Anerkennung: Hubertus Heil Bundesarbeitsminister

Wie lange dauert die Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen bei Gesundheitsfachkräften?

Bundesinstitut für Berufsbildung BIBBErnüchternde Ergebnisse zeigen die ersten Daten einer Befragung durch das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) auf: Bei den reglementierten Berufen ist bei einigen EU-Abschlüssen ohnehin eine automatische Anerkennung gegeben, hier wurden knapp 90 Prozent binnen drei Monaten beschieden. Ganz anders sieht es bei den Gesundheitsberufen aus, die nicht automatisch anerkannt werden können, wie das etwa regelmäßig bei Nicht-EU-Abschlüssen der Fall ist. Hier dauert das Verfahren im Durchschnitt 15 Monate, aber häufig warten Interessenten viel länger auf ihre Anerkennung. Das BIBB hält fest:

Von den reglementierten Berufen, bei denen die Anerkennung zwingende Voraussetzung für die Berufszulassung ist, wie bei Ärzten und Ärztinnen sowie Pflegefachleuten, können einige EU-Abschlüsse automatisch anerkannt werden. Dies beruht darauf, dass innerhalb der EU die Ausbildungsordnungen aneinander angeglichen sind. 2020 wurden 87 Prozent binnen drei Monaten beschieden (+7 Prozentpunkte im Vergleich zu 2017).

Anders sah es bei den Verfahren zu den reglementierten Berufen aus, die nicht automatisch anerkannt werden. Den meisten dieser Verfahren liegen Abschlüsse zugrunde, die außerhalb der EU erworben wurden. Die Quote der in vier oder weniger Monaten beschiedenen Verfahren blieb hier konstant bei knapp 75 Prozent, zudem wurden deutlich mehr Verfahren beschieden. Bei einem großen Teil dieser Verfahren enthielt der erste Bescheid allerdings die Auflage, an einer Ausgleichsmaßnahme teilzunehmen, um die volle Gleichwertigkeit zu erreichen. Aus Sicht der Antragstellenden verlängerte sich dadurch im Vergleich zur reinen Bearbeitungszeit das Verfahren: im Durchschnitt dauerte es zuletzt rund 15 Monate, in vielen Fällen auch deutlich länger.

Hier zeigt sich für Deutschland ein gravierender Handlungsbedarf, und viele Anerkennungssuchende und Arbeitgeber fragen zurecht, wie es nach den millionenschweren Programmen, die über viele Jahre aufgelegt worden sind, zu einem solchen negativen Ergebnis kommen kann.

Das Wort Fachkräftemangel ist schließlich in aller Munde und kann nicht nur zur Neuauflage von immer wieder ähnlichen Projekten führen, die immer gleiche Strukturen in bestimmten Organisationen mit öffentlichen Mitteln bedienen.

Die Forderungen des mibeg-Instituts sind wiederholt vorgebracht worden

Gefragt sind einfache, klare Zuständigkeiten, die gleich in allen Bundesländern greifen, genügend Personal- und Sachmittelressourcen bei den zuständigen Stellen, weg von der Projektmittelförderung hin zu der Verstetigung von Beratungs- und Qualifizierungsangeboten. Dabei sollten die Beratungsangebote über die Bundesagentur für Arbeit dauerhaft und professionell erfolgen und die Qualifizierungsangebote in den Bundesländern – am Bedarf orientiert – mit einem langfristig abgesicherten Planungshorizont möglich sein.

Es zeigt sich: Der Markt regelt nicht alles

In bestimmten Regionen gibt es ein Überangebot an Beratung und Qualifizierung, in anderen Bereichen bestehen keine Angebote. Und nein, es kann bei hochspezialisierten Berufen vom Arzt bis zur Hebamme, von der Apothekerin bis zum Ergotherapeuten, nicht landauf landab „vor Ort“ immer dann ein Angebot gemacht werden, wenn es gerade gebraucht wird, sondern es müssen Lernorte geschaffen werden, wo eine notwendige sprachliche, fachsprachliche und fachliche Qualifizierung zur direkten beruflichen Anerkennung, also zur Berufszulassung oder Approbation führt. Wie soll Deutschland für Gesundheitsfachkräfte attraktiv sein, wenn alleine der Antrag auf Berufsanerkennung im Durchschnitt über 15 Monate dauert? Und wenig hilfreich in diesem Zusammenhang ist auch, dass die Fördermittel für Deutschkurse im Ausland zusammengestrichen werden, was derzeit die Goethe-Institute beklagen.

