Regionalkonferenzen Fachkräftesicherung in den Gesundheitsberufen in NRW 2019

Regierungspräsidentin Birgitta Radermacher eröffnet die Regionalkonferenz Fachkräftesicherung in den Gesundheitsberufen in NRW 2019 in Düsseldorf

Regierungspräsidentin Birgitta Radermacher eröffnet die Regionalkonferenz Fachkräftesicherung in den Gesundheitsberufen in NRW 2019 in Düsseldorf

Über den Fachkräftebedarf und die Fachkräftesicherung im Gesundheitswesen ist Nordrhein-Westfalen im Gespräch. Das nordrhein-westfälische Gesundheitsministerium MAGS lädt aktuell zu Regionalkonferenzen ein, die über die Entwicklungen in NRW unter Berücksichtigung der Regionen Düsseldorf, Köln, Münster, Detmold und Arnsberg berichten und nicht nur die Pflegeberufe in der Kranken- und Altenpflege thematisieren, sondern auch die weiteren Therapieberufe und das Hebammenwesen mit einbeziehen.

Die Auftaktveranstaltung fand in der Bezirksregierung Düsseldorf statt. Das Grußwort vor den 150 Experten aus den Bereichen Pflege, Pflegeausbildung, Bildungsmanagement, den zuständigen Bezirksregierungen und Abteilungen der Ministerien sprach als Hausherrin die Regierungspräsidentin Birgitta Radermacher, die in ihrer Eröffnungsrede betonte, dass Pflege und die Weiterentwicklung der Pflegeberufe derzeit das zentrale Thema nicht nur auf Bundes-, sondern auch auf Landesebene sei. Die für NRW geplante Pflegekammer, die weitere Akademisierung der Gesundheitsfachberufe und die Etablierung der generalistischen Pflegeausbildung in NRW seien große Aufgaben, die sich derzeit stellen und mit den zuständigen Pflegeexperten beraten und umgesetzt würden.

Die Daseinsvorsorge im Bereich Gesundheit sei auch zentraler Aufgabenbereich der Bezirksregierung Düsseldorf. Regierungspräsidentin Birgitta Radermacher verwies in diesem Zusammenhang auf das besondere Engagement der Mitarbeiter des Dezernats 24, was mit einem spontanen Applaus des gesamten Auditoriums bedacht wurde.

Prof. Dr. Michael Isfort, Deutsches Institut für angewandte Pflegeforschung e.V. (DIP)

Prof. Dr. Michael Isfort, Deutsches Institut für angewandte Pflegeforschung e.V. (DIP)

Prof. Dr. Michael Isfort, Professor für Pflegewissenschaft und Versorgungsforschung an der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen (KatHO NRW), Fachbereich Gesundheitswesen, Abteilung Köln, und Mitglied des Geschäftsführenden Vorstands des Deutschen Instituts für angewandte Pflegeforschung e.V. (DIP), stellte die wichtigsten Ergebnisse der Regionaldaten vor, die in der Auswertung eine Erweiterung der Datengrundlagen sind, wie sie in der Landesberichtserstattung Gesundheitsberufe NRW systematisch erschlossen werden. Mit der Landesberichterstattung wurde das DIP unter Leitung von Prof. Isfort vom MAGS beauftragt.

Die Landesberichterstattung liefert relevante Kennzahlen, da zur Fachkräftesicherung Daten bereitgestellt werden, die in regionaler Perspektive Besonderheiten aufzeigen, die Chancen für regionale Verbünde ermöglichen und auch Initiativen zur Steuerung der Versorgung ergeben können. Folgerichtig betonte Prof. Isfort, dass NRW mit diesen Regionalkonferenzen auf Basis der Daten ins Gespräch komme und aktiv die Akteure des Gesundheitswesens mit einbeziehe.

Für die Prognose der Bedarfsdeckung für 2018 referierte Prof. Isfort eine Unterdeckung von über 10.000 Stellen in der Summe, bezogen auf die Krankenpflege, die Kinderkrankenpflege und die Altenpflege (Gesundheits- und Krankenpflege: 5.159; Gesundheits- und Kinderkrankenpflege: 665; Altenpflege: 4.268). Die Landesberichtserstattung weist klar die Entwicklung der Pflegebedürftigkeit in NRW auf und verdeutlicht, dass es nicht nur insgesamt eine beständige Zunahme gibt, sondern auch, hier bedingt durch das neue Einstufungssystem in Pflegegrade, für 2017 ein deutlicher Sprung in der Anzahl der Pflegebedürftigen zu erkennen ist. Ging man im Jahr 2001 noch von 139.142 Pflegebedürftigen insgesamt aus, so sind es 2017 bereits 236.442 Pflegebedürftige.

Der Pflegesektor ist, und dies zeigen diese Zahlen, in hohem Maße beschäftigungs- und personenintensiv. In NRW sind rund 322.600 Menschen in der pflegerischen Versorgung sozialversicherungspflichtig beschäftigt, bei konstant steigendem Bedarf. Damit ergibt sich auch eine besondere Anforderung an die Bildungsinstitutionen, die, zukünftig unter Einbeziehung der generalistischen Ausbildung in der Krankenpflege, Kapazitäten zur Ausbildung bereitstellen und Ausbildungsinteressierte gewinnen müssen.

Ein Beispiel zur konkreten Umsetzung, wie ein Ausbildungszentrum Pflege sich diesen Herausforderungen stellt, beleuchtete Dr. Andreas Bock, Schulleiter des Bildungszentrums Niederrhein Wesel.

Prof. Dr. Thomas Evers, Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen

Prof. Dr. Thomas Evers, Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen

Für das nordrhein-westfälische Gesundheitsministerium stellte Prof. Dr. Thomas Evers, Abteilungsleiter des für die Pflegeberufereform zuständigen Referats, die Pläne vor, die Nordrhein-Westfalen bei der Einführung des generalistischen Ausbildungskonzeptes Pflege realisieren will. Aktuell muss festgelegt werden, welche Behörde zuständig ist und mit der Umsetzung beauftragt wird, wie die Umsetzung in den neuen Zuständigkeiten begleitet wird und wie die Verfahren konkretisiert werden: in der staatlichen Anerkennung von Schulen, bei den Prüfungsverfahren, bei der Erlaubniserteilung und schließlich bei der Aufsicht über die Pflegeschulen. Es bedarf, so Prof. Evers, bei der Fachkräftesicherung im Bereich Pflege einer langfristigen Strategieentwicklung ebenso wie einer permanenten Qualitätssicherung.

Prof. Evers wies darauf hin, zur Fachkräftesicherung gehöre nicht nur das Einbeziehen der inländischen Ressourcen (Weitung der Ausbildungskapazität, weitere Etablierung von Ausbildungszentren, Rückgewinnung von Fachkräften, Motivationsstrategien zur Vollzeitbeschäftigung), sondern auch die Gewinnung und Einbeziehung ausländischer Fachkräfte. Prof. Evers betonte, dass die erste Fachkraft, die die neue Berufsbezeichnung Pflegefachmann oder Pflegefachfrau in Nordrhein-Westfalen erlangen wird, sicher aus dem Ausland stammt und diese Anerkennung über das berufliche Anerkennungsverfahren auf Gleichwertigkeit erreichen wird.