Anerkennung: Landesärztekammer Hessen

Landesärztekammer Hessen ermöglicht ärztliche Fachsprachprüfung

Ab dem 1. Oktober 2020 können aus dem Ausland kommende Ärztinnen und Ärzte, die ihre Fachsprachprüfung ablegen müssen, dies vor der Landesärztekammer Hessen tun. Damit zieht auch das Bundesland Hessen qualitativ den anderen Bundesländern gleich, die standardisierte Verfahren der kollegialen Überprüfung des fachsprachlichen Wissens längst etabliert haben.

Bereits 2012 hatten erste Ärztekammern damit begonnen, Prüfungen zum fachsprachlichen Standard zu entwickeln, da in der klinischen Praxis zahlreiche Probleme bei der Verständigung sowohl in der Arbeit mit den Patienten als auch im kollegialen Miteinander auftraten. Der Nachweis reiner Sprachzertifikate wurde als unzureichend kritisiert, da die Zertifikate häufig den Ansprüchen nicht genügten.

Anders als beispielsweise in den Niederlanden gibt es in den einzelnen deutschen Bundesländern keine zentralen Institute, die ausschließlich mit Prüfungen befasst sind und nicht ein Geschäftsmodell verfolgen, bei dem sie von Kursen und Prüfungen gleichermaßen zu profitieren versuchen.

Die Gesundheitsministerkonferenz der Länder hat 2014 schließlich verbindlich festgelegt, dass im Bereich der ärztlichen Patientenversorgung höhere sprachliche Standards eingeführt werden müssen und die aus dem Ausland kommenden Ärztinnen und Ärzte sich einer solchen Prüfung zu unterziehen haben.

Auch hier machten sich zunächst einzelne Anbieter von Sprachkursen Hoffnung, ein flottes Geschäftsmodell zu etablieren, in dem sie Kurse anboten, Lehrbücher verkauften und die Prüfung abnahmen, natürlich alles mit entsprechenden Gebühren belegt. An der Objektivität der Bewertung der Prüfungsleistungen kamen entsprechend schnell Zweifel auf, sodass quasi flächendeckend die Ärztekammern durch die zuständigen Approbationsbehörden beauftragt wurden, für qualitativ hochwertige Prüfverfahren zu sorgen.

Das mibeg-Institut Medizin hat früh hierzu informiert und eine bundesweite Übersicht erstellt, die jetzt entsprechend in aktualisierter Form vorgelegt wird.

Dass das Bundesland Hessen mit der Beauftragung der Landesärztekammer eine Möglichkeit einrichtet, ärztliche Fachsprachprüfungen durchzuführen, wird zugleich dazu beitragen, unnötigen Approbationstourismus zu vermeiden. Approbationstourismus entsteht immer dann, wenn bestimmte Prüfungsanforderungen gescheut und Prüfer gesucht werden, bei denen es vermeintlich leichter geht, wenngleich auch dies häufig mit sehr hohen Kursgebühren einhergeht.

Jüngstes Beispiel dafür ist in einem anderen Bundesland das Angebot für einen Simulationskurs Fachsprachenprüfung, der 1500 € Kursgebühren für 42 Unterrichtseinheiten fordert. Schaut man sich den Kursplan genauer an, so sind von diesen fünf Unterrichtstagen nur zwei Unterrichtstage mit Präsenz belegt, ein Tag wird Onlinelearning angeboten, zwei Tage dienen dem »Selbststudium«. Der Kurs ist nicht zertifiziert. Der Kurs wird durch eine Firma angeboten, die zugleich mit der zuständigen Approbationsbehörde als Kooperationspartner einen Vertrag als Beratungsstelle für die Anerkennung geschlossen hat, mit dem sie aus dem Ausland kommende Ärztinnen und Ärzte in diesem Bundesland betreut.

 

Ausländische Ärztinnen und Ärzte in Hessen: Von 134 bestehen 85 die Kenntnisprüfung

Das hessische Sozialministerium hat auf Anfrage der Deutschen Presseagentur Zahlen zum Bestehen der ärztlichen Kenntnisprüfung für Antragsteller aus Drittstaaten vorgelegt. Demnach haben sich mit Stand Oktober 2018 im vergangenen Jahr 134 Ärztinnen und Ärzte einer Kenntnisprüfung unterzogen, mit der die Gleichwertigkeit der medizinischern Ausbildung nachgewiesen werden soll. 49 der Prüfungsteilnehmer bestanden die Prüfung nicht. Zwei Wiederholungen sind für die Prüflinge möglich. Ohne ein Bestehen der Kenntnisprüfung kann die Approbation nicht erteilt werden.

Das Sozialministerium veröffentlichte in diesem Zusammenhang nicht Zahlen zur ärztlichen Fachsprachprüfung. Die Handhabung der Fachsprachprüfung gilt in Hessen als umstritten. So ist bislang nicht, wie in fast allen anderen Bundesländern, die Landesärztekammer mit der Abnahme ärztlcher Fachsprachprüfungen beauftragt, sondern private Anbieter organisieren die Fachsprachprüfungen in Eigenregie für ihre Kursteilnehmenden.

Es wird davon ausgegangen, dass diese Prüfungspraxis bald einer unabhängigen Prüfungsinstanz übertragen wird, ein Verfahren, das sich in anderen Bundesländern bewährt hat. Zugleich könnte mit diesem weiteren Schritt zur bundesweiten Standardisierung der sogenannte Approbationstourismus weiter eingedämmt werden.

Die ärztliche Fachsprachprüfung in Hessen: mibeg-Institut Medizin informiert gemeinsam mit dem Marburger Bund Landesverband Hessen

Ein spannendes Seminar für aus dem Ausland kommende Ärztinnen und Ärzte, die in Deutschland arbeiten wollen, bietet der Marburger Bund Landesverband Hessen im Klinikum Fulda. Es referieren neben den Anerkennungsexperten des mibeg-Instituts Medizin die Arbeitsrechtsexpertin des Marburger Bunds Hessen, Dr. Frederike Neven, Dr. Lars Bodammer,  Mitglied des Vorstandes der Landesärztekammer Hessen und des Landesvorstands Marburger Bund Hessen sowie Ruth Wichmann vom Auslandsreferat des Marburger Bundes Bundesverband. Weiterlesen