Anerkennung: Blog Anerkennung Gesundheitsberufe

Aktuelle Corona-Welle: DKG warnt vor zunehmenden Personalausfällen in Kliniken

»Aus allen Bundesländern erreichen uns Meldungen, dass einzelne Stationen und Abteilungen auch wegen Personalmangel abgemeldet werden müssen«, hat Gerald Gaß, Vorstand Deutsche Krankenhausgesellschaft, gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland gesagt. Vermehrt seien die Kliniken gezwungen, zeitweise auch die Notaufnahmen bei den Rettungsleitstellen abzumelden. »Diese Situation besorgt uns erheblich mit Blick auf den bevorstehenden Herbst«, betonte Gaß. Während die Zahl der mit Corona infizierten Patienten auch auf den Intensivstationen die Kliniken nicht überlaste, seien die teils massiven Personalausfälle das Hauptproblem.

In diesem Kontext lohnt auch die Lektüre des RND-Kommentars von Eva Quadbeck zu dem »Expertengremium«, das kürzlich im Auftrag der Bundesregierung die bisherigen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie bewerten sollte: »Aktuell rollt die Corona-Sommerwelle, die wir uns hätten ersparen können, wenn man ein paar einfache Schutzmaßnahmen aufrechterhalten hätte – zum Beispiel das Tragen von Masken beim Einkaufen oder den Nachweis eines negativen Schnelltests bei großen Veranstaltungen. Zumal diese Maßnahmen in der Bevölkerung akzeptiert waren und es viel Routine bei ihrem Vollzug gab.«

Und Eva Quadbeck hebt in ihrem Kommentar hervor: »Ganz konkret: Es ist wirklich erbärmlich, nun in wochenlangen Schleifen zu diskutieren, ob eine Maskenpflicht hilft, und sie mit dem Argument abzuwehren, dass sie nur nutze, wenn die Maske auch richtig getragen werde. Ach! Ein Gips am Bein hilft auch nur, wenn er richtig sitzt. Und ja, es gibt immer Menschen, die die Maske nicht richtig tragen – die Mehrzahl der Leute hat das aber durchaus verstanden und setzt es auch um, wie man in den öffentlichen Verkehrsmitteln immer noch sehen kann. (…)

Dass die Bundesregierung nun ein Expertengremium gebraucht hat, um den Blindflug bei der Datenerhebung festzustellen, ist ein weiteres Armutszeugnis. Diesen Mangel haben alle möglichen Expertinnen und Experten aller möglichen Fachrichtungen seit Pandemiebeginn beklagt. Also, das Coronavirus wird nicht von alleine wieder verschwinden. Die aktuelle Variante wird mutmaßlich nicht die letzte sein, die sich als Welle in Deutschland verbreitet. Und die vorhandenen Defizite liegen auf der Hand: Es gibt nicht genug Daten, um das Virus gezielt zu bekämpften. Die Impfquote ist immer noch zu niedrig. Den Ländern fehlt eine ausreichende Handhabe, um im Fall regionaler Hotspots schnell und hart einzugreifen. Das Klinikpersonal arbeitet am Limit.«

Der lesenswerte Kommentar von Eva Quadbeck findet sich hier.

 

Stand der Anerkennungsberatung und -qualifizierung: Das mibeg-Institut Medizin referiert auf Einladung der G.I.B. NRW

Gesellschaft für innovative Beschäftigungsförderung G.I.B. NRWZahlreiche Anerkennungsberater/innen aus ganz Nordrhein-Westfalen folgten der Einladung zu einer Tagung der G.I.B. NRW.

Marion Graf, Heike Ruelle und Anne Berteld hatten die Anerkennungsexpert/innen aus ganz NRW eingeladen, um gemeinsam aktuelle Fragen zur Anerkennung, insbesondere für Gesundheitsfachkräfte, zu erörtern und wichtige Anerkennungsqualifizierungen vorzustellen.

Die Expert/innen des mibeg-Instituts referierten umfassend zu den Anerkennungsqualifizierungen für Gesundheitsfachkräfte und Angehörige approbierter Heilberufe. Cecile Polzin, Carina Schmidt und Dr. Shermineh Shahi stellten viele Anerkennungsqualifizierungen vor. Alle diese Qualifizierungen können zu 100 Prozent öffentlich gefördert werden und ermöglichen einen raschen Weg zur Approbation oder Berufszulassung.

