Anerkennung: #ZusammengegenCorona

»Überprivilegierte Empathielosigkeit«

Unter dem Hashtag #allesdichtmachen haben sich 50 prominente und finanziell vergleichsweise gut abgesicherte TV-Schauspieler:innen in sarkastischen Youtube-Clips gegen die aktuellen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie ausgesprochen. Die durchweg ironisch und zynisch formulierten Beiträge, die etablierte Propagandamechanismen und Lügen von Coronaleugnern aufnehmen, sind unmittelbar nach Veröffentlichung auf erhebliche Kritik gestoßen.

Krautreporter schrieb in einem Newsletter: »Wie dumm plump das alles inhaltlich formuliert ist, wie dreist es ist, sich im schick ausgeleuchteten Altbau in süffisantem Ton abfilmen zu lassen, wie ungeschickt der Zeitraum gewählt ist, angesichts einer wirklich guten Chance, dass im Mai die Impfungen einen guten Schritt weiterkommen und die Fallzahlen sinken. Ohne zu würdigen, welche gigantische (Zusatz-)Leistung Menschen in der Pflege seit einem Jahr erbringen, oder welche gravierenden Einschränkungen Hunderttausende gesundheitlich Bedrohte hinnehmen. Ohne anzuerkennen, dass drei Millionen Deutsche bestätigt infiziert waren, Hunderttausende ehemalige Erkrankte wochenlang mit den Folgen des Virus haderten und dass bisher in Deutschland 80.000 Menschen im Zusammenhang mit Corona gestorben sind – während 5.000 Menschen auf den Intensivstationen liegen, von den Horrorbildern aus Indien ganz zu schweigen.«

Jan Böhmermann twitterte, das einzige Video, das man sich ansehen solle, »wenn man Probleme mit Corona-Eindämmungsmaßnahmen hat«, sei die mehrteilige ARD-Produktion, die den Alltag auf der Intensivstation der Berliner Charité in der dritten Corona-Welle dokumentiert. Eine Ärztin twitterte: »Ich sitz im Nachtdienst auf der ITS und scrolle durch Twitter. Diese überpriviligierte Empathielosigkeit, die unter dem Tarnmantel der Satire zu verbergen versucht, dass es hier um ein Höchstmaß an Menschenverachtung, nicht vorhandener Solidarität und mangelndem Respekt vor den Toten geht.«

Die Aktion, deren Initiator frühzeitig die Pandemie verharmloste, leistet radikalen, wissenschaftsleugnenden und antidemokratischen Tendenzen Vorschub und dürfte, auch wenn große Teile der eigenen Branche unverzüglich auf Distanz gingen, auch Kunst und Kultur, für die sie doch zu kämpfen vorgibt, großen Schaden zufügen. Und was wäre, wenn Pflege und Intensivmedizin mal #allesdichtmachen und #niewiederaufmachen würden? Dümmer kann Aktionismus kaum ausfallen.

Quarks-WDR-Plakat: Darum werden die Intensivstationen demnächst noch voller

Quarks-WDR-Plakat: Darum werden die Intensivstationen demnächst noch voller

Quarks-WDR-Plakat: Darum werden die Intensivstationen demnächst noch voller; © Quarks / WDR

Auf Grundlage der Daten des RKI und des DIVI-Intensivregisters veranschaulicht die Wissenschaftsredaktion Quarks des WDR, wie die Kapazitäten der intensivmedizinischen Versorgung in Deutschland beansprucht werden. Medizin und Pflege haben frühzeitig vor dieser Situation gewarnt.

Intensivmedizin warnt vor Überlastung aufgrund steigender Covid-19-Zahlen

Tweet Prof. Dr. med. Christian Karagiannidis, Wissenschaftlicher Leiter DIVI-IntensivregisterDer Facharzt für Innere Medizin, Pneumologie und Intensivmedizin Prof. Dr. med. Christian Karagiannidis, Wissenschaftlicher Leiter des DIVI-Intensivregisters und Leiter des ECMO Zentrums Köln-Merheim, hat eindringlich auf die aktuelle Situation auf den Intensivstationen in Deutschland aufgrund der weiterhin steigenden Zahl von Covid-19-Patient:innen hingewiesen. Über Twitter schrieb er:

»Liebe Entscheidungsträger, wie hoch sollen die Zahlen denn noch steigen bevor Ihr reagieren wollt??? Wir verpassen jede Ausfahrt zur Senkung der Zahlen. Unser Prognosemodell im Abgleich mit den realen Zahlen (in Grün) spricht Bände. Bitte handelt endlich! Städte wie #Bonn oder #Bremen oder #Köln haben kaum noch freie Betten für den nächsten Herzinfarkt, Verkehrsunfall oder #covid Patienten! Und einen instabilen Patienten kann man NICHT einfach dorthin verlegen wo gerade Platz ist. Ein freies Bett in Ostwestfalen hilft da NICHT!«

Wir gratulieren herzlich!

