Anerkennung: Marburger Bund

Erlössteigerungen der Kliniken auf Kosten der Beschäftigten: Marburger Bund warnt

Marburger BundBereits früh hatte der Marburger Bund kritisch Stellung genommen zum Pflegepersonal-Stärkungsgesetz. Er befürchtete, dass die Herausnahme der Pflegepersonalkosten aus den DRGs zum Stellenabbau von Pflegepersonal führen würde – und tatsächlich sind viele Stellen abgebaut worden.

Ein gleicher Mechanismus könnte nun einen Stellenabbau bei Ärztinnen und Ärzten begünstigen, eine Entwicklung, die besonders in dieser schwierigen pandemischen Lage zu einer schlechteren Patientenversorgung führen kann. Insbesondere eine große private Klinikkette gerät dabei in den Blickpunkt. Sie hatte ihren Umsatz im vergangenen Jahr auf über sechs Milliarden Euro gesteigert und einen erhöhten operativen Gewinn von 602 Millionen Euro im Pandemiejahr 2020 eingefahren.

Jörg Ziegler findet in der Marburger Bund Zeitung hierfür deutliche Worte: »Hier zeigt sich die hässliche Seite der Ökonomisierung im Gesundheitswesen, wenn es zunehmend dem Wettbewerb und der Kommerzialisierung überlassen wird. Zugunsten von Aktionären werden in einem gedeckelten und budgetierten Bereich Gewinnanteile mit teils überzogenen Gewinnerwartungen abgeschöpft. Den Preis zahlen Beschäftigte und damit letztlich die Patienten: Über Jahre wurde die Pflege auf ein kaum erträgliches Maß heruntergefahren, und nun wird die Ärzteschaft in den Blick genommen (…). Eine bedarfsgerechte Finanzierung ist jedoch Grundlage eines funktionierenden Krankenhauswesens«, so Ziegler in der Marburger Bund Zeitung am 16. April 2021.

Dr. med. Susanne Johna, Vorsitzende des Marburger Bundes, nannte den Sachverhalt »unglaublich«. »Während wir in den Kliniken erneut täglich schwer an COVID-19 erkrankte Patienten aufnehmen und wir als Ärztinnen und Ärzte das dritte Mal innerhalb eines Jahres durch eine enorme Belastungssituation gehen, halten es manche Klinikträger für angemessen, beim ärztlichen Personal Stellen abzubauen.«

Ärztliche Fachsprachprüfung in Rheinland-Pfalz bestanden – Karrierestart in der Eifel

Die ärztliche FachsprachprüfungIn einem Klinikum in der Eifel, das zu einem renommierten Klinikverbund gehört, startet Diana Z. ihre Karriere als Ärztin in Deutschland. Das Klinikum bietet ihr eine Weiterbildung zur Fachärztin an, nachdem sie zuvor schon ein Praktikum in Trier absolvieren konnte.

Die Ärztin hat in Damaskus, Syrien, Medizin studiert und einen sehr guten Abschluss erzielt. In Deutschland hat sie intensiv die deutsche Sprache gelernt und sich auf die anspruchsvolle Fachsprachprüfung vor der Ärztekammer in Rheinland-Pfalz vorbereitet.

Hierzu hat sie den vierwöchigen Intensivkurs Fachsprache Medizin des mibeg-Instituts Medizin gewählt. Das mibeg-Institut führt diesen Kurs, der viele hundert Absolvent:innen auf die ärztliche Fachsprachprüfung vorbereitet hat, regelmäßig in Kooperation mit dem Marburger Bund Landesverband Nordrhein-Westfalen / Rheinland-Pfalz durch.

Chef- und Oberärzt:innen unterrichten im Seminar die aus dem Ausland kommenden Kolleginnen und Kollegen und vermitteln fachsprachliches Wissen insbesondere in den Fächern Innere Medizin, Chirurgie, Radiologie, Strahlenschutz und Notfallmedizin. Dazu kommen viele Informationen über die Anforderungen im klinischen Arbeitsalltag, den Umgang mit Patient:innen, medizinische Dokumentation und ärztliches Qualitätsmanagement. Die Kurse können zu 100 % öffentlich gefördert werden über Bildungsgutscheine der Jobcenter und Arbeitsagenturen.

Die Teilnehmerin hat begeistert mitgemacht und in Mainz die Prüfung vor der Bezirksärztekammer Rheinhessen bestanden.

Die Seminarleiterin des mibeg-Instituts, Carina Schmidt, freut sich, dass auch in der pandemischen Situation eine intensive Vorbereitung auf die ärztliche Fachsprachprüfung gut gelingt. Die Ärztekammern prüfen im gesamten Bundesgebiet und bieten regelmäßig Termine an.

Zwar gibt es pandemiebedingt zurzeit in einigen Bundesländern die Möglichkeit, eine vorläufige Berufserlaubnis auch ohne Fachsprachprüfung zu erlangen, aber die Ärztinnen und Ärzte wissen, dass sich für sie dadurch wenig Vorteile ergeben. Die Fachsprachprüfung und häufig auch die Kenntnisprüfung müssen gleichwohl abgelegt werden, die klinische Tätigkeit wird später nicht auf eine fachärztliche Weiterbildungszeit angerechnet.

