Anerkennung: Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann

Karl-Josef Laumann: »Die Digitalisierung im deutschen Gesundheitssystem ist eine traurige Veranstaltung«

In einem Interview mit der Zeitschrift »G+G Gesundheit und Gesellschaft« äußert sich Karl-Josef Laumann, Gesundheitsminister des Landes NRW, zum Stand der Digitalisierung:

Die Digitalisierung im deutschen Gesundheitssystem ist eine traurige Veranstaltung. Ich bin 2023 50 Jahre Mitglied derselben Krankenkasse. Die einzige Innovation meiner Versichertenkarte, die ich erlebt habe, ist das Passbild. Die Defizite im Digitalsektor betreffen etwa die mangelnde Vernetzung von Schwerpunktkrankenhäusern mit Kliniken in den Regionen. Telekonsile gibt es zu wenig und sie müssen regelfinanziert werden. Krankenhäuser und Arztpraxen sind heute hochdigitalisiert. Das System ist aber nicht zum Patienten hin digitalisiert, und sektorübergreifend auch nicht. Immerhin müssen wir Radiologieaufnahmen heute nicht mehr in großen Mappen transportieren.

Dazu ergänzen wir: Das stimmt. Heute müssen Patienten solche Aufnahmen auf CD-ROM selbst aus der Radiologiepraxis abholen und quer durch die ganze Stadt transportieren. . 😉

Karl-Josef Laumann kündigt weitere Chancen auf Erstimpfung in den Impfzentren in NRW an

Der Gesundheitsminister von Nordrhein-Westfalen hat aktuell bekannt gegeben, dass ab Mittwoch der kommenden Woche wieder Erstimpfungstermine in NRW gemacht werden können. Und Minister Karl-Josef Laumann spricht mit diesem Angebot insbesondere Menschen über 60 Jahre und Vorerkrankte an. Damit wird der medizinisch gebotenen Priorisierung in Nordrhein-Westfalen eine Chance gegeben. Gegenüber der Presse betonte der Minister: »Ich bin froh, dass wir jetzt auch bei den Erstimpfungen in den Impfzentren wieder Tempo machen können.«

Ab Mittwoch, 23. Juni 2021, 8 Uhr können zunächst Personen über 60 Jahre sowie Personen ab 16 Jahren mit Vorerkrankungen, die noch keinen Impftermin über die niedergelassenen Praxen erhalten haben, Termine in den Impfzentren vereinbaren. Ebenso können Beschäftigte von Krankenhäusern und (teil-)stationären Einrichtungen der Eingliederungshilfe und Werkstätten für Menschen mit Behinderung einen Impftermin bekommen. Hierfür stehen die bereits bekannten Buchungssysteme der Kassenärztlichen Vereinigungen zur Verfügung. Gebucht werden können zunächst Termine bis zum 11. Juli 2021.

Dass die Impfzentren mit einer medizinisch gebotenen Priorisierung ihre Arbeit bei den Erstimpfungen fortsetzen können, ist eine sehr gute Entscheidung des NRW-Gesundheitsministeriums.

Keine Chance auf Impfung?

Das Impfversprechen war groß und die Anstrengungen, die unternommen wurden, waren enorm. Im bevölkerungsreichen Bundesland Nordrhein-Westfalen leben rund 18 Millionen Menschen, damit wurde das Impfprogramm gegen die Covid-19-Erkrankung zu einer großen Herausforderung. Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann machte zu Beginn der Impfkampagne deutlich, dass noch nie eine so große Anzahl von Menschen zeitnah geimpft werden musste.

Rekrutierung von Personal, Aufbau von Impfzentren, Start der Impfkampagne: NRW ging planmäßig und zielstrebig vor, um eine möglichst schnelle Durchimpfung der Bevölkerung zu erreichen. Insbesondere die medizinisch begründete Vorgehensweise, besonders betroffene Personengruppen nach einer transparent kommunizierten Priorisierung zu impfen, wurde gut aufgenommen und umgesetzt. Alte Menschen, schwerwiegend erkrankte Menschen, Menschen in bestimmten Berufen, insbesondere in Medizin und Pflege, wurden geimpft. Die Impfzentren funktionieren hervorragend, Impfungen durch Hausärzte kamen hinzu, nach wenigen Monaten sind bereits über 7 Millionen Menschen erstmalig gegen SARS-CoV-2 geimpft.

Und nun? Mitten in der Impfkampagne bricht das Chaos aus

Ab dem 7. Juni 2021 wird die Priorisierung entfallen und das Impfverfahren über die niedergelassenen Ärzte abgewickelt werden. Zugleich herrscht große Impfstoffknappheit. Die Zentren können kaum Termine anbieten, die priorisierten Gruppen sind noch nicht durchgeimpft, viele haben nicht einmal eine Erstimpfung erhalten. Als über 60-Jähriger in NRW einen Impftermin über das Impfportal des Landes erhalten? Fehlanzeige. Als Kontaktperson eines Pflegebedürftigen? Fehlanzeige. Als chronisch Erkrankter? Fehlanzeige. Höchstens ein Nachrück-Termin ist ab und zu über das zentrale Anrufportal der KV zu ergattern.