Einjähriges: Lernen und Lehren während der Pandemie

mibeg-Institut Medizin in Köln

Vor einem Jahr hat ein Erlass der nordrhein-westfälischen Landesregierung den Universitäten, Hochschulen und Bildungsinstituten zunächst für die Dauer von mehreren Wochen die Durchführung von Präsenzveranstaltungen untersagt. Inzwischen ist aus dieser zeitlich befristeten Untersagung eine wiederholte Untersagung geworden, seit dem 16. Dezember 2020 ist sie wiederum dauerhaft etabliert.

Alle Bildungsprojekte unserer Institute finden also online statt. Wir haben ein gutes System aufgebaut, um möglichst viel kommunikativen Austausch zwischen Teilnehmenden und Lehrenden zu schaffen.

Wir bedanken uns ganz herzlich für die überaus konstruktive Zusammenarbeit, für das Verständnis und für das besondere Engagement. Alle sind sich einig, sobald wie möglich wieder Präsenzunterricht zuzulassen, ganz egal, ob es sich um hochspezialisierte Fortbildungen für Ärztliche Direktor:innen handelt oder ob sich aus dem Ausland kommende Physiotherapeut:innen in unseren Kursen auf ihre berufliche Anerkennung vorbereiten. Alle lernen derzeit im Online-Modus, und alle vermissen den persönlichen Austausch. Bildung ist und bleibt ein zutiefst personales Geschehen.

Wir sind derzeit in der dritten Welle der Corona-Pandemie. Die Inzidenzzahlen in Köln sind seit Tagen über 100. Wir beklagen aktuell wieder den Tod von Kölner Mitbürgerinnen und Mitbürgern, die an Covid-19 erkrankt waren. Da das Impfprogramm nur sehr zögerlich die Zielgruppen erreicht, wird der Lockdown – sicherlich in zukünftig verschärfter Form – anhalten.

Wir werden mit unseren Dozentinnen und Dozenten und unseren Teilnehmerinnen und Teilnehmern selbstverständlich alle Schutzregeln befolgen. Aber wir dürfen gewissermaßen zum Einjährigen auch den Politikerinnen und Politikern, die jetzt Verantwortung tragen oder zukünftig tragen wollen, übermitteln: Digitale Lehr- und Lernformen sind ein selbstverständlicher Teil postgraduierter Erwachsenenbildung, aber komme bitte niemand auf die Idee, zukünftig so etwas dauerhaft einzufordern, denn es bedarf in Prozessen, wo es um ein Miteinander, um Integration, um Sprach- und Fachlernen und Ermutigung für eine selbstbewusste Teilhabe geht, immer auch der direkten Kommunikation.

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil: »Einige Krankenhäuser sind kaputtgespart worden. Wir müssen einfach darauf reagieren, dass Gesundheit kein rein marktwirtschaftliches Gut sein kann«

Ein richtungweisendes Interview hat Hubertus Heil, Bundesarbeitsminister, aktuell der Rheinischen Post gegeben. Neben dem umfangreichen Hilfsprogramm, das die Bundesregierung derzeit zur Unterstützung des Arbeitsmarktes schnell und unbürokratisch auf den Weg bringt, äußerte der Minister sich auch zur Entprivatisierung von Krankenhäusern. Zwar hätten die Kommunen das Entscheidungrecht, aber es gäbe auch, so der Minister, eine staatliche Gewährleistungspflicht: »Wir müssen den öffentlichen Bereich stärken. Einige Krankenhäuser sind kaputtgespart worden. Wir müssen einfach darauf reagieren, dass Gesundheit kein rein marktwirtschaftliches Gut sein kann.«