Archiv des Autors: Barbara Rosenthal

Zahl der berufstätigen Ärzt:innen steigt auch in 2020

Das Jahr 2020 war in erster Linie durch die Corona-Pandemie gekennzeichnet, eine besondere Herausforderung für die Ärztinnen und Ärzte, die in Deutschland in Kliniken und Praxen arbeiten. Gleichwohl ist die Zahl der berufstätigen Ärztinnen und Ärzte im Vergleich zum Vorjahr leicht um 1,7 Prozent angestiegen.

Die Bundesärztekammer veröffentlicht kontinuierlich die aktuellen Statistiken und gibt als Gesamtzahl über 409.000 berufstätige Ärzt:innen für das Jahr 2020 an.

Wie Dr. Matthias Blum, Bundesärztekammer, aktuell im Deutschen Ärzteblatt referiert, werden unbesetzte Stellen immer häufiger von Ärztinnen und Ärzten besetzt, die aus dem Ausland kommen. »Im Jahre 2020 hatte bereits jeder achte berufstätige Arzt (14 Prozent oder rund 56.000 Personen) in Deutschland eine ausländische Staatsangehörigkeit. Im Januar 2015 lag dieser Anteil noch bei rund zehn Prozent.«

Von Interesse ist, dass ein Großteil dieser aus dem Ausland kommenden Ärztinnen und Ärzte im Krankenhaus arbeitet. Niederlassung setzt die abgeschlossene Facharztweiterbildung voraus und ist überdies, etwa bei der KV-Zulassung, an zahlreiche spezielle Kenntnisse des Praxismanagements geknüpft. Kliniken bieten den ausländischen Ärzt:innen umfangreiche Weiterbildungsmöglichkeiten, und viele Ärzt:innen absolvieren in Deutschland ihre Facharztweiterbildung.

Basierend auf den Daten der Ärztestatistik der Bundesärztekammer verteilen sich die Herkunftsstaaten der berufstätigen Ärzt:innen mit ausländischer Staatsangehörigkeit wie folgt:

Ärztestatistik 2020

Berufstätige Ärzte mit ausländischer Staatsangehörigkeit in Deutschland 2020, Schaubild des mibeg-Instituts nach Daten der BÄK

Eine wesentliche Erleichterung für die gelingende und rasche Integration der aus dem Ausland kommenden Kolleginnen und Kollegen auch während der Pandemiesituation stellen die  Weiterbildungen dar, die das mibeg-Institut kontinuierlich und passgenau durchführt. Mit Unterstützung der Bundesagentur für Arbeit bereiten sich Ärztinnen und Ärzte über das Seminar Qualifizierung und Praxis zielgerichtet auf die Fachsprach- und Kenntnisprüfungen in Deutschland vor und lernen das Know-how, das für den gelungenen Start in deutschen Kliniken als Assistenzärzt:in nötig ist.

Viele Chefärzt:innen und Oberärzt:innen fungieren  als Dozent:innen am Institut und vermitteln das Wissen praxisnah. Ergänzt wird diese Seminarreihe durch Spezialkurse, die rasch und kompakt auf eine Fachsprachprüfung oder eine Kenntnisprüfung vorbereiten.

Die hohe Bestehensquote von über 90 Prozent beim ersten Prüfungsanlauf bestätigt den Erfolg der Absolvent:innen. Trotz der pandemischen Lage haben die Ärztekammern in Deutschland kontinuierlich Fachsprachprüfungen angeboten und Landesprüfungsämter im Verbund mit Universitätsklinika und Ärztekammern Kenntnisprüfungen organisiert. Nicht zuletzt haben auch die zuständigen Stellen weiterhin Anerkennungsinteressierte beraten und mit entsprechenden Anerkennungsbescheiden ausgestattet, sodass hier für die Kliniken in Deutschland eine fortgesetzt positive Arbeit auch in einer extremen Gesamtsituation geleistet werden konnte.

Derzeit bereiten sich in zahlreichen Kursen Ärztinnen und Ärzte im mibeg-Institut auf ihren Start in Deutschland vor.

Keine Chance auf Impfung?

Das Impfversprechen war groß und die Anstrengungen, die unternommen wurden, waren enorm. Im bevölkerungsreichen Bundesland Nordrhein-Westfalen leben rund 18 Millionen Menschen, damit wurde das Impfprogramm gegen die Covid-19-Erkrankung zu einer großen Herausforderung. Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann machte zu Beginn der Impfkampagne deutlich, dass noch nie eine so große Anzahl von Menschen zeitnah geimpft werden musste.

Rekrutierung von Personal, Aufbau von Impfzentren, Start der Impfkampagne: NRW ging planmäßig und zielstrebig vor, um eine möglichst schnelle Durchimpfung der Bevölkerung zu erreichen. Insbesondere die medizinisch begründete Vorgehensweise, besonders betroffene Personengruppen nach einer transparent kommunizierten Priorisierung zu impfen, wurde gut aufgenommen und umgesetzt. Alte Menschen, schwerwiegend erkrankte Menschen, Menschen in bestimmten Berufen, insbesondere in Medizin und Pflege, wurden geimpft. Die Impfzentren funktionieren hervorragend, Impfungen durch Hausärzte kamen hinzu, nach wenigen Monaten sind bereits über 7 Millionen Menschen erstmalig gegen SARS-CoV-2 geimpft.

