Anerkennung: IQ Netzwerk

Abkehr von der Projektfinanzierung: Aus dem Ausland kommende Pflegefachkräfte brauchen einen klaren Weg zur Anerkennung

Durch das mibeg-Institut und das Rheinland-Klinikum Neuss qualifizierte Pflegefachkräfte

Durch das mibeg-Institut und das Rheinland-Klinikum Neuss qualifizierte Pflegefachkräfte

In der Fachzeitschrift KU Gesundheitsmanagement ist aktuell ein Artikel von Barbara Rosenthal erschienen: »Abkehr von der Projektfinanzierung: Aus dem Ausland kommende Pflegefachkräfte brauchen einen klaren Weg zur Anerkennung«. Zum Ende der Förderphase des IQ Netzwerks / des Förderprogramms »Integration durch Qualifizierung (IQ)« macht der Artikel deutlich, dass nur eine Regelförderung von Projekten und eine Abkehr von zeitlich limitierten Projekten Anerkennungswege sichern kann, insbesondere bei den Gesundheitsberufen:

Gut zehn Jahre nach der Verabschiedung der Anerkennungsgesetze wird es Zeit, Bilanz zu ziehen und von der vereinzelten Projektfinanzierung, teilweise gemanagt durch fachfremde Branchen, hin zu einer regelgeleiteten AZAV-Finanzierung zu kommen. Ausländische Pflegefachkräfte müssen sich gleichermaßen gut und schnell orientieren können wie die Klinikarbeitgeber, die Pflegefachkräfte suchen. Das Qualifizierungschancengesetz bietet gute Perspektiven.

Kann die berufliche Anerkennung nicht unmittelbar nach Dokumentenprüfung ausgesprochen werden, bedarf es fester Kursstrukturen in den Bundesländern, mit denen rasch eine praxisnahe Qualifizierung zur Berufszulassung führt. Eine solche Qualifizierung kann direkt auf die Kenntnisprüfung vorbereiten, sie kann aber auch die Inhalte individueller Anpassungsbescheide bündeln und so das Ziel erreichen. Wichtig ist die fachkollegiale Unterrichtung. Bei einem ausschließlich auf Sprachqualifizierung ausgerichteten Fokus fehlt sonst der entscheidende Input, der im pflegerischen Alltag die Grundlage für eine erfolgreiche und langfristige Zusammenarbeit bietet.

Für Nordrhein-Westfalen hat das mibeg-Institut innovative Konzepte vorgelegt, die nun vermehrt beim Institut aus anderen Bundesländern angefragt werden.

Der Artikel erschien in KU Gesundheitsmanagement 11 / 2021.

3.000 Anerkennungsberatungen durch das mibeg-Institut Medizin

3.000 Anerkennungsberatungen durch das mibeg-Institut Medizin

Heitere Pausenstimmung mit der Seminarleiterin: Selfie von Ärztinnen und Ärzten einer Arbeitsgruppe des Seminars Qualifizierung für Klinik und Praxis

Wir freuen uns sehr, dass wir mit dem Seminar »Wege zur Anerkennung« in unserem Programm IQuaMed die 3.000. Anerkennungsberatung durchführen konnten. Am 4. Januar 2022 haben wir Anna Novotná beraten, eine promovierte Apothekerin, die aus Prag, Tschechische Republik, nach Deutschland gekommen ist. Wir wünschen unserer 3.000. Teilnehmerin am Seminar »Wege zur Anerkennung« herzlich einen guten Start in Deutschland.