Dafür aber gibt es zahlreiche Impfdrängler. Ganze Freizeitvereine werden durch ärztliche Clubmitglieder einbestellt und durchgeimpft, Mitarbeiter:innen von Bundeszentralen aus ihrem Homeoffice zum Impftermin gebeten, junge Sportler:innen werden zur bevorzugten Impfgruppe. Ganz offensichtlich ist die Verteilung von Impfstoffen in der Bevölkerung zum Windhundrennen geworden. Gar keine Chancen haben die vielen Menschen ohne festen Hausarztkontakt. Auf entsprechende Anfragen per Mail gibt es in zahlreichen Praxen gar keine Antwort oder direkt eine Absage: »Wenden Sie sich bitte an ein Impfzentrum.« Aber im Impfzentrum werden keine Meldungen angenommen.

NRW braucht Impfzentren und geregelte Verfahren

Millionen Menschen müssen in NRW noch erstmalig gegen Corona geimpft werden, zahlreiche Genesene brauchen eine Impfung, Millionen Menschen brauchen eine Zweitimpfung. Jetzt die knappen Impfstoffe aus den Zentren abzuziehen und gar die Überlegung anzustellen, die Zentren herunterzufahren, ist unverantwortliches politisches und medizinisches Handeln. NRW sollte die so gut gestartete Impfkampagne fortsetzen, Gesundheitsämter unterstützen und nur medizinisch begründbar lockern, auch hier mit Priorisierungen, die das Wohl und das Recht auf Bildung von Kindern und Jugendlichen vorrangig berücksichtigen. Priorisierungen über Impfzentren sollten nicht eingestellt, sondern fortgesetzt werden: Alleinerziehende wären beispielsweise eine wichtige Gruppe.

NRW könnte hier Vorbild sein.

Impftropfen auf den heißen Stein: Viel zu wenig Impfdosen für Kölner Hochhaussiedlungen

In den Kölner Hochhaussiedlungen sind die Infektionszahlen hoch. Mobile Teams wurden eingesetzt, um zu impfen. In Stadtteilen wie Chorweiler und Meschenich betrug die Wocheninzidenz aktuell fast 700 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner. Am Montag startete  daher ein besonderes Projekt: Die Corona-Schutzimpfung kam zu den Bürgern in diesen Stadtvierteln, die Bürger mussten nicht ins Impfzentrum, wo sie vermutlich ohnehin kein Impfangebot bekommen hätten. Das Land wollte dafür 1.000 zusätzliche Impfdosen für die erste Woche zur Verfügung stellen.

Das Impfangebot wurde sehr gut angenommen, und es wurde ein bundesweites Medienspektakel um diese Aktion herum entfacht. Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker betonte, um die Bürger in diesen Stadtvierteln zu erreichen, seien muttersprachliche Unterstützung, Aufklärungsarbeit sowie die Zusammenarbeit mit Hausärzten und »Sozialraumkoordinatoren« notwendig.

Aber das Impfangebot ist völlig unzureichend.

Laut WDR sagte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann, die Stadt Köln solle erst einmal Erfahrungen sammeln. Der Impfstoff sei begrenzt und viele geschwächte Menschen in den Priorisierungsgruppen warteten noch auf ihre Impfung. Oberbürgermeisterin Reker intervenierte und versuchte vergeblich, vom Land NRW weitere Impfdosen zur Verfügung gestellt zu bekommen. Zwar wurden in wenigen Tagen einige hundert Dosen verimpft, doch allein im Stadtbezirk Chorweiler leben mehr als 82.000 Menschen.

Gegenüber dem WDR betonte der Klinikdirektor der Kölner Uniklinik Prof. Dr. Michael Hallek, wie wichtig diese Impfaktion zur Eindämmung des lokalen Infektionsgeschehens ist: »Ich kann ungefähr sagen, aus welchen Stadtteilen die Menschen kommen und aus welchen Situationen.  Und da sind wir als Gesellschaft schon auch gehalten, uns drum zu kümmern, und wenn Impfen hilft, dort die Infektionsketten zu durchbrechen, und das glaube ich, dann ist das eine sehr sinnvolle Maßnahme.«

Prof. Dr. Michael Hallek über vorgezogene Impfungen für Menschen in Stadtteilen mit hoher Corona-Inzidenz

 

Testen statt reden: 25 Prozent aller Coronatests bundesweit werden in Nordrhein-Westfalen durchgeführt

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann hat sich zur aktuellen Coronatest-Situation in Deutschland geäußert.