Und nun? Mitten in der Impfkampagne bricht das Chaos aus

Ab dem 7. Juni 2021 wird die Priorisierung entfallen und das Impfverfahren über die niedergelassenen Ärzte abgewickelt werden. Zugleich herrscht große Impfstoffknappheit. Die Zentren können kaum Termine anbieten, die priorisierten Gruppen sind noch nicht durchgeimpft, viele haben nicht einmal eine Erstimpfung erhalten. Als über 60-Jähriger in NRW einen Impftermin über das Impfportal des Landes erhalten? Fehlanzeige. Als Kontaktperson eines Pflegebedürftigen? Fehlanzeige. Als chronisch Erkrankter? Fehlanzeige. Höchstens ein Nachrück-Termin ist ab und zu über das zentrale Anrufportal der KV zu ergattern.

Dafür aber gibt es zahlreiche Impfdrängler. Ganze Freizeitvereine werden durch ärztliche Clubmitglieder einbestellt und durchgeimpft, Mitarbeiter:innen von Bundeszentralen aus ihrem Homeoffice zum Impftermin gebeten, junge Sportler:innen werden zur bevorzugten Impfgruppe. Ganz offensichtlich ist die Verteilung von Impfstoffen in der Bevölkerung zum Windhundrennen geworden. Gar keine Chancen haben die vielen Menschen ohne festen Hausarztkontakt. Auf entsprechende Anfragen per Mail gibt es in zahlreichen Praxen gar keine Antwort oder direkt eine Absage: »Wenden Sie sich bitte an ein Impfzentrum.« Aber im Impfzentrum werden keine Meldungen angenommen.

NRW braucht Impfzentren und geregelte Verfahren

Millionen Menschen müssen in NRW noch erstmalig gegen Corona geimpft werden, zahlreiche Genesene brauchen eine Impfung, Millionen Menschen brauchen eine Zweitimpfung. Jetzt die knappen Impfstoffe aus den Zentren abzuziehen und gar die Überlegung anzustellen, die Zentren herunterzufahren, ist unverantwortliches politisches und medizinisches Handeln. NRW sollte die so gut gestartete Impfkampagne fortsetzen, Gesundheitsämter unterstützen und nur medizinisch begründbar lockern, auch hier mit Priorisierungen, die das Wohl und das Recht auf Bildung von Kindern und Jugendlichen vorrangig berücksichtigen. Priorisierungen über Impfzentren sollten nicht eingestellt, sondern fortgesetzt werden: Alleinerziehende wären beispielsweise eine wichtige Gruppe.

NRW könnte hier Vorbild sein.

Andreas Westerfellhaus erhält Ehrendoktorwürde

Andreas Westerfellhaus, Bevollmächtigter der Bundesregierung für die Pflege

Andreas Westerfellhaus, Bevollmächtigter der Bundesregierung für die Pflege

Eine besondere Auszeichnung wird Andreas Westerfellhaus, Staatssekretär und Bevollmächtigter der Bundesregierung für die Pflege, zuteil. Eine österreichische Privatuniversität in Salzburg verleiht Andreas Westerfellhaus die Ehrendoktorwürde.

Die Auszeichnung wird verliehen, um die besonderen Verdienste von Andreas Westerfellhaus zur Etablierung und Förderung der Pflegewissenschaft in der deutschsprachigen Hochschullandschaft zu würdigen. Staatssekretär Westerfellhaus ist selbst Pflegefachmann, hat dazu Pflegepädagogik und Betriebswirtschaft im Gesundheitswesen studiert und leitete nach seiner aktiven Zeit im Krankenhaus, auch als Intensivpfleger, ein Bildungszentrum für Gesundheitsberufe in Nordrhein-Westfalen.

Seine berufliche Karriere ist gekennzeichnet durch ein herausragendes Engagement für die beruflichen Belange der Pflegefachkräfte. Andreas Westerfellhaus war über viele Jahre Präsident des Deutschen Pflegerats und wurde zuletzt zum Bevollmächtigten für die Pflege der Bundesregierung berufen.

Das mibeg-Institut Medizin verbindet eine langjährig gute Zusammenarbeit mit Andreas Westerfellhaus. Er gehört dem Wissenschaftlichen Beirat des Programms IQuaMed an und unterstützt das mibeg-Institut darüber hinaus bei Projekten für leitende Krankenpflegekräfte.

