Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sieht sich keinesfalls für Tourismuswerbung zuständig. In einem Interview für die Schweizer Zeitung »SonntagsBlick« führte der Minister aus, dass er bedauere, dass deutsche Ärzte in andere europäische Staaten abwandern, bevorzugt in die Schweiz, um dort zu leben und zu arbeiten. Diese abgewanderten Ärzte hätte er »gerne zurück«. Jens Spahn stellt ein regelrechtes Abwanderungskarussell vor, derart, dass deutsche Ärzte etwa in die Schweiz abwanderten, hingegen etwa polnische Ärzte nach Deutschland kämen.
Seine Forderung, dass die Abwanderung der Ärzte über neue EU-Regeln eingedämmt werden solle, zog, unabhängig vom Nicht-EU-Status der Schweiz, allerdings viel kontroverse Diskussion nach sich, da zum einen kaum regelbar ist, einer bestimmten Berufsgruppe innerhalb Europas Aufenthalts- und Arbeitsort vorzuschreiben. Zahlreiche Diskutanten in den Leserforen verschiedener Zeitungen wiesen zum anderen auf den Umstand hin, der in der Pflege bereits intensiv diskutiert wird: Wenn es an schwierigen Arbeitsbedingungen liegt, dass sich Ärztinnen und Ärzte, die in Deutschland ausgebildet sind, ins Ausland begeben, müssen die Arbeitsbedingungen angeschaut und verbessert werden.
Tatsächlich ist die Zahl der deutschen Ärztinnen und Ärzte, die ins Ausland gehen, eher als gering einzustufen. Nach Angaben der Bundesärztekammer verließen 2017 knapp 2.000 Ärzte Deutschland. Die Anzahl der Ärzte unter diesen »Auswanderern«, die eine deutsche Staatsangehörigkeit besitzen, beträgt allerdings nur 1.165. Von diesen gingen 538 in die Schweiz, im übrigen rückläufig zu 2016, als es 554 waren. 2017 waren in Deutschland 385.100 Ärztinnen und Ärzte berufstätig.
Dass in der Schweiz nicht nur bessere Arbeitsbedingungen und Arbeitszeiten sowie ein höheres Gehalt die Zuwanderer erwarten, sondern die Mühen der Integration von beiden Seiten zu leisten sind, zeigt ein Artikel der NZZ.
