Schlagwort-Archive: Pflege

Schlechtere Arbeitsbedingungen für Migranten in Pflegeeinrichtungen

Das Deutsche Ärzteblatt berichtet aktuell unter Bezugnahme auf eine Analyse der Hans Böckler Stiftung über die Arbeitsbedingungen von Pflegekräften mit Migrationshintergrund in Deutschland. Die Studie unter der Leitung von Prof. Dr. Hildegard Theobald, Professorin für Organisationelle Gerontologie an der Universität Vechta, beruht auf Befragungsdaten von 2005 bis 2012. Im Ergebnis besagt die Studie, dass Alten- und Krankenpfleger mit Migrationshintergrund häufiger unbezahlte Überstunden ableisten müssen, häufiger der Kritik von Bewohnern und ihren Angehörigen ausgesetzt sind und seltener in dienstliche Besprechungen einbezogen würden.

Die Studie, die sich insbesondere der Situation in den Ländern Deutschland, Schweden und Japan widmet, konstatiert, dass vergleichbare Studien in anderen Ländern keine solchen  Ungleichbehandlungen wie in Deutschland festgestellt hätten. Weiterlesen

»Der Arbeitsmarkt in Deutschland ist leergefegt.« – Uniklinik Münster engagiert sich für ausländische Pflegekräfte

Willkommenskultur wird an der Universität Münster immer schon großgeschrieben. »In der Universitätsmedizin, insbesondere in der Forschung, ist es eine gewisse Normalität, dass hier am UKM auch Mitarbeiter aus dem Ausland tätig sind«, sagt die UKM-Sprecherin Marion Zahr. Die Anwerbung von Pflegekräften aber sei ein eher neues Phänomen. »Der Arbeitsmarkt in Deutschland ist leergefegt.«

Das Forum Migration online berichtet in einem Porträt zur Anerkennung über eine Initiative der Uniklinik Münster, die 200 Pflegefachkräfte aus dem Ausland angeworben hat. Seit 2013 werden Pflegefachkräfte aus Italien und Spanien, mittlerweile aber auch aus Brasilien, Kolumbien und Vietnam zur Mitarbeit eingeladen. Die Pflegefachkräfte weisen ihre Deutschkenntnisse mit einem B2-Zertifikat nach, dann folgt eine Fachsprachenprüfung nach mehreren Hospitationsmonaten.

Das Besondere am UKM-Projekt in Münster: Das UKM hat für die neuen Mitarbeiter Wohnungen angemietet, damit in der Studentenstadt Münster erst gar keine Probleme bei der Wohnungssuche entstehen. Ein intensives Mentoringprogramm begleitet die aus dem Ausland kommenden Krankenpfleger bis zur beruflichen Anerkennung. Nach einem Jahr, so die Uniklinik Münster, arbeiten die so gewonnenen Fachkräfte eigenverantwortlich auf den Klinikstationen.

Wie unterschiedlich selbst in einer Region wie Westfalen Personalbedarf gewertet wird, zeigt der nachfolgende Artikel über den Kreis Höxter. Für aus dem Ausland kommende Fachkräfte bedeutet dies, sich zuvor gut zu informieren, welche Perspektiven der Arbeitsmarkt bietet. Hierbei helfen die Anerkennungs- und Qualifizierungsberater, die über das Portal anerkennung-in-deutschland.de zu finden sind, und die Teilnahme am Informationsseminar »Wege zur Anerkennung«, das das mibeg-Institut Medizin regelmäßig anbietet.

Pflege und Medizin: Neue Ausbildungschancen in Ostwestfalen

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann hat im Kreis Höxter Gespräche geführt zu den neuen Bildungsprojekten für Pflege und Medizin in der Region. So folgte er auch einer Einladung der Katholischen Hospitalvereinigung Weser-Egge.

Am 1. Oktober 2018 startet im Kreis Höxter die neue Hochschule für Pflegeberufe Brakel. Brakel wird somit Hochschulstandort. Die Katholische Hospitalvereinigung Weser-Egge ist derzeit noch in Verhandlungen mit dem Land und mit Hochschulpartnern, um die Pflegeausbildung in der Region langfristig zu sichern und durch die Studienmöglichkeit attraktiv zu gestalten. Gesundheitsminister Laumann sieht in Hinblick auf die kommende generalistische Pflegeausbildung den Bereich Pflege im Kreis Höxter sehr gut aufgestellt.

