Anerkennung: Wissenschaftlicher Beirat des Programms IQuaMed

Anja Mitrenga-Theusinger im Interview: »Kein Prozess im Krankenhaus ohne ärztlichen Sachverstand«

Sie gehört zu den ärztlichen Topmanagerinnen und führt als Medizinische Geschäftsführerin das Klinikum Leverkusen. Zugleich verantwortet sie als Chefärztin die Zentrale Notaufnahme eines der großen kommunalen Krankenhäuser in Nordrhein-Westfalen. Wir fragen Dr. med. Anja Mitrenga-Theusinger nach den aktuellen Aufgaben, die dem Ärztlichen Direktorat zukommen, und warum sie sich für die berufliche Anerkennung ausländischer Gesundheitsfachkräfte engagiert.

Dr. med. Anja Mitrenga-Theusinger im mibeg-Institut

Dr. med. Anja Mitrenga-Theusinger, Medizinische Geschäftsführerin und Klinikdirektorin des Klinikums Leverkusen, im mibeg-Institut Medizin; © Foto: Barbara Rosenthal

anerkennung-nrw.de: Die Krankenhauslandschaft befindet sich im Dauer-Umbruch. Der Bund kündigt Initiativen an, und das Land NRW arbeitet bereits sehr konkret an einer umfassenden Strukturreform der gesundheitlichen Versorgung. Welche Aufgaben stellen sich einer Ärztin in der Krankenhausleitung aktuell?

Anja Mitrenga-Theusinger: In der Tat befinden wir uns in herausfordernden Zeiten. Krankenhausleitungen müssen heute über gute mittel- und auch langfristige Medizinstrategien verfügen und diese kontinuierlich weiterentwickeln. Als Ärztin in der Leitung des Klinikums Leverkusen sehe ich meine Aufgabe vor allen Dingen darin, die einzelnen medizinischen Abteilungen zu unterstützen in Bezug auf die aktuellen Reformvorhaben, die uns die Krankenhausplanung in Nordrhein-Westfalen auferlegt. Unser Ziel ist immer die bestmögliche Patientenversorgung, und um dieses Ziel zu erreichen, braucht es topqualifiziertes und hoch motiviertes Personal. Das ist unsere wichtigste Ressource, und das gilt gleichermaßen für das ärztliche wie das pflegerische Personal. Ich rücke die Personalentwicklung in den Fokus.

Das Klinikum Leverkusen ist eines der großen kommunalen Krankenhäuser in NRW. Mit über 2.500 Mitarbeitenden wird jährlich eine hoch spezialisierte Gesundheitsversorgung für über 30.000 stationäre und gleich viele ambulante Patienten gewährleistet. Nun hat sich das Klinikum entschieden, das Haus mit einer Doppelspitze zu führen. Parallel zur kaufmännischen Geschäftsführung fungieren Sie als Medizinische Geschäftsführerin. Wo sehen Sie Ihren Aufgabenschwerpunkt?

Als Ärztin in der Krankenhausleitung sehe ich eine meiner Hauptaufgaben darin, die Sprache und das Denken der Medizin in die strategischen Entscheidungen des Gesamtunternehmens einfließen zu lassen und der Medizin das Gewicht zu geben, das ihr zukommen muss und das benötigt wird, um eine optimale Versorgung der Patienten zu gewährleisten. Krankenhäuser sind Wirtschaftsunternehmen und müssen ökonomischen Regeln folgen, aber das „Unternehmen Krankenhaus“ ist weit mehr als eine Organisation, die nach betriebswirtschaftlichen Grundsätzen aufgestellt ist. Hier geht es vor allem darum, Menschen in Krankheit und Not bestmöglich beizustehen, Krankheiten zu kurieren oder zumindest zu lindern. Dafür stehe ich, dafür steht unser Klinikum ein. Um das zu erreichen, bin ich Ansprechpartnerin für die unterschiedlichsten Problemlagen, die sich im Rahmen der direkten Patientenversorgung ergeben. Ich bin Vermittlerin, ich bin Netzwerkerin, ich bin Entscheiderin. Zu meinem Management-Handwerkszeug gehören dabei Prozessanalysen und Transformationen in neue Abläufe. Ein Schwerpunkt hierbei ist derzeit vor allem die Digitalisierung.

