Laut einem Bericht des Magazins Business Insider hat die Bundesagentur für Arbeit, bezogen auf die vergangenen neun Jahre, nur rund 5.700 Pflegefachkräfte aus dem Ausland vermitteln können. Das Magazin bezieht sich dabei auf eine Kleine Anfrage im Deutschen Bundestag. Demnach hat die Bundesagentur für Arbeit seit 2013 aus Drittstaaten 4.778 und aus dem EU-Ausland 906 Pflegekräfte vermittelt. Das bedeutet, dass umgerechnet aufs Jahr etwa 630 Pflegekräfte vermittelt wurden. Andrea Nahles, Chefin der Bundesagentur für Arbeit, betonte zu ihrem Antritt, dass sie den Fachkräftemangel als eine der drängendsten Aufgaben sehe, besonders im Bereich der Pflege.
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Anja Mitrenga-Theusinger im Interview: »Kein Prozess im Krankenhaus ohne ärztlichen Sachverstand«
Sie gehört zu den ärztlichen Topmanagerinnen und führt als Medizinische Geschäftsführerin das Klinikum Leverkusen. Zugleich verantwortet sie als Chefärztin die Zentrale Notaufnahme eines der großen kommunalen Krankenhäuser in Nordrhein-Westfalen. Wir fragen Dr. med. Anja Mitrenga-Theusinger nach den aktuellen Aufgaben, die dem Ärztlichen Direktorat zukommen, und warum sie sich für die berufliche Anerkennung ausländischer Gesundheitsfachkräfte engagiert.

Dr. med. Anja Mitrenga-Theusinger, Medizinische Geschäftsführerin und Klinikdirektorin des Klinikums Leverkusen, im mibeg-Institut Medizin; © Foto: Barbara Rosenthal
anerkennung-nrw.de: Die Krankenhauslandschaft befindet sich im Dauer-Umbruch. Der Bund kündigt Initiativen an, und das Land NRW arbeitet bereits sehr konkret an einer umfassenden Strukturreform der gesundheitlichen Versorgung. Welche Aufgaben stellen sich einer Ärztin in der Krankenhausleitung aktuell?
Anja Mitrenga-Theusinger: In der Tat befinden wir uns in herausfordernden Zeiten. Krankenhausleitungen müssen heute über gute mittel- und auch langfristige Medizinstrategien verfügen und diese kontinuierlich weiterentwickeln. Als Ärztin in der Leitung des Klinikums Leverkusen sehe ich meine Aufgabe vor allen Dingen darin, die einzelnen medizinischen Abteilungen zu unterstützen in Bezug auf die aktuellen Reformvorhaben, die uns die Krankenhausplanung in Nordrhein-Westfalen auferlegt. Unser Ziel ist immer die bestmögliche Patientenversorgung, und um dieses Ziel zu erreichen, braucht es topqualifiziertes und hoch motiviertes Personal. Das ist unsere wichtigste Ressource, und das gilt gleichermaßen für das ärztliche wie das pflegerische Personal. Ich rücke die Personalentwicklung in den Fokus.
Das Klinikum Leverkusen ist eines der großen kommunalen Krankenhäuser in NRW. Mit über 2.500 Mitarbeitenden wird jährlich eine hoch spezialisierte Gesundheitsversorgung für über 30.000 stationäre und gleich viele ambulante Patienten gewährleistet. Nun hat sich das Klinikum entschieden, das Haus mit einer Doppelspitze zu führen. Parallel zur kaufmännischen Geschäftsführung fungieren Sie als Medizinische Geschäftsführerin. Wo sehen Sie Ihren Aufgabenschwerpunkt?
Als Ärztin in der Krankenhausleitung sehe ich eine meiner Hauptaufgaben darin, die Sprache und das Denken der Medizin in die strategischen Entscheidungen des Gesamtunternehmens einfließen zu lassen und der Medizin das Gewicht zu geben, das ihr zukommen muss und das benötigt wird, um eine optimale Versorgung der Patienten zu gewährleisten. Krankenhäuser sind Wirtschaftsunternehmen und müssen ökonomischen Regeln folgen, aber das „Unternehmen Krankenhaus“ ist weit mehr als eine Organisation, die nach betriebswirtschaftlichen Grundsätzen aufgestellt ist. Hier geht es vor allem darum, Menschen in Krankheit und Not bestmöglich beizustehen, Krankheiten zu kurieren oder zumindest zu lindern. Dafür stehe ich, dafür steht unser Klinikum ein. Um das zu erreichen, bin ich Ansprechpartnerin für die unterschiedlichsten Problemlagen, die sich im Rahmen der direkten Patientenversorgung ergeben. Ich bin Vermittlerin, ich bin Netzwerkerin, ich bin Entscheiderin. Zu meinem Management-Handwerkszeug gehören dabei Prozessanalysen und Transformationen in neue Abläufe. Ein Schwerpunkt hierbei ist derzeit vor allem die Digitalisierung.
Sie tragen nicht nur Verantwortung als Medizinische Geschäftsführerin des Klinikums Leverkusen, sondern Sie sind zugleich Klinikdirektorin der Zentralen Notaufnahme, die jährlich rund 45.000 Patientenkontakte versorgt. Das ist eine große Aufgabenfülle, wie priorisieren Sie da?
Ja, bei beiden Aufgaben handelt es sich um sehr große, teils vielschichtige Themenkomplexe. Ich bin in erster Linie Ansprechpartnerin für viele Mitarbeiter, höre gut zu, sammle möglichst viele Informationen, um dann, wenn es nötig ist, Veränderungen einzuleiten.
Die wirtschaftlich und gesellschaftlich turbulenten Zeiten, die um uns herum toben, machen das Agieren in meinen beiden Hauptarbeitsfeldern nicht gerade einfacher. Aber ich bin immer schon jemand gewesen, der sich seinen Aufgaben mit vollem Elan stellt. Zurzeit setze ich die Schwerpunkte möglichst so, dass ich viele wichtige Prozesse anstoßen kann, die uns rasch in bessere Positionen versetzen. Und in beiden Bereichen verfüge ich über hervorragende Teams, die perfekt Routinearbeiten bewältigen und darüber hinaus mit ihrer Kenntnis und ihrem Engagement Großartiges für unsere Patienten leisten.
Selbstverständlich steht jetzt ganz oben auf meiner Agenda, die anstehende Krankenhausplanung und ihre Auswirkungen auf das Klinikum Leverkusen zu schultern und gute Regelungen für unser Krankenhaus zu finden.
»Der Arzt in der Krankenhausleitung muss immer das gesamte Haus im Blick haben«