Die Katholische Hospitalvereinigung Weser-Egge setzt sich seit Jahren intensiv für die Integration von aus dem Ausland kommenden Gesundheitsfachkräften ein. Insbesondere Personalleiter Ralf Schaum engagiert sich seit Jahren und hat auch an entsprechenden Initiativen aus dem MAGS teilgenommen.

Mit dem mibeg-Institut Medizin hat die Katholische Hospitalvereinigung Weser-Egge über das Projekt IQuaMed – und unterstützt durch das Förderprogramm IQ – auch zahlreichen Ärztinnen und Ärzten Perspektiven erschlossen, die Fachsprachenprüfung erfolgreich zu bestehen und in Ostwestfalen zu arbeiten.

Gesprächsthema für Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann in der Region war auch die geplante Medizinische Fakultät an der Universität Bielefeld. Von den neuen Studienplätzen, die  über die Medizinische Fakultät ab 2021 oder 2022 angeboten werden sollen, erhofft sich der Minister eine langfristig stabile Patientenversorgung durch Ärzte in der Region. Während die Kassenärztliche Vereinigung zurzeit etwa die Region mit einer hausärztlichen Versorgung von 131 % als gesichert ansieht, geht das Gesundheitsministerium laut Westfalen-Blatt davon aus, dass sich aufgrund des Altersdurchschnitts der praktizierenden Ärzte Probleme ergeben könnten.

Alltag in der Notaufnahme: NDR-Reportage zeigt die Krankenhausrealität

Eine sehr gute Reportage, die realistisch aufzeigt, wie der Arbeitsalltag auf einer Notfallaufnahmestation in einem deutschen Krankenhaus aussieht, ist dem NDR gelungen.

Eine Woche lang verfolgt das TV-Team den Alltag in der Notaufnahme des Hamburger Marienkrankenhauses. Es erlebt mit, wie Pfleger und Ärzte an ihre Grenzen gehen. Es erfährt, wie das Klinikpersonal unter hohem Zeitdruck versucht, dringende von weniger dringenden Fällen zu unterscheiden.

Jeder Patient wird begutachtet und muss, je nach Schwere der Erkrankung, länger oder kürzer auf eine Behandlung warten. Für die Notfallmediziner bleibt das eine Gratwanderung, denn nicht immer sind gefährliche Erkrankungen auf den ersten Blick zu erkennen. Die Patienten verstehen oft nicht, warum gerade sie länger warten müssen als andere.

Die Reportage »Notaufnahme – ein Ort für starke Nerven« ist in der Mediathek des NDR verfügbar.

 

Pflegenotstand: Wie gelingen Anerkennung und Integration ausländischer Pflegefachkräfte?

In die aktuellen Diskussionen um den bundesweiten Pflegenotstand und die Möglichkeiten, ausländische Pflegekräfte aus dem Ausland zu gewinnen, mischt sich aktuell die Süddeutsche Zeitung mit einer kritischen Berichterstattung ein. Unter dem Titel »Der Ansturm bleibt aus« schreibt Michaela Schwinn: »Auch Krankenhäuser sollen mehr Mitarbeiter einstellen. Doch woher sollen sie kommen? Auf Stellenanzeigen antwortet kaum noch jemand, zu den Infoständen auf Karrieremessen kommt fast niemand. Zu unattraktiv sind die Arbeitsbedingungen geworden. (…) Spricht man mit Menschen, die Pfleger aus anderen Ländern beschäftigen, stellt sich heraus, dass diese Fachkräfte zwar für einzelne Einrichtungen wichtig sind und dort über Engpässe hinweg helfen, der große Wurf im Kampf gegen den bundesweiten Notstand ist mit ihnen aber wohl nicht möglich.«

Die Süddeutsche Zeitung führt aus, dass insbesondere schnell gestrickte Projekte, mit denen bis zu 100 Menschen gleichzeitig angeworben wurden, fast immer gescheitert sind. Das Scheitern würde sich in der mangelnden Sprachkenntnis begründen, aber auch in unrealistischen beruflichen Erwartungen. Viele Pflegefachkräfte aus dem Ausland haben ein Studium absolviert. Sie waren in Bereichen der Gesundheitsversorgung tätig, die ihnen hier verwehrt sind, da diese Tätigkeiten hier Ärzten zugeordnet werden. Die in Deutschland praktizierte Grundpflege von Patienten ist ihnen häufig nicht vertraut, da in vielen Ländern diese Unterstützung über Angehörige gegeben wird. Weiterlesen