Sie tragen nicht nur Verantwortung als Medizinische Geschäftsführerin des Klinikums Leverkusen, sondern Sie sind zugleich Klinikdirektorin der Zentralen Notaufnahme, die jährlich rund 45.000 Patientenkontakte versorgt. Das ist eine große Aufgabenfülle, wie priorisieren Sie da?

Ja, bei beiden Aufgaben handelt es sich um sehr große, teils vielschichtige Themenkomplexe. Ich bin in erster Linie Ansprechpartnerin für viele Mitarbeiter, höre gut zu, sammle möglichst viele Informationen, um dann, wenn es nötig ist, Veränderungen einzuleiten.

Die wirtschaftlich und gesellschaftlich turbulenten Zeiten, die um uns herum toben, machen das Agieren in meinen beiden Hauptarbeitsfeldern nicht gerade einfacher. Aber ich bin immer schon jemand gewesen, der sich seinen Aufgaben mit vollem Elan stellt. Zurzeit setze ich die Schwerpunkte möglichst so, dass ich viele wichtige Prozesse anstoßen kann, die uns rasch in bessere Positionen versetzen. Und in beiden Bereichen verfüge ich über hervorragende Teams, die perfekt Routinearbeiten bewältigen und darüber hinaus mit ihrer Kenntnis und ihrem Engagement Großartiges für unsere Patienten leisten.

Selbstverständlich steht jetzt ganz oben auf meiner Agenda, die anstehende Krankenhausplanung und ihre Auswirkungen auf das Klinikum Leverkusen zu schultern und gute Regelungen für unser Krankenhaus zu finden.

»Der Arzt in der Krankenhausleitung muss immer das gesamte Haus im Blick haben«

Klinikum Leverkusen; © A. Savin, WikiCommons

Klinikum Leverkusen; © A. Savin, WikiCommons

Die Diskussion um die Einbindung der ärztlichen Führung in die Krankenhausleitung wird seit Jahren geführt. Teils entscheiden sich die Krankenhäuser für eine hauptberufliche, teils für eine nebenberufliche ärztliche Direktion. Wo sehen Sie Vor- und Nachteile der jeweiligen Amtsausübung?

Beide Spielarten sind sicherlich möglich. Allerdings ist eine „aktive“ Medizinische Geschäftsführung – oder in anderen Krankenhausstrukturen das Ärztliche Direktorat – extrem wichtig und natürlich auch sehr zeitintensiv, sodass eine ehrenamtliche Befassung allein heutzutage nicht mehr ausreicht. Es erfordert ein besonderes Rollenverständnis als leitender Arzt, da man sich freimachen muss von abteilungsbezogenen Interessen. Der Arzt in der Krankenhausleitung muss immer das gesamte Haus im Blick haben. Alles ist für die Patientenversorgung relevant, und es gibt faktisch keinen Bereich mehr in einer Klinik, der nicht direkt oder indirekt mit der Patientenversorgung zu tun hat. Eine Doppelstruktur als Chefärztin und Medizinische Geschäftsführerin kann im positiven Sinne genutzt werden, da man sich nicht vom klinischen Alltag entfernt. Selbstverständlich gilt es einerseits Arbeitsteilung, andererseits aber auch Priorisierung vorzunehmen, um sich um die wichtigen Dinge kümmern zu können. Weiterlesen

Der Status Quo im Gesundheitswesen ist keine Option

Dr. med. Susanne Johna, 1. Vorsitzende des Marburger Bundes Bundesverband; © Marburger Bund

Dr. med. Susanne Johna, 1. Vorsitzende des Marburger Bundes Bundesverband; © Marburger Bund

»Alles bleibt so, wie es jetzt ist – das ist keine Option. Wir brauchen eine Entlastung des Personals, Versorgungsstrukturen, die sich am Patientenbedarf und nicht an der Abrechnungsmöglichkeit orientieren, und eine auch telemedizinische Vernetzung der Krankenhäuser der verschiedenen Versorgungsstufen. Wir brauchen eine gute medizinische Versorgung im ländlichen Bereich«: Susanne Johna wurde mit überwältigend großer Mehrheit erneut zur Vorsitzenden des Marburger Bundes gewählt. Dr. med. Susanne Johna ist Internistin und Krankenhaushygienikerin und führt den Marburger Bund bereits seit 2019 mit großer Kompetenz.

