sie wird zu Fragen der Anerkennung individuell informieren und bei den Verfahren unterstützen.«

Im  Jahr 2018 seien fast 30.000 Gleichwertigkeitsprüfungen beantragt worden, das ist ein Plus von 6,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der mit Abstand am meisten nachgefragte Beruf sei der des Gesundheits- und Krankenpflegers. Im Jahr 2018 seien fast 11.500 Anträge gestellt worden.

Auf alle Berufe hin kann etwa bei der Hälfte der Antragstellenden eine volle Gleichwertigkeit ihrer Berufsqualifikation festgestellt werden. Verschwindend gering ist der Anteil derjenigen, bei denen auf keine Gleichwertigkeit erkannt wird. Das Bundesbildungsministerium berichtet, dass 35,5 Prozent bei reglementierten Berufen eine Ausgleichsmaßnahme wie eine Anpassungsqualifizierung oder eine Kenntnisprüfung absolvieren müssen.

Von Interesse ist: Wie viele Anerkennungsverfahren, bei denen nicht die volle Gleichwertigkeit ausgesprochen werden konnte, werden tatsächlich abgeschlossen, in welchen Berufsfeldern arbeiten die entsprechend Anerkannten, und wie lange? Sind sie in einer sozialversicherungspflichtigen Position tätig oder geringfügig beschäftigt? Und welche »Anwerbemodelle« liegen den Anträgen zu Grunde?

Dass öffentlich finanzierte Anwerbemodelle in ihren Ergebnissen teilweise äußerst kritisch zu bewerten sind, was Effektivität und Effizienz anbelangt, zeigte die Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage einer Bundestagsfraktion (Deutscher Bundestag Drucksache 19/5654). Dort heißt es auch in der Verlautbarung der Bundesregierung: »Der Bundesregierung ist es ein wichtiges Anliegen, den überwiegenden Teil des Fachkräftebedarfs in der Pflege durch inländische Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu decken.«

Ist Deutschland also bei den ausländischen (Pflege-)Fachkräften gefragt? Die Prioritätensetzung ist offenkundig so, dass ausländische Fachkräfte dann gefragt sind, wenn Stellen nicht durch inländische Fachkräfte besetzt werden können. Programme zur Anwerbung sind zwar sehr kostenintensiv, werden aber nicht einmal bei Antworten der Bundesregierung auf Anfragen vollständig aufgeführt und in Bezug auf die Kosten durchgängig transparent dargestellt. Bei den Berufsbildern ist mal von »Pflegekräften«, mal von »Pflegefachkräften« die Rede. Es ergibt sich der Eindruck, dass viele Initiativen und Aktionen unkoordiniert nebeneinander bestehen und Förderprogramme häufig ausschließlich auf Arbeitgeberbedürfnisse ausgerichtet sind bzw.  Personalstellen in diesen Organisationen gegenfinanzieren.