Klinikum Leverkusen; © A. Savin, WikiCommons
Die Diskussion um die Einbindung der ärztlichen Führung in die Krankenhausleitung wird seit Jahren geführt. Teils entscheiden sich die Krankenhäuser für eine hauptberufliche, teils für eine nebenberufliche ärztliche Direktion. Wo sehen Sie Vor- und Nachteile der jeweiligen Amtsausübung?
Beide Spielarten sind sicherlich möglich. Allerdings ist eine „aktive“ Medizinische Geschäftsführung – oder in anderen Krankenhausstrukturen das Ärztliche Direktorat – extrem wichtig und natürlich auch sehr zeitintensiv, sodass eine ehrenamtliche Befassung allein heutzutage nicht mehr ausreicht. Es erfordert ein besonderes Rollenverständnis als leitender Arzt, da man sich freimachen muss von abteilungsbezogenen Interessen. Der Arzt in der Krankenhausleitung muss immer das gesamte Haus im Blick haben. Alles ist für die Patientenversorgung relevant, und es gibt faktisch keinen Bereich mehr in einer Klinik, der nicht direkt oder indirekt mit der Patientenversorgung zu tun hat. Eine Doppelstruktur als Chefärztin und Medizinische Geschäftsführerin kann im positiven Sinne genutzt werden, da man sich nicht vom klinischen Alltag entfernt. Selbstverständlich gilt es einerseits Arbeitsteilung, andererseits aber auch Priorisierung vorzunehmen, um sich um die wichtigen Dinge kümmern zu können. Weiterlesen
Mit Vergnügen lernen: mibeg-Institut bereitet auf die ärztliche Kenntnisprüfung vor

mibeg-Institut Medizin qualifiziert für die ärztliche Kenntnisprüfung: Hier mit Prof. Dr. med. Malte Ludwig
Gute Stimmung und große Lernfreude im mibeg-Institut Medizin, auch in unserer 101. Weiterbildung Qualifizierung für Klinik und Praxis. Zielgerichtet geht es auf die Fachsprachprüfung und die Kenntnisprüfung. Mittendrin der strahlende Referent von heute, Prof. Dr. med. Malte Ludwig.
Dass die Ärztinnen und Ärzte mit Begeisterung im Seminar dabei sind, zeigt das spontane Foto, das uns Prof. Ludwig übermittelte.
Liebe Teilnehmende des Seminars Qualifizierung für Klinik und Praxis: Es ist auch uns eine große Freude mit Ihnen zusammenzuarbeiten! Die Kliniken in Deutschland freuen sich schon auf Ihre Mitwirkung.
Der Status Quo im Gesundheitswesen ist keine Option

Dr. med. Susanne Johna, 1. Vorsitzende des Marburger Bundes Bundesverband; © Marburger Bund
»Alles bleibt so, wie es jetzt ist – das ist keine Option. Wir brauchen eine Entlastung des Personals, Versorgungsstrukturen, die sich am Patientenbedarf und nicht an der Abrechnungsmöglichkeit orientieren, und eine auch telemedizinische Vernetzung der Krankenhäuser der verschiedenen Versorgungsstufen. Wir brauchen eine gute medizinische Versorgung im ländlichen Bereich«: Susanne Johna wurde mit überwältigend großer Mehrheit erneut zur Vorsitzenden des Marburger Bundes gewählt. Dr. med. Susanne Johna ist Internistin und Krankenhaushygienikerin und führt den Marburger Bund bereits seit 2019 mit großer Kompetenz.
Zum Zweiten Vorsitzenden wurde, ebenfalls mit sehr großer Mehrheit, der Chirurg Dr. med. Andreas Botzlar gewählt. Für den Landesverband Nordrhein-Westfalen / Rheinland-Pfalz engagieren sich Dr. med. Sven Dreyer, Mitglied des Vorstands der Ärztekammer Nordrhein, und Dr. med. Hans-Albert Gehle, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe und Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des Programms IQuaMed des mibeg-Instituts Medizin, im Vorstand der Bundesvereinigung.
Wir gratulieren herzlich.
Leiharbeit ist nicht gut für die Versorgungsqualität in der Pflege
»Leiharbeit ist Symptom und Folge schwieriger Arbeitsbedingungen in der Pflege. Leiharbeit schürt interne Konflikte und ist auch nicht immer gut für die Versorgungsqualität. Um Leiharbeit zu reduzieren, brauchen Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser bessere Arbeitsbedingungen mit verlässlichen Dienstplänen und innovativen Ausfallkonzepten wie Springerpools, die 1:1 refinanziert werden«, so Claudia Moll, Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, in einem aktuellen Statement.