Zum Zweiten Vorsitzenden wurde, ebenfalls mit sehr großer Mehrheit, der Chirurg Dr. med. Andreas Botzlar gewählt. Für den Landesverband Nordrhein-Westfalen / Rheinland-Pfalz engagieren sich Dr. med. Sven Dreyer, Mitglied des Vorstands der Ärztekammer Nordrhein, und Dr. med. Hans-Albert Gehle, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe und Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des Programms IQuaMed des mibeg-Instituts Medizin, im Vorstand der Bundesvereinigung.

Wir gratulieren herzlich.

Dr. Anja Mitrenga-Theusinger leitet die Zentrale Notaufnahme und wird Medizinische Geschäftsführerin des Klinikums Leverkusen

Dr. med. Anja Mitrenga-Theusinger, Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des Programms IQuaMed und der Weiterbildung Krankenhausleitung für Ärztliche Direktor/innen des mibeg-Instituts. Foto: Udo Geisler

Dr. med. Anja Mitrenga-Theusinger, Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des Programms IQuaMed und der Weiterbildung Krankenhausleitung für Ärztliche Direktor/innen des mibeg-Instituts. Foto: Udo Geisler

Dr. med. Anja Mitrenga-Theusinger wurde für die Ärztliche Leitung der Zentralen Notaufnahme und als Medizinische Geschäftsführung des Klinikums Leverkusen berufen. Die Zentrale Notaufnahme behandelt über 40.000 Patient/innen jährlich und bietet mit über zehn Behandlungsräumen, zwei Schockräumen, zusätzlichen Infektions-, Eingriffs- und Triageräumen zugleich die Möglichkeit, erste sonographische Abklärungen zu treffen. Das interdisziplinäre Zentrum mit den Schwerpunkten Innere Medizin, Chirurgie und Anästhesie wird von der erfahrenen Anästhesiologin und Intensivmedizinerin geleitet, die umfassende medizinische Expertise mitbringt und zuvor in leitender Position als Oberärztin der Klinik für Anästhesie und operative Intensivmedizin erfolgreich tätig war.

Sie übernimmt nun die Neuausrichtung und das Management dieser großen Versorgungseinheit, 19 Ärztinnen und Ärzte und 42 Pflegefachkräfte und MFAs gehören zu ihrem Team. Die richtungsweisende Doppelfunktion als leitende Ärztin und Medizinische Geschäftsführerin unterlegt Dr. Mitrenga-Theusinger dabei mit einer exzellenten medizinischen Ausbildung und mit einem Master in Gesundheitsökonomie, den sie an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln erworben hat.

Sie hat die Weiterbildung Health Management unseres Instituts erfolgreich absolviert und gehört dem Wissenschaftlichen Beirat der Weiterbildung Krankenhausleitung für Ärztliche Direktor/innen an. Zugleich ist sie Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des Programms IQuaMed unseres Instituts. Über ihr medizinisches Engagement hinaus leistet Dr. Mitrenga-Theusinger einen unermüdlichen Einsatz für die beruflichen Belange ihrer ärztlichen Kollegen und Kolleginnen. Sie gehört dem Vorstand der Ärztekammer Nordrhein an und verhandelt für diese in führender Position die Strukturreformen im Krankenhausbereich, die das nordrhein-westfälische Gesundheitsministerium zurzeit erarbeitet. Zudem gehört sie dem Landesvorstand des Marburger Bundes NRW / RLP an. Wir gratulieren ihr sehr herzlich zur neuen Position und dem Klinikum Leverkusen zu dieser ausgezeichneten Berufung.

3.000 Anerkennungsberatungen durch das mibeg-Institut Medizin

3.000 Anerkennungsberatungen durch das mibeg-Institut Medizin

Heitere Pausenstimmung mit der Seminarleiterin: Selfie von Ärztinnen und Ärzten einer Arbeitsgruppe des Seminars Qualifizierung für Klinik und Praxis

Wir freuen uns sehr, dass wir mit dem Seminar »Wege zur Anerkennung« in unserem Programm IQuaMed die 3.000. Anerkennungsberatung durchführen konnten. Am 4. Januar 2022 haben wir Anna Novotná beraten, eine promovierte Apothekerin, die aus Prag, Tschechische Republik, nach Deutschland gekommen ist. Wir wünschen unserer 3.000. Teilnehmerin am Seminar »Wege zur Anerkennung« herzlich einen guten Start in Deutschland.