»Und viele Kliniken spiegeln uns zurück, dass sie diese politisch auf den Weg gebrachte Unterstützungsmaßnahme in ihrer Personalnot kaum gebrauchen können«, sagt Carina Schmidt. »Denn Ärztinnen und Ärzte, die sprachlich wie fachsprachlich nicht gut und schnell kommunizieren können, mit den Arbeitsabläufen noch nicht vertraut sind und viele diagnostische und therapeutische Interventionen noch nicht vorgestellt bekommen haben, sind keine Hilfe und können schon einmal gar nicht den gravierenden Personalmangel vor allem in der Pflege ausgleichen«, so die Seminarleiterin des mibeg-Instituts. »Die Arbeitsfelder Medizin und Pflege sind sehr eigene Professionen, und gerade in der pandemischen Notlage braucht es gut ausgebildete und vorbereitete Mitarbeiter in beiden Bereichen.«

Dieser Artikel von Barbara Rosenthal erschien am 6. Mai 2021 in der Marburger Bund Zeitung.

»Die Maßnahmen sind richtig, kommen aber deutlich zu spät«, so Marburger Bund-Chefin Dr. Susanne Johna

Dr. med. Susanne Johna, 1. Vorsitzende des Marburger Bundes Bundesverband; © Marburger Bund

Dr. med. Susanne Johna, 1. Vorsitzende des Marburger Bundes Bundesverband; © Marburger Bund

Die beschlossene Neufassung des Infektionsschutzgesetzes greift aus Sicht des Marburger Bunds zu kurz im Kampf gegen die dritte Welle der Corona-Pandemie. »Die Maßnahmen sind richtig, kommen aber deutlich zu spät und gehen in einzelnen Punkten nicht weit genug. Die Infektionsdynamik hätte schon früher gebrochen werden können«, so Dr. med. Susanne Johna, Vorsitzende des Marburger Bunds.

Die Politik habe viel Zeit verstreichen lassen, obwohl es aus der Intensivmedizin deutliche Hilferufe gegeben habe. Jetzt sei das Personal in vielen Krankenhäusern wieder extrem belastet, und Kliniken kämen an Kapazitätsgrenzen – nicht nur bei Covid-19-Patient:innen.

Anne Bunte: »Für uns ist es schon die dritte Welle«

Dr. med. Anne Bunte im mibeg-Institut

Dr. med. Anne Bunte im mibeg-Institut

Dr. med. Anne Bunte ist Ärztin für Öffentliches Gesundheitswesen und Radiologin mit hervorragender Expertise. Die vormalige Chefin des Kölner Gesundheitsamtes leitet das Gesundheitsamt in Gütersloh und ist mithin für die Öffentliche Gesundheit im Kreis Gütersloh zuständig.

Die Expertin war gewissermaßen genau zur Stelle, als umfassende Fachkompetenz in der Seuchenbekämpfung im Kreis Gütersloh gebraucht wurde, da die Corona-Pandemie besonders dort aufgrund der spezifischen Industrieansiedlung im Landkreis hohe Infektionszahlen nach sich zog. Von daher war Dr. Bunte im kontinuierlichen Krisenmanagement und musste nach der ersten Welle im Frühjahr direkt die zweite Welle meistern.

»Wir standen als Gesundheitsamt Gütersloh plötzlich in der New York Times und tauchten bei CNN auf. (…) Im Frühjahr sind wir mit den Strukturen gestartet, die wir für die Influenza- und Masern-Ausbrüche aufgebaut hatten. Schon damals haben wir festgestellt: Corona ist komplett anders. Seither haben wir ständig nachjustiert«, sagte Anne Bunte gegenüber der Süddeutschen Zeitung. »Wenn wir über die Lehren aus den ersten Wellen reden, muss man auch darüber sprechen, wie viel Föderalismus eine Pandemie-Strategie verträgt.«

Nun ist mit Anbruch der Herbst-Winter-Saison wiederum das Gesundheitsamt in Gütersloh besonders gefordert. Für umfassende und langfristige Strategien und eine bessere Ausstattung der Gesundheitsämter mit Ressourcen setzen sich auch die Ärztekammern, der Marburger Bund und der Landesverband der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes NRW ein, alles Einrichtungen, in denen sich Dr. med. Anne Bunte in leitenden Funktionen engagiert.

Ärztinnen in Führungspositionen!

Dr. med. Anja Mitrenga-Theusinger, Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des mibeg-Instituts Medizin. Foto: Udo Geisler

Dr. med. Anja Mitrenga-Theusinger, Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des mibeg-Instituts Medizin. Foto: Udo Geisler

Eine aktuelle Interviewreihe des Marburger Bundes greift ein für die Krankenhauslandschaft bedeutsames Thema auf: Medizinerinnen in Führungspositionen. Aktuell ist Dr. med. Anja Mitrenga-Theusinger interviewt worden, leitende Oberärztin Anästhesie und operative Intensivmedizin am Klinikum Leverkusen und Mitglied des Vorstandes der Ärztekammer Nordrhein und des Marburger Bundes Landesverband Nordrhein-Westfalen / Rheinland Pfalz. Dr. Anja Mitrenga-Theusinger ist zudem Mitglied des wissenschaftlichen Beirats des Programms IQuaMed.

Die erfahrene Ärztin und berufspolitisch engagierte Streiterin für die ärztlichen Kolleginnen und Kollegen forciert gezielt Teilzeitmodelle. »Ich trage seit vielen Jahren in meiner Abteilung Personalverantwortung und habe bereits vor acht Jahren erkannt, dass wir bezüglich Teilzeitmodelle viel flexibler denken und mehr möglich machen müssen.«

Das vollständige Interview ist in der Marburger Bund Zeitung 13 / 2020 erschienen.