Anerkennung: Blog Anerkennung Gesundheitsberufe

Anzahl der Apotheken in Deutschland erneut gesunken: Pharmazeuten dringend gesucht

Vorbereitung auf die pharmazeutische Kenntnisprüfung: Apothekerinnen und Apotheker qualifizieren sich im mibeg-Institut. Foto: Barbara Rosenthal

Vorbereitung auf die pharmazeutische Kenntnisprüfung: Apothekerinnen und Apotheker qualifizieren sich im mibeg-Institut. Foto: Barbara Rosenthal

Wie die Präsidentin der Bundesvereinigung Deutscher Apothekenverbände ABDA, Gabriele Regina Overwiening mitteilte, hat die Anzahl der Apotheken in Deutschland ein Rekordtief erreicht. Das zeigen Erhebungen der ABDA zum Jahresende 2021, wonach die Zahl der Betriebsstätten um 292 auf 18.461 und die Zahl der selbstständigen Apotheker um 392 auf 13.718 gefallen sei. Demzufolge liege die Apothekendichte in Deutschland bei 22 Apotheken pro 100.000 Einwohnern und damit deutlich unter dem Durchschnitt der Europäischen Union (32 Apotheken pro 100.000 Einwohnern).

Als Grund nennt Overwiening unter anderem fehlendes Fachpersonal und damit mangelnde Nachfolgemöglichkeit zur Übernahme der Betriebsstätten. »Die Zahl der Betriebsstätten geht seit mehr als einem Jahrzehnt zurück. Wenn die Arzneimittelversorgung in Zukunft flächendeckend bleiben soll, muss gegengesteuert werden. Wir brauchen mehr Nachwuchs für die Apotheken: junge Menschen, die dort arbeiten wollen und auch die Bereitschaft haben, eine Apotheke zu leiten und einen Betrieb zu übernehmen.«

Eine Möglichkeit, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, ist der Fachkräftezuzug aus dem Ausland. Die Bundesregierung hat hierzu das Beschleunigte Fachkräfteverfahren (§81a AufenthG) auf den Weg gebracht, das eine erleichterte Einreise zur Anerkennung der im Ausland erworbenen Berufszulassung ermöglicht.

Das mibeg-Institut bietet mit dem eintägigen Informationsseminar »Wege zur Anerkennung« die Möglichkeit, sich grundlegend über den Prozess der Anerkennung zu informieren, und führt eine Reihe von Seminaren zur Vorbereitung auf die Anerkennungsprüfungen durch. Das nächste Intensivseminar Pharmazie zur Vorbereitung auf die Kenntnisprüfung vor der zuständigen Apothekerkammer startet am 24. April.

Anerkennung ausländischer Pflegefachkräfte in NRW: »Klägliche Anzahl«

Durch das mibeg-Institut über das Programm IQuaMed in NRW qualifizierte Pflegefachkräfte

Durch das mibeg-Institut über das Programm IQuaMed in NRW qualifizierte Pflegefachkräfte

Thorsten Klute, gesundheitspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion NRW, bewertete die Anzahl der anerkannten ausländischen Fachabschlüsse in der Pflege als »kläglich«. Laut Klute, so KMA Online, sei die Zahl der Antragstellenden zwar erfreulich, aber in Hinblick auf die 24.000 fehlenden Fachkräfte in NRW, die die Deutsche Stiftung Patientenschutz ermittelt hat, ist die Anzahl der Berufszulassungen verschwindend gering.

Die Landesregierung beantwortete eine Kleine Anfrage zur Anerkennung ausländischer Fachabschlüsse in der Pflege im Herbst 2022 wie folgt:

Zum 1. Juli 2021 wurden die Anerkennungsverfahren in den Gesundheitsberufen zur Bezirksregierung Münster hin zentralisiert. Im Zeitraum vom 1. Juli 2021 bis zum 15. August 2022 wurden 6.166 Neuanträge auf berufliche Anerkennung in einem Pflege- oder Gesundheitsfachberuf gestellt. Die meisten dieser Anträge kamen aus einem Drittstaat: Insgesamt 5.551 Anträge kamen nicht aus dem Bereich der Europäischen Union bzw. dem Europäischen Wirtschaftsraum.

Da eine Bearbeitung eines Antrags erst erfolgt, wenn dieser vollständig ist, konnten von den 6.166 Anträgen nur 2.530 Anträge bearbeitet werden. Kann keine Gleichwertigkeit konstatiert werden, erfolgt die Erstellung eines Zwischenbescheids, der die festgestellten theoretischen und praktischen Anpassungsbedarfe festhält. Diese müssen dann in einem »Anpassungslehrgang« oder durch eine »Eignungs- oder Kenntnisprüfung« ausgeglichen werden. Ist der Ausgleich hergestellt, kann die Gleichwertigkeit mit einem Bescheid festgestellt werden.

Von den 6.166 Neuanträgen konnten 434 Anträge positiv beschieden werden. Davon konnte bei 384 Anträgen direkt die Gleichwertigkeit festgestellt werden, und weitere 50 Antragstellende konnten einen Ausgleich über Anpassungsleistungen erzielen.

