Die Anerkennung und Qualifizierung aus dem Ausland kommender Pflegefachkräfte, Stellungnahmen zur Entwicklung des Arbeitsmarkts für Pflegefachkräfte, Beratung des Gesetzgebers zu Fragen des Pflegeberufs: Dies sind nur einige der wichtigen Themenbereiche, zu denen die bundesweite Stimme der Pflegefachkräfte fehlt. Andreas Westerfellhaus, Bevollmächtigter der Bundesregierung für Pflege, fordert zusammen mit vielen Kolleginnen und Kollegen seit Jahren die Einrichtung von Pflegekammern und den Zusammenschluss auf Bundesebene als Bundespflegekammer.
Aktuell haben sich die Landespflegekammern Rheinland-Pfalz, Niedersachsen und Schleswig-Holstein sowie der Deutsche Pflegerat als Dachverband zur Pflegekammerkonferenz zusammengeschlossen. Die Pflegekammerkonferenz wird die geplante Gründung der Bundespflegekammer vorbereiten. Gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt sagte Patricia Drube, Präsidentin der Pflegekammer Niedersachsen: »Mit der Pflegekammerkonferenz beginnt ein neues Kapitel der beruflichen Selbstverwaltung der Pflegefachberufe auf Bundesebene.«
Dass bei allen die Pflege berührenden Themen die Pflege selbst gehört wird und dieser Stellungnahme entscheidende Bedeutung zukommt, ist eine der wichtigsten Forderungen der Selbstverwaltung der Pflege. Denn noch immer ist bei wichtigen Beratungen die Pflege selbst nicht vertreten. So hat beispielsweise Nordrhein-Westfalen im Januar 2019 eine Ausbildungsallianz Pflege ins Leben gerufen, die sich um die Belange der Pflegeausbildung kümmern will. Unter den zehn vertretenen Organisationen finden sich zahlreiche Arbeitgebervertretungen, auch der Verband Deutscher Privatschulen NRW und Wohlfahrtsverbände, aber nur eine Stimme aus dem Bereich der Pflege.
Wenn der Gesundheitsausschuss des Landes Nordrhein-Westfalen auf Antrag zweier Fraktionen Gutachter zur Beratung über Berufsanerkennungsverfahren und Arbeitsmarktintegration einlädt, referieren Funktionäre des Handwerks und der Gewerkschaften sowie Vertreter des BAMFs und der Bundesagentur für Arbeit mit ihrer Expertise zu Anerkennungsverfahren, bizarrerweise wird auch ein Musiksoziologe als Gutachter geladen, aber einer der wichtigsten Berufsbereiche, in denen Fragen der beruflichen Anerkennung unmittelbar relevant sind und Fachkräftemangel in hohem Maße besteht, der Bereich der Pflege, ist unter den Gutachtern nicht vertreten und wird nicht gehört.
Mit einer Landespflegekammer und einer Vertretung aller Kammern auf Bundesebene als Bundespflegekammer bekommen auch die Belange der aus dem Ausland kommenden Pflegefachkräfte eine starke Stimme.