Verdienstorden für Özlem Türeci und Uğur Şahin

Großes Verdienstkreuz mit Stern des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland für Özlem Türeci und Uğur Şahin; © Bundesregierung / Bergmann

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat PD Dr. Özlem Türeci und Prof. Dr. Uğur Şahin in Schloss Bellevue mit dem Großen Verdienstkreuz mit Stern des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Die herausragenden Wissenschaftler:innen und Gründer:innen von BionTech verbänden, so der Bundespräsident, medizinische Grundlagenforschung mit deren Übersetzung in eine praktische Nutzung. Dank ihrer weltweit anerkannten Kompetenz im Bereich der mRNA-Technologien und ihres unermüdlichen Einsatzes sei ihnen innerhalb kürzester Zeit die Entwicklung und Zulassung eines Impfstoffes gegen Covid-19 gelungen. Sie leisteten damit einen entscheidenden Beitrag zur Eindämmung der Corona-Pandemie.

In ihrer Dankesrede betonte Dr. Türeci, noch sei nicht alles geschafft, deshalb sei »eine radikale Verantwortungsübernahme von jedem« nötig, wenn man das Virus wirklich bezwingen wolle. Jeder solle weiter auf sich achten und könne damit auch alle anderen schützen. Prof. Şahin wünschte sich mehr Pragmatismus in Bezug auf die aktuelle Impfkampagne. Pragmatismus sei nicht das Gegenteil von Perfektionismus, sondern der Weg dorthin.

Einjähriges: Lernen und Lehren während der Pandemie

mibeg-Institut Medizin in Köln

Vor einem Jahr hat ein Erlass der nordrhein-westfälischen Landesregierung den Universitäten, Hochschulen und Bildungsinstituten zunächst für die Dauer von mehreren Wochen die Durchführung von Präsenzveranstaltungen untersagt. Inzwischen ist aus dieser zeitlich befristeten Untersagung eine wiederholte Untersagung geworden, seit dem 16. Dezember 2020 ist sie wiederum dauerhaft etabliert.

Alle Bildungsprojekte unserer Institute finden also online statt. Wir haben ein gutes System aufgebaut, um möglichst viel kommunikativen Austausch zwischen Teilnehmenden und Lehrenden zu schaffen.

Wir bedanken uns ganz herzlich für die überaus konstruktive Zusammenarbeit, für das Verständnis und für das besondere Engagement. Alle sind sich einig, sobald wie möglich wieder Präsenzunterricht zuzulassen, ganz egal, ob es sich um hochspezialisierte Fortbildungen für Ärztliche Direktor:innen handelt oder ob sich aus dem Ausland kommende Physiotherapeut:innen in unseren Kursen auf ihre berufliche Anerkennung vorbereiten. Alle lernen derzeit im Online-Modus, und alle vermissen den persönlichen Austausch. Bildung ist und bleibt ein zutiefst personales Geschehen.

Wir sind derzeit in der dritten Welle der Corona-Pandemie. Die Inzidenzzahlen in Köln sind seit Tagen über 100. Wir beklagen aktuell wieder den Tod von Kölner Mitbürgerinnen und Mitbürgern, die an Covid-19 erkrankt waren. Da das Impfprogramm nur sehr zögerlich die Zielgruppen erreicht, wird der Lockdown – sicherlich in zukünftig verschärfter Form – anhalten.

Wir werden mit unseren Dozentinnen und Dozenten und unseren Teilnehmerinnen und Teilnehmern selbstverständlich alle Schutzregeln befolgen. Aber wir dürfen gewissermaßen zum Einjährigen auch den Politikerinnen und Politikern, die jetzt Verantwortung tragen oder zukünftig tragen wollen, übermitteln: Digitale Lehr- und Lernformen sind ein selbstverständlicher Teil postgraduierter Erwachsenenbildung, aber komme bitte niemand auf die Idee, zukünftig so etwas dauerhaft einzufordern, denn es bedarf in Prozessen, wo es um ein Miteinander, um Integration, um Sprach- und Fachlernen und Ermutigung für eine selbstbewusste Teilhabe geht, immer auch der direkten Kommunikation.