Wenn also politisch permanent vom Fachkräftemangel insbesondere im Gesundheitswesen gesprochen wird und ein Großteil der neu zu gewinnenden Fachkräfte aus Drittstaaten stammt, ist bei der vergleichsweise hohen Anzahl von Interessenten das Ergebnis in der Tat in Nordrhein-Westfalen äußerst kläglich.

In einem Jahr konnten ganze 50 Fachkräfte ihre Anerkennung durch Qualifizierung oder Prüfung erwerben.

Was die Landesregierung nicht beantwortet, ist die Frage, wie viele Antragsstellende bei einer Eignungs- oder Kenntnisprüfung ihr Ziel nicht erreichen. Die Nichtbestehensquoten sind, von Modellprojekten auf der Basis guter Qualifizierungs-Curricula einmal abgesehen, nicht nur bei den Pflege- und Gesundheitsfachkräften, sondern auch bei den Angehörigen akademischer Heilberufe in NRW exorbitant hoch.

Die Gesundheitseinrichtungen in Nordrhein-Westfalen sind gespannt, welche praktischen Schlussfolgerungen aus diesen Zahlen gezogen werden.

Bundesministerium des Innern und KMK erleichtern Zeugnisbewertungen für ausländische Fachkräfte

Das Bundesministerium des Innern und die Kultusministerkonferenz (KMK) haben aktuell einen Kooperationsvertrag zur Digitalisierung der Zeugnisbewertung geschlossen. Mit dieser finanziellen Unterstützung schafft das Bundesministerium im Rahmen des Onlinezugangsgesetzes eine wesentliche Schnittstelle für die beschleunigte Fachkräfteanerkennung von ausländischen Interessenten, Bewerberinnen und Bewerbern. Damit werden endlich die digitalen Voraussetzungen geschaffen, um die Anerkennung ausländischer Zertifikate zukünftig besser und rascher zu ermöglichen. Zugleich erhoffen sich das Bundesministerium und die KMK Hinweise hinsichtlich der Transformation analoger Dienstleistungen in digitale Plattformen. Die gemeinsame Zielvision lautet:

»Ende 2023 läuft der gesamte Prozess aller Zeugnisbewertungen bei der ZAB Ende-zu-Ende auf einer ganzheitlichen Informations- und Kommunikationsplattform, die sich in das Gesamtkonzept der Fachkräfteintegration einfügt. Alle Prozessschritte erfolgen auf der Plattform medienbruchfrei, ortsunabhängig, transparent, sicher und effizient. Diese Effizienz ist messbar: die Ausstellung erfolgt innerhalb von 6 Wochen, 80 % der Bewertungen laufen standardisiert und die Kundenzufriedenheit liegt mindestens bei 90%«

Die Umsetzung dieses Projektvorhabens ist ein wichtiger Schritt. In Deutschland erschweren mangelnde digitale Arbeitsverfahren immer noch sehr die gewünschte Fachkräfteintegration.

Evangelisches Klinikum Köln Weyertal heißt Pflegefachkräfte herzlich willkommen

Evangelisches Klinikum Köln Weyertal heißt Pflegefachkräfte herzlich willkommenEin ganz besonders gelungener Auftakt erwartete die aus Mexiko kommenden Pflegefachkräfte, die künftig im Evangelischen Klinikum Köln Weyertal tätig werden. Ein Team um den Geschäftsführer und Ärztlichen Direktor, Dr. med. Jan-Peter Glossmann, holte die mexikanischen Pflegefachkräfte direkt am Hauptbahnhof ab, und es gab zum Auftakt eine Dombesichtigung und einen gemütlichen kölschen Abend. Wir finden: Eine herzlichere Aufnahme ist kaum möglich. Wer sich einen Eindruck verschaffen möchte, findet ein tolles Video auf Instagram.

Karl-Josef Laumann: »Die Digitalisierung im deutschen Gesundheitssystem ist eine traurige Veranstaltung«

In einem Interview mit der Zeitschrift »G+G Gesundheit und Gesellschaft« äußert sich Karl-Josef Laumann, Gesundheitsminister des Landes NRW, zum Stand der Digitalisierung:

Die Digitalisierung im deutschen Gesundheitssystem ist eine traurige Veranstaltung. Ich bin 2023 50 Jahre Mitglied derselben Krankenkasse. Die einzige Innovation meiner Versichertenkarte, die ich erlebt habe, ist das Passbild. Die Defizite im Digitalsektor betreffen etwa die mangelnde Vernetzung von Schwerpunktkrankenhäusern mit Kliniken in den Regionen. Telekonsile gibt es zu wenig und sie müssen regelfinanziert werden. Krankenhäuser und Arztpraxen sind heute hochdigitalisiert. Das System ist aber nicht zum Patienten hin digitalisiert, und sektorübergreifend auch nicht. Immerhin müssen wir Radiologieaufnahmen heute nicht mehr in großen Mappen transportieren.

Dazu ergänzen wir: Das stimmt. Heute müssen Patienten solche Aufnahmen auf CD-ROM selbst aus der Radiologiepraxis abholen und quer durch die ganze Stadt transportieren. . 😉