Anerkennung: Ministerium für Arbeit Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen

IQ Netzwerk NRW: Bezirksregierung und mibeg-Institut Medizin berichten über die Anerkennung und Qualifizierung von ausländischen Gesundheitsfachkräften

Auf dem landesweiten Treffen der Anerkennungsberater/innen am 30. November 2018 in Essen referierten vor 150 Teilnehmern Constanze Lernhart und Lukas Schmülling, Dezernenten im Landesprüfungsamt Medizin, Psychotherapie und Pharmazie der Bezirksregierung Düsseldorf, und Günter Mang-Baltruweit, Projektleiter IQuaMed am mibeg-Institut Medizin. Vorgestellt wurden optimierte Anerkennungsverfahren, die Verwaltungspraxis der Bezirksregierungen in Nordrhein-Westfalen sowie die durch das mibeg-Institut in Zusammenarbeit mit den zuständigen Stellen und den Gesundheitseinrichtungen in Nordrhein-Westfalen entwickelten und erprobten Qualifizierungen, die eine rasche und qualitativ hochwertige Integration ermöglichen sollen.

Gastgeber der Veranstaltung, an der sich mit mehreren Impulsvorträgen auch das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW beteiligte, war die G.I.B. Gesellschaft für innovative Beschäftigungsförderung. Die G.I.B. hat das IQ Netzwerk NRW aufgebaut, zahlreiche erfolgreiche Projekte initiiert und den Aufbau und die Qualitätssicherung der Anerkennungsberatungsstellen begleitet, mit denen Antragssteller im In-und Ausland unterstützt werden, wenn sie ihre berufliche Anerkennung als Fachkraft anstreben. Weiterlesen

Robert Schäfer im Interview über Steuerungsgrößen im Gesundheitswesen: »Wenn die GPS-Navigation ausfällt, sollte man einen Kompass bedienen können.«

Dr. med. Robert Schäfer

Dr. med. Robert Schäfer

Bedarfsplanung ist eine der schwierigsten Aufgaben, die sich derzeit nicht nur im deutschen Gesundheitswesen stellen. anerkennung-medizin.de fragt im Interview heute einen der profundesten Kenner des deutschen Gesundheitswesens, Dr. med. Robert Schäfer, der lange Zeit als Geschäftsführender Arzt für die Ärztekammer Nordrhein verantwortlich zeichnete und heute im Aufsichtsrat einer Klinik in Nordrhein-Westfalen für Krankenhausstrategien zuständig ist.

Mit diesem Interview eröffnen wir ein neues Format auf unserem Informationsblog anerkennung-medizin.de.

anerkennung-medizin.de: Was sind Ihrer Meinung nach Größen, die Orientierung für eine Steuerung des Gesundheitswesens vermitteln?

Dr. med. Robert Schäfer: Die Grundlage allen Handelns bei der Steuerung im Gesundheitswesen bildet die Epidemiologie, die Summe aller Erkrankungen, Unfälle, Notfälle. Unter normalen Umständen sind Erkrankungshäufigkeiten stabile Größen. Deren Behandlung erfordert gut ausgebildetes Personal und ausreichende Mittel für die Versorgung der Patienten, also Mittel für Personal, Material und Gebäude, in denen dies erfolgt. Den Personal- und Mittelbedarf des Gesundheitswesens kann man unter Zugrundelegung dieser Daten berechnen. Daher ist eine sorgfältige Erhebung epidemiologischer Daten die Basis für die Ermittlung des Personal- und Mittelbedarfs.
Personen und Mittel sach- und zeitgerecht einzusetzen und damit die aufgetretenen Gesundheitsstörungen erfolgreich zu behandeln, erfordert ein Gesundheitssystem, dessen Systemqualität an Parametern wie Gesundung oder Sterblichkeit gemessen werden kann.

Welche Rolle spielt der Faktor Zeit?

Die zeitgerechte Bereitstellung von Hilfen im Gesundheitswesen entscheidet über deren Erfolg. Zwei Beispiele: Für eine Herz-Lungen-Wiederbelebung sind Minuten entscheidend, bis qualifizierte Helfer sie erfolgreich einsetzen. Diese Helfer in ausreichender Zahl auszubilden und vorzuhalten, dauert Jahre. Eine bedarfsgerechte Bildungsplanung erfordert hohe Kompetenz und Sorgfalt, wie die Reform der Ausbildung in der Pflege zeigt. Wie beim Phänomen Lehrermangel wissen wir aber auch, dass selbst dann, wenn Verantwortliche wissen, dass der Bedarf an Lehrern durch mehr Schüler steigt, keine zeit- und bedarfsgerechte Reaktion erfolgt.

Was erschwert Planungen im Gesundheitswesen?

Fortschritt und unzulängliche Vorhersehbarkeit von medizinischen Entwicklungen bzw. Erfolgen, wie aber auch unangemessene Erwartungen. So kann eine erfolgreiche Impfstrategie Krankheiten verschwinden lassen, wie etwa Kinderlähmung. Ähnlich bedeutsam: Das Verkennen vernünftigerweise zu akzeptierender Bedingungen führt zu gravierenden Fehlentscheidungen.