Ute Teichert warnt vor großem Druck auf das Impfsystem

Ute Teichert im mibeg-Institut Medizin

Dr. med. Ute Teichert, Vorsitzende des Bundesverbandes der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes BVÖGD

Die Chefin des Berufsverbands der Amtsärzt:innen in Deutschland, Dr. med. Ute Teichert, nahm aktuell Stellung zur weiteren Entwicklung des Impfsystems in Deutschland. Sie wies darauf hin, dass ab Sommer zahlreiche Auffrischungsimpfungen gestartet werden müssten, zusätzlich zu den laufenden Erst- und Zweitimpfungen. Während andere Länder wie Großbritannien schon längst dabei seien, sich darauf vorzubereiten, sei die Prognose für Deutschland besorgniserregend. »Von Seiten der Politik höre ich diesbezüglich aber keinerlei Vorschläge, wie das organisiert werden sollte. Es scheint vielmehr, als liefe sie planlos in eine solche Situation hinein.«

Zum jetzigen Zeitpunkt hat erst ein Drittel der Deutschen eine Erstimpfung bekommen. In manchen Bundesländern zeichnet sich eine extrem schwierige Situation ab.

Zusätzlich zu den noch nicht organisierten Impfverfahren, die Ute Teichert vom BVÖGD anmahnt, sind aktuell noch erhebliche weitere Probleme zu lösen. Sie beziehen sich zum einen auf die vorliegenden Vektorimpfstoffe, die jetzt aktuell vor allem in Arztpraxen verimpft werden sollen.

Probleme wird zum anderen die angekündigte Aussetzung der Priorisierung mit dem erwartbaren Impfansturm ab Juni verursachen, verschärft etwa in Nordrhein-Westfalen dadurch, dass Ü60-Jährige kein prioritärer Zugang zu Impfzentren gestattet wird. Ü60-Jährige gehören zwar zur Prioritätsgruppe 3, sollen sich aber neuerdings ausschließlich in Arztzentren und da vor allem mit Vektorimpfstoffen (»Resterampe«) impfen lassen.

Unabhängig von der Diskussion um die Impfstoffe führen viele Praxen jetzt schon Wartelisten und können keine Impftermine in Aussicht stellen. Dass beispielsweise städtische Bauhofmitarbeiter bevorzugt Impfangebote bekommen, während die zuvor auf wissenschaftlicher Basis vorgenommene Priorisierung sich in Luft auflöst, kann nicht als gutes Impfmanagement vermittelt werden.

Die sehr gut gestarteten Impfzentren bräuchten hier weitere Unterstützung, um ihre erfolgreiche Arbeit fortzusetzen. Aufgabe von Bund und Land muss es sein, das Impfangebot rechtzeitig verfügbar zu machen. Wie übersichtlich die zu erwartenden Lieferungen pro Bundesland sind, zeigt die Tabelle des Bundesgesundheitsministeriums sehr anschaulich.

Impftropfen auf den heißen Stein: Viel zu wenig Impfdosen für Kölner Hochhaussiedlungen

In den Kölner Hochhaussiedlungen sind die Infektionszahlen hoch. Mobile Teams wurden eingesetzt, um zu impfen. In Stadtteilen wie Chorweiler und Meschenich betrug die Wocheninzidenz aktuell fast 700 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner. Am Montag startete  daher ein besonderes Projekt: Die Corona-Schutzimpfung kam zu den Bürgern in diesen Stadtvierteln, die Bürger mussten nicht ins Impfzentrum, wo sie vermutlich ohnehin kein Impfangebot bekommen hätten. Das Land wollte dafür 1.000 zusätzliche Impfdosen für die erste Woche zur Verfügung stellen.

Das Impfangebot wurde sehr gut angenommen, und es wurde ein bundesweites Medienspektakel um diese Aktion herum entfacht. Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker betonte, um die Bürger in diesen Stadtvierteln zu erreichen, seien muttersprachliche Unterstützung, Aufklärungsarbeit sowie die Zusammenarbeit mit Hausärzten und »Sozialraumkoordinatoren« notwendig.

Aber das Impfangebot ist völlig unzureichend.

Laut WDR sagte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann, die Stadt Köln solle erst einmal Erfahrungen sammeln. Der Impfstoff sei begrenzt und viele geschwächte Menschen in den Priorisierungsgruppen warteten noch auf ihre Impfung. Oberbürgermeisterin Reker intervenierte und versuchte vergeblich, vom Land NRW weitere Impfdosen zur Verfügung gestellt zu bekommen. Zwar wurden in wenigen Tagen einige hundert Dosen verimpft, doch allein im Stadtbezirk Chorweiler leben mehr als 82.000 Menschen.

Gegenüber dem WDR betonte der Klinikdirektor der Kölner Uniklinik Prof. Dr. Michael Hallek, wie wichtig diese Impfaktion zur Eindämmung des lokalen Infektionsgeschehens ist: »Ich kann ungefähr sagen, aus welchen Stadtteilen die Menschen kommen und aus welchen Situationen.  Und da sind wir als Gesellschaft schon auch gehalten, uns drum zu kümmern, und wenn Impfen hilft, dort die Infektionsketten zu durchbrechen, und das glaube ich, dann ist das eine sehr sinnvolle Maßnahme.«

Prof. Dr. Michael Hallek über vorgezogene Impfungen für Menschen in Stadtteilen mit hoher Corona-Inzidenz