Herzlichen Dank sagen wir auch allen, die Interessent/innen auf die kostenfreie Anerkennungsberatung im mibeg-Institut verweisen und selbst aktiv an der Beratung und Vermittlung von ausländischen Gesundheitsfachkräften und von Angehörigen akademischer Heilberufe mitarbeiten: unseren Kooperationspartnern und den Mitgliedern unseres Wissenschaftlichen Beirats des Programms IQuaMed, den Agenturen für Arbeit und Jobcentern, der Bundesagentur für Arbeit, der ZAV, der ZSBA, der G.I.B., den Integration Points, der Stabsstelle Berufsanerkennung beim MAGS, dem BIBB, der Gutachtenstelle für Gesundheitsberufe GfG, der Bezirksregierung Münster, der ZAG und der PuG sowie den Bezirksregierungen Köln, Düsseldorf, Arnsberg und Detmold, dem Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung RLP und allen weiteren zuständigen Stellen bundesweit, dem Marburger Bund, den Ärztekammern, den Pflegeschulen und Schulen für Physiotherapie, den Zahnärztekammern, den Apothekerkammern, den Krankenhäusern, den ambulanten Pflegediensten, den Anerkennungsberatungsstellen, den Integrationsnetzwerken, dem IQ Netzwerk und der ebb Entwicklungsgesellschaft für berufliche Bildung, den Ausländerbehörden, dem BMAS und dem BMBF. Danken möchten wir auch allen Kolleginnen und Kollegen, die sich zusammen mit uns engagieren für eine rasche und qualitativ hochwertige Beratungs- und Bildungsarbeit, die es ausländischen Fachkräften ermöglicht, ihre berufliche Anerkennung in Deutschland zu erlangen, um langfristig bei uns leben und arbeiten zu können. Mit ihrer beruflichen Kompetenz sind sie eine wertvolle Unterstützung für unser Gesundheitssystem.

 

Was kostet die ärztliche Kenntnisprüfung?

Teuer, teurer, am teuersten: Nein, dies ist keine Sprachübung, sondern beschreibt die Entwicklung der Gebühren für ausländische Ärztinnen und Ärzte, die in Deutschland an einer Kenntnisprüfung teilnehmen müssen.

Zwar werden von vielen Krankenhäusern händeringend Assistenzärzte gesucht, aber für nahezu alle ausländischen Ärzte, die aus sogenannten Drittstaaten kommen, steht eine Kenntnisprüfung an.

Die Kenntnisprüfung wird durch das jeweilige Landesprüfungsamt organisiert und verantwortet. In den Bundesländern werden unterschiedliche Einrichtungen vom Landesprüfungsamt mit der Durchführung beauftragt. Die teils sehr hohen Gebührensätze wurden schon als lukratives Geschäftsfeld von einem Kursanbieter entdeckt, der ein Geschäftsmodell über Sprachkurse, Fachsprachkurse, Vorbereitungskurse bis hin zur Prüfungsabnahme durch von ihm beauftragte Dozenten etablieren wollte. Hier haben die Landesprüfungsämter zu Recht einen Riegel vorgeschoben.

Die beauftragten Universitäten hatten eine gute Routine ausgebildet. In NRW hatte die Bezirksregierung Düsseldorf beispielsweise angeregt, Kenntnisprüfungen für ausländische Ärzte in unmittelbarer zeitlicher Nähe zu Prüfungen des dritten medizinischen Staatsexamens an Universitäten durchzuführen. Dann wurde aber für dieses Bundesland entschieden, die Ärztekammern mit der Durchführung zu beauftragen.

Dabei wurden die Prüfungsgebühren in NRW von ursprünglich 650 € auf nunmehr 1.050 € angehoben. Teurer sind die Prüfungsgebühren nur noch in Hessen und Rheinland-Pfalz. In Schleswig-Holstein beispielsweise beträgt die Gebühr für die Kenntnisprüfung 350 €. In Thüringen werden die Gebühren für die Überprüfung eines gleichwertigen Ausbildungsstandes je nach Aufwand ermittelt und können bis zu 400 € betragen, folgt noch eine Kenntnisprüfung, sind zusätzlich 450 € fällig.

Eine sehr gute Übersicht zu den Prüfungsgebühren im gesamten Bundesgebiet hält das Auslandsreferat des Marburger Bunds Bundesverband bereit.

Zu diesen Prüfungsgebühren kommen dann noch Vorbereitungskosten hinzu. Es ist mit Kosten für die notwendige Literatur zu rechnen sowie mit Kursgebühren, da es erfahrungsgemäß wenig ratsam ist, sich ohne gezielte Vorbereitung der Prüfung zu stellen.