Die zielgerichtete Vorbereitung auf Fachsprachprüfungen für Ärzt/innen, Zahnärzt/innen und Apotheker/innen sowie die Angebote, sich gut auf die Kenntnisprüfungen in diesen Berufen vorzubereiten, waren ebenso Thema wie die Qualifizierungen für Physiotherapeut/innen und für Pflegefachkräfte. Da andere Unterstützungen wie etwa das IQ Förderprogramm ab dem nächsten Jahr nicht mehr wie gewohnt vorhanden sein werden, sind die nach AZAV geförderten Anpassungsqualifizierungen sowie die Unterstützung über das Qualifizierungschancengesetz sehr wichtig geworden. Das Ziel des Förderprogramms IQ ist, Strukturen und Angebote zu schaffen, die nachhaltig bestehen, und genau das ist mit den zahlreichen Projekten, die über die Regelförderung nun kontinuierlich und dauerhaft abrufbar sind, gelungen.

Neue Kurse des mibeg-Instituts für Pflegefachkräfte starten nicht nur in Nordrhein-Westfalen, sondern auch in Rheinland-Pfalz, und für weitere reglementierte Gesundheitsberufe sind Kurse in Vorbereitung. Durch eine gute Zusammenarbeit der zuständigen Stellen, der Arbeitsagenturen und Jobcenter, der Anerkennungsberatungsstellen und der Anerkennungsqualifizierer gelingt so ein gutes Angebot insbesondere in NRW.

Ein ganz besonderes Schwerpunktthema beim Expertenaustausch stellte die Situation der geflüchteten Menschen aus der Ukraine dar. Auch hier dient die intensive Zusammenarbeit aller an der Anerkennung beteiligten Akteure einer raschen und umfassenden Hilfestellung.

Wir bedanken uns herzlich für die Einladung und den guten kollegialen Austausch!

Grundsätzliche Kehrtwende in der deutschen Migrationspolitik gefordert: DGB kritisiert bisherige Programme zur Fachkräftesicherung

Yasmin Fahimi, Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes DGB, © Foto: Susi Knoll

Yasmin Fahimi, Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes DGB, © Foto: Susi Knoll

Mit scharfen Worten hat Yasmin Fahimi, Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes, bisherige Regelungen deutscher Migrationspolitik kritisiert. Die DGB-Chefin forderte, dass die Regelungen, die derzeit für Geflüchtete aus der Ukraine eingerichtet werden, auch für andere Geflüchtete gelten sollten. Dazu gehöre ein schneller Anspruch auf Grundsicherung und ein direkter Zugang zum Arbeitsmarkt. Dabei seien, so Fahimi, auch noch hohe bürokratische Hürden bei der Integration ukrainischer Flüchtlinge ersichtlich. Als besonderes Nadelöhr erweise sich die Ausländerbehörde. Für einen persönlichen Termin brauche es oft viele Wochen. Es sei zu beobachten, dass in diesen Wochen des Wartens auf einen Termin bei der Ausländerbehörde viele Migrant/innen in ihrer Verzweiflung für sie gefährliche oder illegale Jobangebote annehmen.

Der DGB engagiert sich besonders im Bereich der sozialen Arbeit für Migrant/innen und hat sich stark eingesetzt für die Anerkennungsgesetzgebung, die Anerkennungsberatung und -qualifizierung.

Neben diesen Regelungen müssen die Anerkennungsverfahren erneut auf den Prüfstand. Zehn Jahre Anerkennungsgesetze in Deutschland sind zwar der Anlass zu zahlreichen Tagungen und bunten Broschüren, aber die tatsächlichen Wege, die aus dem Ausland kommende Fachkräfte beschreiten müssen, sind nach wie vor schwierig, und besonders schwierig sind sie für Geflüchtete.

Förderprogramme gibt es zahlreich, aber diese Mittel werden auch immer aufgewendet, um bestehende Strukturen zu sichern. Weniger ersichtlich ist, welche Hilfen tatsächlich bei den Betroffenen ankommen.

