Schlechtere Arbeitsbedingungen für Migranten in Pflegeeinrichtungen

Das Deutsche Ärzteblatt berichtet aktuell unter Bezugnahme auf eine Analyse der Hans Böckler Stiftung über die Arbeitsbedingungen von Pflegekräften mit Migrationshintergrund in Deutschland. Die Studie unter der Leitung von Prof. Dr. Hildegard Theobald, Professorin für Organisationelle Gerontologie an der Universität Vechta, beruht auf Befragungsdaten von 2005 bis 2012. Im Ergebnis besagt die Studie, dass Alten- und Krankenpfleger mit Migrationshintergrund häufiger unbezahlte Überstunden ableisten müssen, häufiger der Kritik von Bewohnern und ihren Angehörigen ausgesetzt sind und seltener in dienstliche Besprechungen einbezogen würden.

Die Studie, die sich insbesondere der Situation in den Ländern Deutschland, Schweden und Japan widmet, konstatiert, dass vergleichbare Studien in anderen Ländern keine solchen  Ungleichbehandlungen wie in Deutschland festgestellt hätten.

In allen diesen Ländern seien Zeitdruck, Erschöpfung und prekäre Arbeitsverhältnisse zu verzeichnen. Positiv wurde hervorgehoben, dass in Deutschland im Vergleich zu den anderen untersuchten Ländern ein relativ hohes Qualifikationsniveau in der ambulanten Pflege gegeben ist.

Das Deutsche Ärzteblatt führt aus, dass sich die Zahl der ausländischen Pflegekräfte in Deutschland in den letzten vier Jahren fast verdoppelt hat. Allein von 2016 auf 2017 sind 18.000 ausländische Pflegekräfte hinzugekommen. Die meisten davon stammen aus EU-Staaten. 2017 waren insgesamt 128.000 Pflegekräfte aus dem Ausland sozialversicherungspflichtig in der Alten- und Krankenpflege beschäftigt.

(vgl. hierzu auch »Ausländische Pflegekräfte sind nicht willkommen«, Süddeutsche Zeitung vom 7. August 2018)

Schlechte Arbeitsbedingungen in der Pflege sind der Grund für eine entsprechend hohe Arbeitsunzufriedenheit und Fluktuation. Fachkräftemangel ist dann die Folge. Vergleichbare Ergebnisse sind aus der Ausbildungssituation im Handwerk bekannt (Vgl. »Man wird als billige Ausbildungskraft ganz schön ausgenutzt«, Süddeutsche Zeitung, 4. April 2018 sowie »Jeder vierte Lehrling wirft hin«, Süddeutsche Zeitung, 4. April 2018, worauf die Süddeutsche im gleichen Zusammenhang hinweist).

Ein guter Weg, sich dauerhaft als aus dem Ausland kommende Pflegekraft in Deutschland zu integrieren, sind ausreichende Informationen über das gewählte Arbeitsfeld, die Arbeitsbedingungen und über rasche Wege zur Anerkennung der beruflichen Qualifikation. Hier sind seit einiger Zeit, auch unterstützt durch Förderprogramme wie das IQ Netzwerk, Fortbildungen entstanden, die dieses Wissen transportieren. Erste wichtige Informationen stellt das Portal der Bundesregierung, anerkennung-in-deutschland.de, zur Verfügung.

Das Förderprogramm IQ setzt Mittel des Bundes und des Europäischen Sozialfonds ein. »Besonderes Gewicht legt der ESF auf die Gleichbehandlung von Männern und Frauen und die Vermeidung jeglicher Art von Diskriminierung. Daher kümmert sich der ESF besonders um diejenigen, die Gefahr laufen, aus dem Arbeitsmarkt ausgegrenzt zu werden, wie zum Beispiel benachteiligte junge Menschen, Langzeitarbeitslose sowie Migranten und Migrantinnen.«