Welcher Einfluss ist der Digitalisierung im Gesundheitswesen beizumessen?

Informationsbeschaffung, Speicherung und Verarbeitung finden an vielen Stellen der Medizin noch mit traditionellen Techniken statt. Da mit disruptiven Veränderungen im Bereich der Informationsverarbeitung zu rechnen ist, ist ein großer Anpassungsbedarf zu erwarten. Dabei kommt dem Thema Ausfallsicherheit in der Medizin besondere Bedeutung zu. Wenn die GPS-Navigation ausfällt, sollte man einen Kompass bedienen können. Aber auch die Kompatibilität – das verträgliche Miteinander – digitaler Systeme, die am Menschen Anwendung finden, ist von großer Bedeutung.

Was sollte die Politik bei der Weiterentwicklung des Gesundheitswesens beachten?

Eine Verbesserung der Gesundheitsberichterstattung ist zu wünschen und mit geringem Aufwand machbar, um eine objektive Entscheidungsgrundlage für notwendige Investitionen und Bildungsmaßnahmen im Gesundheitswesen zu schaffen, die für alle Beteiligten verbindlich ist. Angesichts zu erwartender Änderungen durch die Digitalisierung ist eine engmaschige Kontrolle von Ursachen-Wirkungsbeziehungen erforderlich, um bei Bedarf zeitnah gegensteuern zu können.

Siehe hierzu auch: »Wie viele Ärzte braucht das Land? – Daten zur ärztlichen Bedarfsplanung«

Das Gespräch mit Dr. med. Robert Schäfer führte Barbara Rosenthal für anerkennung-medizin.de.

»Ausländische Gesundheitsfachkräfte willkommen«: Zeitschrift für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin ASU

»Ausländische Gesundheitsfachkräfte willkommen« ASU 9 / 2018Gesundheitsberufe sind reglementiert. Aus dem Ausland kommende Gesundheitsfachkräfte benötigen daher zur Berufsausübung eine besondere Erlaubnis. Insbesondere für Geflüchtete ist es hilfreich, diese rasch zu erlangen. Über das Projekt IQuaMed hat das mibeg-Institut Medizin Wege nicht nur für Ärzte, Zahnärzte, Apotheker und Pflegepersonal, sondern auch u. a. für Physiotherapeuten, Hebammen, Ergotherapeuten, Medizinisch-technische radiologische Assistenten und Pharmazeutisch-technische Assistenten erschlossen. Für die Modellregion NRW zeigt dieses Projekt, dass eine rasche, qualitativ hochwertige und kostengünstige Berufsanerkennung erreicht werden kann.

Der vollständige Aufsatz von Barbara Rosenthal ist erschienen in der Zeitschrift für Arbeitsmedizin, Sozialmedizin, Umweltmedizin ASU 9 / 2018.

Anerkennungsrecht in NRW und Anerkennungsqualifizierungen im Gesundheitswesen

Die G.I.B. NRW, Gesellschaft für innovative Beschäftigungsförderung, lädt die Berater/innen zur beruflichen Entwicklung BBE zum 6. Austauschtreffen am 30. November 2018 ins Haus der Technik in Essen ein. Als Referenten beteiligen sich aus dem Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW Dr. Jens Stuhldreier, Reinhard Völzke und Sarah Weidemann sowie die Arbeitsmarktexperten der G.I.B., Josef Muth und Heike Ruelle.

In mehreren Workshops werden Projekte vorgestellt, so im Workshop 1 die Umsetzung des Anerkennungsrechts in der NRW-Gesundheitswirtschaft und die Vorstellung prüfungsvorbereitender Qualifizierungen zur Anerkennung von Angehörigen reglementierter Gesundheitsberufe. Hierzu referieren der zuständige Dezernent für die Anerkennung nicht-akademischer Gesundheitsberufe im Landesprüfungsamt bei der Bezirksregierung Düsseldorf, Lukas Schmülling, und Erziehungswissenschaftlerin Barbara Rosenthal, Leiterin der mibeg-Institute, die das Programm IQuaMed konzipiert hat.

Constanze Lernhart und Mechthild Schildwächter: Erteilung und Entzug von Berufserlaubnissen und Approbationen

Constanze Lernhart, Regierungsdirektorin, juristische Dezernentin der Bezirksregierung Düsseldorf, und Mechthild Schildwächter, Richterin am Oberverwaltungsgericht des Landes Nordrhein-Westfalen, referieren zur Erteilung und dem Entzug von Berufserlaubnissen und Approbationen. Wir berichteten. Das Seminar ist eine Veranstaltung der Bundesvereinigung Öffentliches Recht und wird aufgrund der großen Nachfrage erneut angeboten am 19. November 2018. Weitere Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie hier.