Sind Gutachten nun ein Ausweg?

Der Weg über ein Gutachten wird häufig gewählt, da eine Prüfung nachvollziehbarerweise als aufwendig angesehen wird. Aber auch die Kosten für das Gutachten müssen übernommen werden. Auch hier sind die Beträge unterschiedlich, umfassen aber ebenfalls mehrere hundert Euro. Da zudem das Gutachten im Ergebnis oft aussagt, dass eine vollständige Gleichwertigkeit nicht konstatiert werden kann, bleibt nur der Weg über die Kenntnisprüfung, und man zahlt dann zweifach hohe Gebühren.

Wenn in Deutschland ausländische Ärztinnen und Ärzte eingeworben werden sollen, muss dieses System überprüft werden.

Wenn Körperschaften öffentlichen Rechts prüfen, stellt sich die Frage, warum eine Facharztprüfung etwa 130 € kostet, eine Fachsprachprüfung beispielsweise 350 €, eine Kenntnisprüfung aber teilweise mehr als 1.000 €, im Wiederholungsfalle dann mehr als 2.000 €.

Hinzu kommen noch Kosten für Übersetzungen, Beglaubigungen, Anfahrten, Übernachtungen und vieles mehr. Dankenswerterweise hat der Bund mit der Einrichtung des Anerkennungszuschusses eine Hilfe eingerichtet, aber auch diese Fördermöglichkeit muss erst gefunden werden.

Ein einheitlicher, transparenter und nachvollziehbarer Gebührensatz sowie die Möglichkeit der Unterstützung durch den zukünftigen Arbeitgeber oder durch öffentliche Förderung wären hier hilfreich und wünschenswert.

Ärztinnen und Ärzte aus Mexiko fragen Anerkennungsberatung an

Plakat »Der Weg zur deutschen Approbation für ausländische Ärztinnen und Ärzte«
Das mibeg-Institut hat zusammen mit den Anerkennungsbehörden ein Poster entwickelt, das Ärztinnen und Ärzte den Weg zur beruflichen Anerkennung leichter machen soll und sehr oft angefragt und angeklickt wird.

Jetzt erreichte uns ein sehr nettes Schreiben aus Mexiko mit einer entsprechenden Anfrage, verbunden mit der Bitte, doch direkt das Seminar »Wege zur Anerkennung« via Internet für mexikanische Ärztinnen und Ärzte anzubieten. Die Anerkennungsprofis des mibeg-Instituts Medizin folgen einer solchen Bitte natürlich sehr gern.

In den letzten Jahren ist sehr viel geschaffen worden an einheitlichen und vereinfachten Verfahrenswegen, um aus dem Ausland kommenden Ärztinnen und Ärzten den Weg zu ebnen. Zwar gibt es immer noch sehr kostenintensive Sonderprojekte, mit denen gezielt Mediziner/innen aus bestimmten Ländern eingeworben werden sollen. Aber wichtiger wäre es, die Anerkennungswege rechtlich und fachlich so zu gestalten, dass stets abrufbare, klare und einfache Informationen verfügbar sind in Bezug auf Anerkennung, Qualifizierung und Berufseinmündung. Dies ist dann eine konkrete Hilfe für Anerkennungsinteressierte und Arbeitgeber/innen und nicht ein aufwendiges Verfahren für wenige.

Es gilt, von der vereinzelten Projektförderung wegzukommen – hin zu dauerhaft guten Wegen in das Einwanderungsland Deutschland mit seinem erheblichen Fachkräftebedarf.

Diversity Day mal konkret: Wir erwarten ein tolles Fußballspiel

mibeg-Institute mit Regenbogenflagge

Zahlreiche Institutionen in Deutschland zeigen heute mit der Regenbogenflagge Solidarität. Wir sind dabei.

Übrigens: Unsere Nachbarn von schräg gegenüber, die Roten Funken, die in der Ulrepforte residieren, lassen auch bereits den Turm der Stadtmauer in Regenbogenfarben leuchten, wie ihr gepostetes Foto zeigt. 😉