 

»The path to the German license to practice medicine«: Veranstaltung des International Office der Universität zu Köln in Zusammenarbeit mit dem mibeg-Institut Medizin

Attaining the German medical licence (»Approbation«) for foreign physiciansAuf Initiative des International Office der Universität zu Köln, das sich für das Netzwerk Scholars at Risk engagiert, findet am

Mittwoch, 18. Mai 2022 von 10 bis 12 Uhr ein Online-Seminar

für ausländische Ärztinnen und Ärzte statt, die in Deutschland ihre Approbation erlangen wollen.

Es referieren Cecile Polzin und Dr. Shermineh Shahi vom mibeg-Institut Medizin. Die beiden Anerkennungsexpertinnen zeigen auf, wie in Deutschland die Approbation beantragt werden kann, wenn ein Studium der Medizin im Ausland absolviert wurde und Interesse besteht, den Arztberuf in Deutschland auszuüben. Die Referentinnen informieren zu den Anerkennungsverfahren, geben Tipps zur Fachsprachprüfung und zur Kenntnisprüfung und zeigen Fördermöglichkeiten auf.

In a 90-minute workshop, we would like to provide specific support on which steps are necessary to obtain the German license to practice medicine.

The following questions will be addressed:

Which language and professional requirements do I have to fulfill in order to apply for the license to practice medicine in Germany? Which authority is in charge? Which documents do I have to submit? Which language skills do I have to prove? What is a specialist language certificate? What is the procedure for a specialist language examination (»Fachsprachprüfung«) before the State Chamber of Physicians (»Ärztekammer«)? How can I prepare myself? When is a knowledge examination (»Kenntnisprüfung«) necessary? What topics are covered in a knowledge examination? How can I prepare for a knowledge examination? How much time does it take to apply for my license to practice medicine?

We are very pleased to have two proven experts as speakers for this workshop. Dr. Shermineh Shahi and Cecile Polzin from the mibeg-Institut Medizin will provide you with practical and comprehensive information.

Interessent/innen wenden sich direkt an Casper Wijckmans, Universität zu Köln, c.wijckmans@verw.uni-koeln.de.

Humanitäre Hilfe für die Opfer des Krieges in der Ukraine

Dr. med. Sandra Dühr, Oberfeldärztin, ist leitende Fliegerärztin bei der Luftwaffe und begleitet verletzte Zivilisten aus der Ukraine in Kliniken nach Deutschland. Für die Süddeutsche Zeitung gab sie ein Interview, das die ungeheuren Schrecken dieses Krieges verdeutlicht. Zusammen mit ihrem Team brachte sie in einem Sanitätsflugzeug der Bundeswehr schwerverletzte ukrainische Patienten nach Deutschland. Der Flug ging von einem Fluglandeplatz an der polnisch-ukrainischen Grenze nach Hannover und Köln, wo die verletzten und traumatisierten Patienten in Kliniken versorgt wurden.

»Wir hatten einerseits frisch Kriegsversehrte mit Explosionstraumata. Das heißt: Viele Schrapnellverletzungen, relativ viele Amputationen. Wir hatten einen Vierjährigen an Bord mit amputierten Unterschenkeln. Ein anderes Kind hatte das halbe Gesicht verbrannt. Zwei Patienten waren querschnittsgelähmt, Schrapnelle hatten ihr Rückenmark verletzt. Wir haben relativ frische Bauchwunden gesehen, bei Kindern wie Erwachsenen. Die Patienten waren aber alle sehr gut erstversorgt.

Zum anderen gab es eine Gruppe an Patienten mit Verletzungen, die nicht mehr versorgt werden konnten. Dazu gehörten kompliziertere Brüche, ältere Menschen mit Schenkelhalsfrakturen. Ein älterer Herr hatte eine künstliche Hüfte, die ausgerenkt war. Das sind Schmerzen ohne Ende. Den haben wir auch mitgenommen. Die Männer und Frauen lagen teilweise zwei Wochen in den Krankenhäusern, die es nicht mehr schafften, sie zu versorgen. Die haben nicht das Personal, nicht das Material.«

Hier das Interview, das Mike Szymanski für die Süddeutsche Zeitung führte.

Das mibeg-Institut Medizin hat regelmäßig Ärzte ohne Grenzen zu Gast. Über die Website von Ärzte ohne Grenzen können Sie sich über die Hilfsaktionen in der Ukraine informieren und direkt spenden:

www.aerzte-ohne-grenzen.de/unsere-arbeit/einsatzlaender/ukraine