Herzlichen Dank sagen wir auch allen, die Interessent/innen auf die kostenfreie Anerkennungsberatung im mibeg-Institut verweisen und selbst aktiv an der Beratung und Vermittlung von ausländischen Gesundheitsfachkräften und von Angehörigen akademischer Heilberufe mitarbeiten: unseren Kooperationspartnern und den Mitgliedern unseres Wissenschaftlichen Beirats des Programms IQuaMed, den Agenturen für Arbeit und Jobcentern, der Bundesagentur für Arbeit, der ZAV, der ZSBA, der G.I.B., den Integration Points, der Stabsstelle Berufsanerkennung beim MAGS, dem BIBB, der Gutachtenstelle für Gesundheitsberufe GfG, der Bezirksregierung Münster, der ZAG und der PuG sowie den Bezirksregierungen Köln, Düsseldorf, Arnsberg und Detmold, dem Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung RLP und allen weiteren zuständigen Stellen bundesweit, dem Marburger Bund, den Ärztekammern, den Pflegeschulen und Schulen für Physiotherapie, den Zahnärztekammern, den Apothekerkammern, den Krankenhäusern, den ambulanten Pflegediensten, den Anerkennungsberatungsstellen, den Integrationsnetzwerken, dem IQ Netzwerk und der ebb Entwicklungsgesellschaft für berufliche Bildung, den Ausländerbehörden, dem BMAS und dem BMBF. Danken möchten wir auch allen Kolleginnen und Kollegen, die sich zusammen mit uns engagieren für eine rasche und qualitativ hochwertige Beratungs- und Bildungsarbeit, die es ausländischen Fachkräften ermöglicht, ihre berufliche Anerkennung in Deutschland zu erlangen, um langfristig bei uns leben und arbeiten zu können. Mit ihrer beruflichen Kompetenz sind sie eine wertvolle Unterstützung für unser Gesundheitssystem.

 

Über 10.000 Deutsche studieren Medizin im Ausland

Auf rund 10.000 Studierende wird die Anzahl derjenigen geschätzt, die ein deutsches Abitur haben und in Deutschland keinen Medizin-Studienplatz bekommen haben. Es gibt sehr viele Informationen für aus dem Ausland kommende Ärztinnen und Ärzte in Bezug auf ihre Anerkennung in Deutschland, aber nur wenig Informationen für diese Zielgruppe. Selbstverständlich möchten viele Studierende wissen, ob sie nach einem erfolgreich absolvierten Studium in Deutschland arbeiten können und ob der Abschluss anerkannt wird.

Als Faustregel kann in jedem Fall gelten, dass ein etabliertes Medizinstudium an einer zugelassenen Universität in Gänze absolviert werden muss, das heißt, unter Einbeziehung aller Theorie- und Praxisphasen, die bis zur Berufszulassung im jeweiligen Studienland gelten. Kann eine Berufszulassung im Studienland als Arzt oder Ärztin erreicht werden, bestehen gute Voraussetzungen zur Anerkennung auch in Deutschland.

Bei einem deutschsprachigen Abitur (und bei Deutsch als Muttersprache) muss bei der Anerkennung in Deutschland keine Fachsprachprüfung mehr absolviert werden, aber unter Umständen eine Kenntnisprüfung.

Im Bereich der Europäischen Union gibt es sehr weitreichende Regelungen der Anerkennung der Medizin-Studiengänge. Eine Qualifikation wird auf Antrag automatisch anerkannt, wenn die Qualifikation in der entsprechenden Europäischen Anerkennungsrichtlinie gelistet ist, nach der Richtlinie studiert und das Studium nach einem bestimmten Stichtag begonnen wurde. Entspricht das in der Europäischen Union absolvierte Medizin-Studium diesen Kriterien, ist bei einer vollständigen Ableistung keine Kenntnisprüfung erforderlich.

Anders sieht das in sogenannten Drittstaaten aus, also den Ländern, die nicht zur Europäischen Union gehören. Auch hier sollte man sich im Einzelfall gut beraten lassen und eine rechtssichere Auskunft einholen, bevor man eine Entscheidung zu einem, teilweise auch mit hohen Kosten verbundenen, Auslandsstudium trifft.

Eine kostenlose Beratung bietet beispielsweise das Auslandsreferat des Marburger Bundes an. Dessen Leiterin Ruth Wichmann ist Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des Programms IQuaMed des mibeg-Instituts Medizin.