Gleich drei Bundesminister, zuständig für die Ressorts Gesundheit, Arbeit und Familie, haben das Programm »Konzertierte Aktion Pflege« vorgestellt. Das Familien-, Arbeits- sowie das Gesundheitsministerium wollen mit einem 111-Punkte-Programm mehr Menschen für Pflegeberufe gewinnen. Zentrale Punkte sind die Abschaffung des Schulgelds, die Vergütung für Auszubildende sowie über 5.000 Weiterbildungsmöglichkeiten für »Nachqualifizierung und Umschulung«, die einen leichteren Wechsel in den Beruf ermöglichen sollen.
Die Konzertierte Aktion Pflege wurde im Juli 2018 gestartet und bezieht viele Akteure ein, darunter Pflegeberufs- und Pflegeberufsausbildungsverbände, Pflege- und Krankenkassen, Verbände der Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser, die Bundesagentur für Arbeit, die Sozialpartner und weitere Experten, die dem Dachgremium angehören. Über die fünf Thermenschwerpunkte informiert übersichtlich die Website des Bevollmächtigten der Bundesregierung für die Pflege:
- Arbeitsgruppe 1 »Ausbildung und Qualifizierung«
Ziel dieser Arbeitsgruppe ist es die Einführung der neuen Pflegeausbildung zum 1. Januar 2020 mit Maßnahmen zu begleiten, die den Erfolg der Pflegeberufe-Reform sichern und neue Karriere-Chancen in der Pflege eröffnen. Zudem soll eine gemeinsame Öffentlichkeitskampagne über die neue Pflegeausbildung informieren und junge Menschen für die Pflege gewinnen. - Arbeitsgruppe 2 »Personalmanagement, Arbeitsschutz und Gesundheitsförderung«
Diese Arbeitsgruppe wird vorrangig Maßnahmen beraten, die dazu führen, dass Pflegepersonal für Einrichtungen gewonnen, zurückgewonnen oder aber langfristig gehalten wird. Hierfür spielt die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Pflege und große Transparenz darüber eine entscheidende Rolle. - Arbeitsgruppe 3 »Innovative Versorgungsansätze und Digitalisierung«
Diese Arbeitsgruppe erarbeitet innovative Ansätze, wie die pflegerische Versorgung unter Einbeziehung digitaler Lösungen optimiert und Pflegekräfte entlastet werden können. - Arbeitsgruppe 4 »Pflegekräfte aus dem Ausland«
Diese Arbeitsgruppe ist für konkrete Maßnahmenvorschläge zur Gewinnung von Pflegekräften aus dem Ausland zuständig. - Arbeitsgruppe 5 »Entlohnungsbedingungen in der Pflege«
Diese Arbeitsgruppe wird im kommenden Jahr Maßnahmen erarbeiten, die eine angemessene Entlohnung in der Pflege sichern und dabei die Tarifautonomie und das kirchliche Selbstbestimmungsrecht wahren.
Leitende Pflegekräfte begrüßten die Konzertierte Aktion Pflege, kündigten aber zugleich an, kritisch zu verfolgen, ob die entsprechenden Maßnahmen in der Praxis ankommen und wirksam den Pflegebereich unterstützen.
Dahingehend äußerte sich etwa Christine Vogler, Vizepräsidentin des Deutschen Pflegerats, kürzlich bei der Eröffnung des Springer-Pflegekongresses 2019: »Die Nerven der Pflegekräfte liegen blank.« In den letzten fünf Jahren seien 14 Gesetze und Verordnungen in der Pflege angekommen, aber am Grundsatzproblem dem Beruf gegenüber habe sich nichts geändert, Pflege werde immer noch nicht genügend als eigenständige Profession anerkannt. So sagte Vogler: »Die Pflege-kann-jeder-Haltung zum Beispiel mit der Absenkung der schulischen Zugangsqualifikation hat die Pflege in den letzten Jahren zerlegt.«
Dass es zur erfolgreichen Umsetzung in der Konzertierten Aktion Pflege gefassten Beschlüsse kommt, will der Bevollmächtigte für die Pflege, Andreas Westerfellhaus, im Blick behalten: »Unverbindliche Selbstverpflichtungen würden zu keiner Problemlösung führen«, erklärte er gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.
